Anders Alexandra – Lőrinczy Gábor szerk.: A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve: Studia Archaeologica 12. (Szeged, 2011)

VÁLYI Katalin: „Barátokfokja". Szermonostor ártéri gazdálkodásának régészeti emlékei

, Barátok fokja' mos, der Schwestern von Nyúlsziget und der Abtei von Bakonybél. Über die Besitztümer des Klosters Szer blieb leider nichts Schriftliches erhalten. Weil Szermonostor un­mittelbar neben dem „fok" liegt, ist es vorstellbar, dass das Überschwemmungsgebiet in der Nähe des Klosters von den Bewohnern des Klosters selbst genutzt wurde. Der Suly­mos-See, der das Wasser aus dem „fok" aufnahm, konnte jedoch auch der ähnlich genannte See sein, den Ortvay in der Gemarkung von Csany lokalisiert hatte — somit würde der Name ein Andenken an die Benediktinermönche am Garammellék darstellen. Unabhängig davon ist aber sicher, dass die wirtschaftliche Nutzung des großflächigen, min­destens 6 km breiten Überschwemmungsgebietes der Theiß im Leben der Klosterbewohner eine wichtige Rolle spielte. Die offensichtlichste Form der Wirtschaft im Über­schwemmungsgebiet war die Fischerei. Den Gebrauch von Netzen, die mit Gewichten beschwert wurden, belegen Netzsenker aus gebranntem Ton oder behauenem Ziegel­stein (Abb. 2). Die Gewichte an den Rändern der Grund­netze konnten auch Unterschenkelknochen vom Pferd sein, die sog. knöchernen „kece", die aus der Volkskunde gut bekannt sind (Abb. 3. 1). Die Knochen der „kece" unter­scheiden sich von Knochenschlitten durch das Fehlen von klaren einseitigen Abnutzungsspuren sowie durch die Rich­tung und Lage der Durchbohrungen, die auf die Art der Befestigung verweisen. Die Knochen der „kece" waren normalerweise senkrecht, die Knochenschlitten fast immer waagerecht quer durchgebohrt (Abb. 3.2). Sicher ist. dass Fisch in der Ernährung auch der Klos­terbewohner von Szer eine wichtige Rolle spielte. Den bedeutendsten Anteil an den Fischknochen in der Verfüllung des Brunnens, der mitten im Wirtschaftshof freigelegt wur­de, hatten die Karpfen (24 Exemplare), es konnten aber auch Hechte, Rapfen („baksa'j, Barscharten, Silbergiebel und Zobel nachgewiesen werden. Wir haben Belege für eine interessante Nutzung von Schilf bei Bauarbeiten gefunden. Die beim Tatarensturm zerstörten Wirtschaftsgebäude des Klosters, deren Bauma­terialen Stein und Ziegel waren, wurden am Anfang des 14. Jh. wieder aufgebaut. Die Wände wurden in der west­europäischen sog. Fachwerkbauweise errichtet, die Aus­fachungen in einer lokalen Bautechnik erstellt. Lehmwände mit Holzgefüge werden in der Umgebung von Szeged als ..tutajfal" (Floßwand) bezeichnet. Typisch ist hier der Lehmbewurf, der auf Schilfmatten oder Schiltbündel aufge­tragen wird. In den Fundamentgräben fanden wir verkohlte Schilfüberreste. In den reichlich bewässerten Regionen der Über­schwemmungsgebiete, in die das Wasser „planmäßig" ein­geleitet und nach dem Hochwasser sorgfältig herausgeführt wurde, wuchsen prachtvolle Wälder. Unter den Holzproben, die aus der Freilegung des Klosters und der Siedlung stammten, dominierte die Eiche, wir fanden hier die Flaum-, Trauben- und auch die Stieleiche. Zu den häufigen Holz­arten gehörten daneben die Korbweide, Weißweide und Silberweide sowie die Wild- oder Holzbirne. Seltener ka­men Zitterpappel, Feldulme und Buche vor. Vereinzelt fand man Reste von Erle. Unter den Überresten von Kern- und Steinfrüchten (Süßkirsche, Walnuss, Weißdorn, Schlehe, Rohrkolben, Haselnuss, Pfirsich, Honigmelone, Pflaume), die aus dem Klosterbrunnen stammen, ist die Wassernuss interessant, weil diese heute schon fast unbekannte Was­serpflanze ehemals ein beliebter Leckerbissen war (Tab. 1). Die Tierhaltung zählte zur wertvollsten Nutzung des Überschwemmungsgebiets. Dies trifft besonders für die Jahrhunderte vor Mitte des 18. Jh. zu, bevor sich näm­lich die intensive Stalltierhaltung durchsetzte. Das Vieh lebte großteils ganzjährig im Überschwemmungsgebiet im Freien. Daten hinsichtlich der Tierhaltung des Klosters über den Zeitraum vor dem Tatarensturm haben wir aus zwei wichtigen Objekten gewonnen. Eine Quelle ist die Ver­tüllung der Glockengießergrube, die zu Beginn des 13. Jh. benutzt wurde, die andere ist der schon mehrmals erwähnte Klosterbrunnen. Von den Tieren, die in der Tafel aufgeführt sind, ist das Schaf das einzige, das sich nur in einer trocke­nen, sandigen Umgebung ohne Hochwasser wohlfühlt (Tab. 2). Alle anderen können gut in einem Überschwemmungs­gebiet gehalten werden. Vorstellbar ist, dass der „Barátok fokja" (Kanal der Mönche) ein künstlicher Wasserweg war. Die künstlichen Gräben, die bei Überschwemmungen der Wasserzuführung und -ableitung dienten, wurden in der Weise angelegt, dass „das Wasser langsam, gegen den Strom, ohne Zerstörung und Ablagerung gleichmäßig in das Überschwemmungs­gebiet eindringen konnte, und bei Rückgang des Wasser­standes das ganze Wasser in das Flussbett zurückgeführt wurde". Der „Barátok fokja" (Kanal der Mönche) entspricht vollkommen diesen Kriterien. Wenn er ein auf natürlichem Wege entstandener kleiner Kanal wäre, hätte das Wasser den Weg in Richtung S-SW ausgehöhlt oder ausgespült. Schriftliche Quellen über das Anlegen von künstlichen Ka­nälen haben wir seit Beginn des 15. Jh. Der Praxis des 15. Jh., der intensivsten Zeit der Nutzung des Überschwem­mungsgebiets, konnte aber eine Erfahrung von mehreren Jahrhunderten vorangegangen sein — genauer gesagt musste vorangegangen sein. Der „Barátok fokja" in der Nähe von Szermonostor hat wahrscheinlich das Erbe dieser alten Praxis bewahrt. Übersetzt von Éva Pávai-Morche I alvi Katalin Móra Ferenc Múzeum 6721 Szeged Roosevelt tér 1-3. E-mail: k_valyi@mfm. u-szeged. hu 649

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