A MÓra Ferenc Muzeum Evkönyve 1964-65. 1. (Szeged, 1966)

Szelesi Zoltán: Munkácsys „Landnahme” in Szeged

Er besichtigte die Funde aus der Landnahmezeit in der archäologischen Sammlumg des Szegeder Museums, auch sammelte er sachliche Denkmäler von volkskundlicher Beziehung. Er hat hier das charakteristische landschaftliche Antlitz dieses Teiles des Alföld kennen gelernt, hat auch anthro­pologische Untersuchungen über die Volkstypen der Umgebung betrieben, aber er hat auch die Traditionen bewahrende Denkweise der südungarischen Hirten, Fischer und Bauern kennen lernen können. Wie kurz auch immer Munkácsys Studienreise in der Heimat — und innerhalb dieser sein Aufenthalt in Szeged — gewesen sein mag, es lässt sich doch behaupten, dass seine Erlebnisse von inspirativer, anfüllender Bedeutung auf ihn waren. Erheblich wurde er durch diese in der Lösung der Details des „Landnahme" und in der endgültigen Ausbildung seines Gemäldes gefördert. In unserem früher verfassten Aufsatz, der im Jahrbuch von 1957 des Móra Ferenc Museums erschienen ist, haben wir darauf schon hingewiesen, dass Munkácsys Theaterbesuch während seines Szegeder Aufenthaltes von kunsthistorischer Hinsicht besonders bedeutungsvoll war. Wir haben erwähnt, dass er in der Aufführung des hiesigen Theatercnsembles das Volksstück ,,A sztrájk" ('der Streik') von Ede Szigligeti und Sándor Balázs besichtigte, das von grosser Wirkung auf ihn war. Mit voller Gewissheit können wir behaupten, dass er nach vier Jahren, im Jahre 1895 sein Werk mit einem Thema aus der Arbeiterbewegung „Der Streik" auf Antrieb dieses Theaterstückes malte. Von diesem wahrscheinlich scheinenden Gedanken ist auch Imre Katona ausgegangen, der sich in der Augustnummer von 1962 der Zeitschrift „Művészet" auf analysierende Weise mit den Zusammenhängen der ungarischen Streikdarstellungen in bezug auf Genetik und Vergegen­wärtigung befasste. Auf Grund des von uns veröffentlichten, aber bis dahin unbeachtet gelassenen Datums von grundlegender Erkenntnis hat er nachgewiesen, dass die Grundmotive der Entstehung von Munkácsys „Streik" tatsächlich in dem Balázs-Szigligetischen Theaterstück, das der Künstler in Szeged gesehen hatte, zu suchen sind. Mihály Munkácsy reiste nach einem Aufenthalt von einigen Tagen mit inspirierenden Ein­drücken aus unserer Alfölder Stadt ab, und nach Beendigung seiner ungarländischen Studienreise kehrte er nach Paris zurück. In Neuilly liess er ein eigenes Atelier zum Malen des umfangreichen „Landnahme" bauen. Zuerst verfertigte er das Karton des Gemäldes — das später nach Szeged gelangte — eine Kohlezeichnungskomposition von gleichfalls beträchtlicher Grösse. Auf Grund dieses Werkes begann er die Ausführung seiner auf Leinwand gemalten Schöpfung, die er ringend mit seiner immer schwerer werdenden Krankheit im Frühjahr 1893 zum Abschluss brachte. Das fertige Gemälde wurde von ihm im Mai desselben Jahres im Pariser Salon vorgeführt. Seine Schöpf­ung wurde sowohl von der französischen als auch von der ungarländischen Kritik im allgemeinen schlecht aufgenommen. Mit seinem Gemälde war auch der Meister selbst unzufrieden: „. . . die richtige Lösung suchend verfertigte er in seiner Ungeduld noch während der Ausstellung seines grossen Werkes jene Skizze, die in das Szegeder Museum gelangte". Wenn wir sein Gemälde „Die Landnahme" gründlicher studieren, so können wir feststellen, dass Munkácsy seine Vor­stellungen auf seiner nach Szeged gekommenen grossen farbigen Skizze erfolgreicher verwirklichte, als auf seinem als endgültig gedachten im Parlament von Budapest befindlichen Gemälde. János Reizner, Direktor der Szegeder Bibliothek und des Museums machte im Oktober 1895 den Vorschlag, dass die Stadt die grossangelegtc Ölskizze von Munkácsys „Landnahme" käuflich erwerben möge. Der Antrag wurde von dem Rat mit Beschluss angenommen und von der Kauf­absicht wurde der Meister benachrichtigt, der brieflich mitteilte, dass er geneigt ist, die ausgearbeitete Farbenskizze des „Landnahme" gegen den von der Stadt angebotenen Kaufpreis von 43.330/89 Kronen der Stadt zu überlassen. Der Geldwert des Kaufes war in provinzieller Relation unge­wöhnlich hoch, so dass das beispielgebende Kunstmäzenatentum der Theissstadt mit vollem Recht die Anerkennung der Budapester Presse auslöste. Munkácsy konnte sein Vorhaben, die nach Szeged gelangte Skizze seines berühmten historischen Gemäldes ausgearbeitet zum Abschluss zu bringen, wegen seiner inzwischen aufgetretenen Krakheit und dann wegen seines Todes nicht mehr verwirk­lichen. Die Leitung der Stadt brachte doch die Entscheidung, dass sie geneigt sei, die Skizze auch unvollendet zu übernehmen und auch den ausbedungenen Kaufpreis nicht zu verkürzen. Dieser Beschluss wurde auch der Wittwe des Künstlers mitgeteilt, die das Gemälde im Juni 1897 nach Szeged versenden liess. Das imposante Werk wurde in der Galerie des neuen Kulturpalastes der Stadt aufgestellt. Seit Munkácsys Tod vor mehr als halbem Jahrhundert liessen mehrere kürzere und längere Aufsätze die Tage des Aufenthaltes des Künstlers in unserer Stadt und die Geschichte der Erwer­bung des „Landnahme" aufleben. Alle diese Schriften können uns bezeugen, dass die Erinnerung an Munkácsy im Kreise des Volkes von Szeged bis auf den heutigen Tag lebendig geblieben ist. Diese Beziehung wurde noch gestärkt durch Fälle, wie die Erwerbung je eines Munkacsy-Gemäl­des, aber vor allem durch die prächtigen farbigen und Kohleskizzen des bestrickenden „Land­nahme". Diese umfangreichen Werke des Künstlers wurden nicht nur durch die Hiesigen, sondern auch durch Leute aus anderen Gegenden des Landes bewundert und die künstlerische Schaffens­kraft des Munkácsyschen Genius anerkannt, desgleichen der Ausdruck der geschichtsbildenden Wichtigkeit der auf dem Gemälde dargestellten Volksmassen. 224

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