A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve: Studia Archaeologica 11. (Szeged, 2005)
ISTVÁNOVITS Eszter – LŐRINCZY Gábor – PINTYE Gábor: A szegvár-oromdűlői császárkori telep
DIE FRUHKAISERZEITEICHE SIEDLUNG VON SZEG VAR-OROMDCLO Eszter ISTVÁNOVITS - Gábor LŐRINCZY - Gábor PINTYE Im Laufe der in Szegvár (Komitat Csongrád) von 1980 bis 1997 durchgeführten Notgrabungen wurde eine 32 000 m2 große zusammenhängende Fläche freigelegt (Abb. 1. 2). Außer den sarmatischen, frühawarischen und aus den 10. und 11. Jahrhunderten stammenden Bestattungen kam ein Teil einer frühkaiserzeitlichen Siedlung vor. In der vorliegenden Arbeit wird das Fundmaterial dieser Siedlung behandelt. Die Siedlungsobjekte befanden sich an dem Kamm des Hügelzuges und dem nordwestlichen Hügelhang. Man kann die Siedlung nicht für vollkommen freigelegt halten, da der nordöstliche Teil zu Beginn der Sandentnahme vernichtet wurde. Beiderseits konnten wir den Rand der Siedlung bestimmen: Im Südosten reichte sie bis zum höchsten Teil des Rückens, während die Siedlungsspuren im Nordwesten bis zum Fuß des Hügelzuges beobachtet werden konnten. Bei der Bearbeitung der kaiserzeitlichen Befunde zogen wir 81 Objekte, über die mehrere oder wenigere Information zur Verfügung standen, in Betracht. Mit Hilfe ihres Fundmaterials konnten 44 Objekte sicher in diese Periode datiert werden, und bei drei anderen machen die Bienenkorbform der Gruben (Obj. 84/20 und 84/21), bzw. das Skelett (Grab 155) dasselbe wahrscheinlich. Dreizehn Gruben waren bienenkorbförmig und ebenfalls dreizehn in Draufsicht kreisförmig, aber sie hatten keine Bienenkorbform. Drei von den letzteren wurden nach unten immer enger und drei von Zylinderform. Über die Form von sieben anderen Objekten verfügen wir über keine Informationen. Von den sieben eckigen (zumeist rechteckigen) Objekten wurden vier aufgrund der Größe und Form als Hausreste bestimmt (Häuser 83/1, 83/2, 84/3 und 91/1). Das Scherbenmaterial weist etwa auf 550-600 Gefäße hin. Die handgeformte Ware macht das Gros der Gefäße aus (320-350 Gefäße, 55-58 %). Das hiesige Verhältnis der scheibengedrehten und handgeformten Gefäße ist ungewöhnlich. In den kaiserzeitlichen barbarischen Siedlungen der Tiefebene ist die Dominanz der scheibengedrehten Gefäße eindeutig nachweisbar. Im Material der Siedlung gab es Bruchstücke von zwei Terra Sigillata-Gefäßen, beide der Form Drag. 37. Eines der Stücke ist eine mittelgallische Scherbe mit figuraler Verzierung (Abb. 24. 2), das andere ist das Produkt einer der Rheinzaberner Werkstätten. Zum Kreis der Keramik römischer Herkunft gehören die Bruchstücke von drei pompeianischen Tellern. Diese die italischen Sigillaten nachahmenden Teller können vom Lude des 1. Jahrhunderts bis die Mitte des 2. Jahrhunderts datiert werden. An den Ausgrabungen kamen die Bruchstücke von zwei oder drei römischen Amphoren ans Tageslicht. Nach der Meinung von Márta Kelemen handelt es sich da um pontische Exemplare (Typ 23 nach Kelemen = Typ VII nach Scorpan). Die römischen Waren vertreten 1,3-1,4 % des gesamten Keramikmaterials dieser Siedlung. Die S-förmige gebogene Bronzeblechfibel ist der Serie 10 der Gruppe V nach A Imgren zuzuordnen. Auf die lokale Eisenverarbeitung weisen mehrere Eisenluppen hin (Obj. 84/24 und 91/6). Die Lebensdauer der Siedlung von Szegvár kann mit Hilfe der Fibel, der Terra Sigillataund bemalten römischen Keramikbruchstücke bestimmt werden. Alle können in das 2. Jahrhundert, vielleicht ganz an den Anfang des 3. Jahrhunderts datiert werden. Zu einer genaueren Datierung der Siedlung trägt es bei, dass einige sarmatische Gräber manche Objekte der Siedlung überschnitten. Das Gräberfeld selbst kann vom Ende des 2. Jahrhunderts bis den Anfang des 3. Jahrhunderts datiert werden. Demnach hörte das Leben am spätesten während der markomannischen Kriege, oder nicht viel später auf. Rechnet man also nur mit der Zeit einer Generation, auch so ist es mit Recht anzunehmen, dass sich die Bevölkerung schon in der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts da ansiedelte. Die Siedlung konnte relativ kurze Zeit bewohnt sein. Einerseits weist die bescheidene Zahl der Objekte und Gebäude darauf hin und andererseits sprechen die in mehreren Fällen in verschiedenen Gruben vorgekommenen zusammengehörenden Scherben desselben Gefäßes dafür. Die Zusammensetzung des Fundmaterials ist im kaiserzeitlichen Barbaricum ungewöhnlich. Tierknochen kamen in größerer Menge als Keramikfunde vor — das weist auf eine grundsätzlich viehhaltende Lebensweise hin. Die Schüsseln und Speichergefäße, ferner die Leittypen der kugeligen Gefäße deuten auf den dakischen Kulturkreis hin. Zugleich fehlen die in den dakischen Siedlungen kennzeichnenden handgemachten Gefäße mit Girlandmuster oder mit anderen plastichen Zierden, bzw. die sog. dakischen Tassen. Es ist eine Frage, wie die Siedlung von Szegvár chronologisch und ethnisch gedeutet werden kann. Unserer Meinung nach ist es mit den nachstehenden Möglichkeiten zu rechnen: 1. Die Siedlung von Szegvár ist eine der frühesten sarmatischen Siedlungen am linken Ufer der Theiß. 2. Dies war eine Siedlung der vor der sarmatischen Ansiedlung ansässigen dakischen Bevölkerung. 3. Eine während der dakischen Herrschaft fortlebende keltische Bevölkerung lebte da. 4. Von den aufgezählten drei Populationen spielten