A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve: Studia Archaeologica 4. (Szeged, 1998)
BENDE Lívia: A pitvarosi késő avar kori temető 51. sírja. (Adatok a késő avar kori lószerszámok díszítéséhez)
DAS GRAB 51 IM SPÄTAWARENZEITLICHEN GRABERFELD VON PITVAROS (BEITRAGE ZUR VERZIERUNG DER SPÄTAWARENZEITLICHEN PFERDEGESCHIRRE) Lívia BENDE Im Jahre 1993 begannen die Bauarbeiten eines etwa 35 ha großen Wasserspeichers südöstlich ca. 1,5 km weit entfernt von Pitvaros (Komitat Csongrád). Am westlichen Ufer des natürlichen Sees (einst Rußbett) kamen die Gräber des spätawarenzeitlichen Gräberfeldes beim Abtragen der Humusschicht und bei den Bauarbeiten des Dammes zum Vorschein. Im Herbst 1993, dann im Jahre 1994 bzw. 1996 kamen insgesamt 225 Bestattungen — darunter sieben Stollengräber — auf dem ca. 5000 m 2 großen freigelegten Gelände vor. Der nördliche, südliche und östliche Rand des Gräberfeldes konnten gefunden werden (in östlicher Richtung war der Wasserlauf die natürliche Grenze), aber in westlicher Richtung setzten sich die Grabreihen auch außerhalb des Baugeländes fort. Von den Bestattungen wird diesmal das Stollengrab 51 (Abb. 2-3) behandelt. Im Schacht des NW-SO-orientierten Grabes wurde das Skelett eines umgekehrt orientierten, kaum zweijährigen Hengstes (VöRös 1998) freigelegt. Auf dem Pferdeschädel und darunter lagen die Zierden des Zaumes (Abb. 15. 1-2) bzw. auf dem Nasenrücken und in der Stirngegend die vergoldete Kopfbuschhülse, das Ensemble der Nasenzierden und gepreßten Klappern (Abb. 4-5), ferner die aus Blech ausgeschnittenen kleinen und großen Phaleren und die halbkugeligen gepreßten, durchbrochenen Zaumzierden (Abb. 6-9) — im Inneren der Gegenstände fand man ein silikathaltiges Material (Tenax) zur Versteifung. Das Hinterzeug wurde mit drei tauschierten (vergoldete Bronzeeinlage) Eisenrosetten verziert (Abb. 9. 16-18). Im Maul des Pferdes fand man ein Eisenzaumzeug mit schlangenförmigcr Gebißstange, und an seiner rechten Seite einen einzigen Eisenbügel. In der Füllerde des Grabes, in der Kopfgegend lag ein Stück eisernes Panzerblech. In dem, in den Stollen geschobenen Sarg lag das Skelett eines 49-58jährigen Mannes, ursprünglich in gestreckter Rückenlage, es rutschte aber auf dem fallenden Boden des Stollens in das Ende des Sarges. Sein Gürtel wurde mit gegossenen, vergoldeten, lilienverzierten Gürtelbeschlägen verziert. Am Mann kamen noch eine dreigliedrige türkisfarbene Stangenperle und eine einzige Pfeilspitze vor (Abb. 11). Der Verstorbene wurde in einem Stollengrab bestattet, das jenseits der Theiß einen kennzeichnenden Grabtyp vertritt. Die ursprüngliche Form des Grabes blieb im bindigen, gelben Lehmboden schön erhalten. Die Form des Grabes unterscheidet sich von der der gut dokumentierten früh- oder spätawarenzeitlichen Stollengräber im wesentlichen nicht (LŐRINCZY 1994, 317; LŐRINCZY 1995, 1. kép; JUHÁSZ 1995a; MADARAS 1992, Taf. 2). Ein spezifischer Zug ist aber die Aushöhlung für den Abschluß des Stollens vor seinem Mund, bzw. auch im Inneren des Stollens liefen ähnliche Aushöhlungen für die Erleichterung der Niederlassung des Sarges. Das oben behandelte Grab ist von hervorragender Bedeutung, da es einerseits ungestört ist, und andererseits die einzige authentisch freigelegte und dokumentierte Bestattung mit Kopfbuschhülse jenseits der Theiß ist, in der die Trachtweise eines sehr selten vorkommenden spätawarenzeitlichen Gegenstandstypes, nämlich die der durchbrochenen Zierden des Zaumes (in den weiteren die Zierden der Nase) und seine Zusammenhänge mit den sonstigen Zierden des Zaumes an ihrer ursprünglichen Stelle zu beobachten waren. Neulich beschäftigte sich József Szentpéteri ausführlich mit den im Karpatenbecken erschlossenen Bestattungen mit Kopfbuschhülse, ferner mit ihrem Fundhorizont und mit der gesellschaftlichen Gruppe, für die dieser Fundtyp kennzeichnend ist, also mit dem Kreis der bewaffneten Reiter. Der Verfasser analysierte insgesamt 20 Kopfbuschhülsen eingehend (SZENTPÉTERI 1993). Während die Stelle des Tragens der Kopfbuschhülsen offensichtlich zu sein scheint (die Darstellung auf einem der Stücke des Schatzes von Nagyszentmiklós ist für authentisch zu halten — LÁSZLÓ-RÁCZ 1977, 2. kép), lieferten die publizierten Fundmaterialien hinsichtlich der genauen Stelle der Nasenzierden bis jetzt sehr wenige Anhaltspunkte, um so mehr, weil sie fast immer in gestörten Gräbern vorkamen. Gegenwärtig sind insgesamt 32 Zierden diesens Typs in 16 Gräbern auf sieben Fundorten bekannt. (Die Listen der Gräberfelder und Gräber s. oben!) Von den, in den erwähnten Gräbern vorgekommenen Zierden sind 22 Stücke kleinere und 10 größere Exemplare. Die vollkommene Garnitur besteht im allgemeinen aus drei Stücken, aus zwei kleineren und einem größeren Stück - mindestens weisen die ungestörten Gräber darauf hin. Es gibt eine einzige Ausnahme: Im Grab 10 von Dunaradvány-Zsitvatő kamen drei kleinere Zierden und ein größeres Exemplar, also insgesamt vier Stücke vor. (Diese sind auch in formaler Hinsicht in Ausnahmestellung, weil sie ein menschliches Gesicht darstellen, und dadurch von den anderen abweichen.) Obwohl das Grab total zerstört wurde, kam darin das aus einer Kopfbuschhülse, aus durchbrochenen Nasenzierden und gepreßten Klappern bestehende Fundenscmble außer dem Grab von Pitvaros im vollsten Maße vor. Alle Exemplare wurden aus Blech ausgeschnitten und die Vergoldung wurde als die einzige Verzierungsart angewandt. Die kleineren Stücke wurden mit drei und die größeren mit vier Nieten auf dem Riemen befestigt. Ihr Durchschnitt beträgt ca. 3 oder 4 cm.