Fitz Jenő (szerk.): Die aktuellen Fragen der Bandkeramik - István Király Múzeum közelményei. A. sorozat 18. A Pannon konferenciák aktái 1. (Székesfehérvár, 1972)
O. Höckmann: Fejtegetések a vonaldíszes kerámia vallásáról és kultuszéléetéről
hältnisse im Orient nur mit Vorbehalt als Maßstab für die Entwicklung in Europa akzeptiert werden können. Da zudem aus südosteuropäischen Kulturgruppen, die die bandkeremische Kultur unmittelbar beeinflußten, Hinweise dafür vorliegen, daß die Figuren und Figurengefäße als „lebende” Wesen empfunden wurden*3 4’, halten wir eine Interpretation als Idole nach wie vor für vertretbar. — Da sich seit unserer Bearbeitung im Jahre 1965 durch Neufunde bzw. Neupublikationen nicht allzuviele neue Gesichtspunkte ergeben haben, können wir uns hier weitgehend auf jene Ausführungen stützen. Unter den Tonstatuetten (Liste A) sind stehende Figuren von annähernd walzenförmiger Gestalt relativ am zahlreichsten bezeugt. Zwei sehr frühe Belege entstammen der Alföld-Linearkeramik Ungarns (A 1 — 2) ; ihre Form — zumal die übertriebene Betonung der Glutäen — legt nahe, sie auf Vorbilder aus der Köröskultur des ungarischen Frühneolithikum zurückzuführen. Dies ist umso plausibler, seit N. К a- 1 i c z und J. Макка y<4> die Existenz einer Fazies der Köröskultur (Medina-Gruppe) im späteren Verbreitungsgebiet der linearkeramischen Kultur, in Transdanubien, wahrscheinlich machen konnten. Dieser Gruppe wird das Statuettenbruchstück А 3 aus Esztergom zugeschrieben: ähnliche Stücke mögen den Anstoß zur Entstehung der ältesten linearkeramischen Figuren gegeben haben. Allerdings erscheint bedeutsam, daß die linearkeramische Statuette von Zalavár (А 2) anscheinend keine Frau wiedergibt, sondern einen Mann. Da aus der Köröskultur keine männlichen Statuetten bekannt sind, würde das Fundstück aus Zalavár — wenn unsere Interpretation zutrifft — dafür sprechen, daß die linearkeramische Plastik sich schnell von den Körös- Vorbildern gelöst und eine eigene Entwicklung eingeschlagen hätte. Der Typ der Walzenfigur scheint eine lange, nur lückenhaft aus den Funden zu rekonstruierende Entwicklung gehabt zu haben. Er liegt dem Großteil der rekonstruierbaren linearkeramischen Statuetten zugrunde, wobei es von untergeordneter Bedeutung ist, ob die Beine dieser Figuren einzeln modelliert oder aber zu einem walzenartigen Unterteil zusammengezogen sind*5 *’. — Die Arme scheinen in der Frühzeit als horizontale Stummel angedeutet worden zu sein (А 1, 2, 4), wie es in Ungarn auch zu späterer Zeit in der Szakálhát-Gruppe die Regel ist (A 9 — 10) und öfters auch in anderen Landschaften sowohl in (3) Verf., Die menschengestaltige Figuraiplastik in der südosteuropäischen .Jungsteinzeit und Steinkupferzeit. Münst,ersehe Beiträge zur Vorgeschichtsforschung 3 — 4, 1968, 142 (4) Referat „Südliche Einflüsse im frühen und mittleren Neolithikum Transdanubiens", Székesfehérvár 1970. (5) Ungewöhnlich ist das Fragment A 47 von Raunheim — soweit ich sehe eines der ältesten Fundstücke in Westdeutschland (Stufe JI nach W. Meier — Arendt). Es