A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve: Studia Archaeologica 8. (Szeged, 2002)
SOMOGYI, Péter: A szeghegyi (Lovcenac, Szerbia) "lovassír" újraértelmezése
90; Grab 8 von Mokrin, Nr. 92; Grab 38 von Rákóczifalva-Kastélydomb, Nr. 115 und Grab 21 von Tiszavasvári-Koldusdomb, Nr. 146 (die nachstehenden Nummern beziehen sich auf den Katalog von NÉMETHI-KLÍMA 1992,189-231). Unter den aufgezählten Analogien gibt es Beispiele sowohl für die reine (Schädel ohne Zaumzeug) als auch für die synkretistische (Schädel mit Zaumzeug) Form des Pferde- bzw. Tieropfers. Es gibt sogar zwei Gräber (Grab 18 von Deszk-H und Grab 21 von Tiszavasvári), in denen sich ein zusätzlicher Pferdeschädel neben dem aufgeschirrten Reitpferd befand. Diese beiden und das „Grab" 142 von Környe mit nur einem Pferde- und Rinderschädel sowie die von Gábor Lőrinczy zusammengestellten frühawarenzeitlichen Fundstellen mit parziellen Tierbestattungen (LŐRINCZY 1992) belegen eindeutig, daß unter bestimmten Teilen der frühawarenzeitlichen Bevölkerung der Brauch verbreitet war, nach dem Totenschmaus die ungenießbaren Teile der Opfertiere den Toten mitzugeben. Die aufgeschirrten parziellen Pferdemitbestattungen (nur die Haut mit Schädel und Füßen) sind sowohl die Reste vom Totenopfer als auch ein „Platzhalter" für das Reitpferd des Verstorbenen. In Szeghegy steht nicht der Pferdeschädel, sondern der ebenfalls ins Grab gelegte Sattel (vgl. die Steigbügel und die eckige Eisenschnalle vom Sattelgurt) für das Reitpferd bzw. den berittenen Status der Bestatteten. Für den reinen Opfercharakter des Pferdeschädels sprechen auch die Fundobjekte aus seiner Nähe: die Bruchstücke eines Messers und einer Sichel, der Kupferkessel, darunter die Axt und der Holzeimer, vielleicht auch die östlich vom ihm geborgene Lanzenspitze und eine weitere Sichel in unversehrtem Zustand. Im Zusammenhang mit dem Grabinventar wäre auch zu untersuchen, inwieweit die aus dem Grab geborgenen Fundobjekte die Rekonstruktion einer Doppelbestattung mit unterschiedlichen Opfergaben im Fußbereich des einen Skeletts unterstützen. Das zuallererst geborgene und wie auch die beiden Schädel zerbrochene und weggeworfene Tongefäß dürfte, wie bereits Eva Garam vermutete, bei den Fußknochen des Kindes gestanden haben, so wie das zuletzt geborgene Gefäß zum Fußende des Erwachsenen gestellt worden war. Unter dem Grabinventar gibt es nur wenige Objekte, die aufgrund ihrer ungefähren Lage im Grab und ihrer Funktion als Teile der Tracht zu betrachten sind: der einfache Ohrring aus Silber, die bronzene Taschenschnalle, die bronzene Schelle mit dem bronzenen Kettenglied und dem weiteren Kettenfragment. Sowohl diese Trachtgegenstände als auch den als Totenobolus mitgegebenen, zwischen den Jahren 616 und 625 geprägten, leichtgewichtigen Solidus des Heraclius (SOMOGYI 1997, 62. Kat.-Nr. 48) würde ich dem Skelett des erwachsenen Individuums zuordnen. Es ist bestimmt kein Zufall, daß mit Ausnahme des Ohrrings alle aufgezählten Fundobjekte byzantinischer Provenienz sind. Es sind nämlich nicht nur die Münze und die Taschenschnalle vom Typ Salona-Histria (GARAM 1982. 85: GARAM 2001. 108-109), sondern auch die wohl in der Tasche verwahrte Bronzeschelle und die beiden Kettenglieder Produkte des mediterranen Raums. Obwohl Vergleichsbeispiele mittlerweile auch aus dem Inneren des Byzantinischen Reichs wohl bekannt sind (CICUROV 1991. 33; UENZE 1992), wurde die offensichtlich byzantinische Provenienz dieser billigen Handelsware von der Awarenforschung noch nicht zu Kenntnis genommen. Nicht einmal Eva Garam erwähnt sie in ihrer vor kurzem erschienenen Monographie über die Funde byzantinischer Herkunft aus der Awarenzeit (GARAM 2001). In Anbetracht der genannten Trachtgegenstände dürfte es sich bei dem erwachsenen Individuum der Doppelbestattung von Szeghegy um eine Frau handeln. Dafür sprechen auch die kleindimensionierten Steigbügel und die Kette aus sechs Eisenringen unterschiedlichen Durchmessers. Ähnliche Ketten sind nämlich in dem awarischen Gräberfeld von Cikó überwiegend aus Frauengräbern bekannt (SOMOGYI 1984, 80). Wie lassen sich nun die übrigen, auf den ersten Blick wohl sehr martialischen Fundobjekte (die Axt, das angebliche Schwert und der vermutete Schild, die Lanzen- und die Pfeilspitze) in dieses Bild einfügen? Das von Roediger für den Randbeschlag eines Schildes gehaltene gebogene Eisenfragment erwies sich als die Randbefestigung des Kupferkessels (GARAM 1982, 76, 85). Daß die fünf flachen Eisenfragmente wirklich Teile eines Schwertes darstellen, war nicht einmal für Lajos Roediger sicher: „5 Stk. Fragmente eines Eisenschwertes(?)" (ROEDIGER 1903. 275). Auch ihre Lage im Grab, bei der Eisenkette und neben den Unterschenkelknochen, spricht gegen ihre Identifizierung als Fragmente eines Schwertes. Bekanntlich befinden sich die Hiebwaffen in awarischen Männergräbern fast ausschließlich im Bereich des Oberkörpers! Die Lanzenspitze wurde bereits von Hampel als Werk-