gehört möglicherweise nicht zu einer stehenden Statuette, sondern als Sitz zu einer thronenden Figur. der linearkeramischen (A 23?, 34, 47, 51, 57, evtl. 59) als auch der stichbandkeramischen Kultur (A 73) begegnet. Kennzeichnend für die Plastik der Bükker Kultur (A 15, 17, 20, 22, 35, 35a) ist es, daß die Arme nicht wiedergegeben sind, was vereinzelt (A 8, 27) auch in der Linearkeramik nachzuweisen ist — vermutlich war ein Teil der schlicht walzenförmigen Statuetten wie A 75 so beschaffen — und auch an den stichbandkeramischen Figuren A 43 — 44 zu erkennen ist. Auffälliger sind jene linearkeramischen Idole (A 14, 31, 37?, 46, 48, 56, 63, 65, 77), deren Arme freiplastisch zu den Hüften gebogen sind. Ich meinte früher, diese Armhaltung auf Vorbilder aus Vinca B2 — CI, d. h. dem sog. Vor-Lengyel-Horizont, zurückführen zu können*8’. Ein Armfragment aus Griedel (A 56), für das allerdings auch eine Deutung als Horn einer Stierfigur erwogen wurde*7’ und das der älteren Linearkeramik angehört, sowie wohl auch ein Fragment aus Diemarden (A 63) fügten sich chronologisch einer Herleitung von Vinca B2 — CI aber nicht ein. Seit nun auch die kunstvolle Statuette von Bicske (A 14) die Existenz des Motivs in der linearkeramischen Kultur für eine ältere Zeit als Vinöa B2 sicherstellt, haben wir uns mit der Möglichkeit vertraut zu machen, daß die abgewinkelte Armhaltung die Vinca-Kultur von Norden her erreicht hat*7a). Daß dies gerade während des Vor-Lengyel-Horizonts geschah, wäre recht plausibel, bezeugen doch genügend andere Importe die Intensität der Kontakte zwischen Vinöa und der bandkeramischen Kultur für diesen Zeitraum. — Selten ist die Angabe der Arme als Reliefleisten, die vor dem Leibe liegen (Wehlitz-Schkeuditz A 68). Diese Haltung ist auch in Südosteuropa selten und erscheint häufiger nur an mittelneolithischen Statuetten aus dem makedonisch-thrakischen Raum*8’. Da verbindende Funde aber fehlen, kann die mitteldeutsche Figur nur als atypischer Einzelfall gewertet werden. Die Köpfe linearkeramischer Statuetten haben nahezu ausnahmslos stark verbreiterte Stirnseiten (A 9, 27, 29-32, 46, 59, 71 ; ähnlich: A 5, 6, 10, 20, 33) oder Dreieckform mit gerader oder gerundeter Stirn (A 4, 7, 8, 14, 15. 18?, 19, 21, 65, 75), wobei sich für die letztere Variante eine östliche Verbreitung (Ungarn bis Schlesien) abzeichnet. Auch hierfür sind die Vorbilder im Bereich der Vinöa-Kultur zu suchen, wo die besten Entsprechungen wiederum dem Protolengyel-Horizont angehören*9’. Die Erwähnung eines Dreieckkopfes aus Körös-Kontext*1*” läßt zwar die (6) Verf., o. c„ JRGZM 12, 1965, 6. (7) W. MEIER — ARENDT, Die bandkeramische Kultur im Untermaingebiet. Veröffentlichungen des Amtes für Bodendenkmalpflege im Regiexungsbezii'k Darmstadt 3, 1966, 107. (7a) Hierfür könnte auch sprechen, daß gewinkelte Arme in Bosnien und Syrmien fxiiher bezeugt sind als in Vinöa selbst (Verf., Figuralplastik, S. 68, 71 f.). (8) Verf. o. c., 39, 105 f.; 78, 108, 115. (9) Verf., o. c., JRGZM 12, 1965, 5 f. (10) I. BOGNÁR - KUTZIÁN, Arch.Au 40, 1966, 259. 188