A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve, 1963 (Szeged, 1963)
Fettich, Nándor: Symbolischer Gürtel aus der Awarenzeit (Fund von Bilisics)
ganz andere völkische und gesellschaftliche Formation, als hinter den Bronzen der Greifen- und Rankengruppe. Das steinerne Gussmodell bringt uns mit grossem Schritt zur Kenntnis der Werkstatt der bleiernen Güsse und des gesellschaftlichen Hintergrundes vorwärts. In Folgenden sollen nun weitere bleierne Gürtelbeschläge, die in ähnlichen steinernen Gussformen verfertigt waren, zur Untersuchung gezogen. 3. Bleierne Gürtelgarnituren aus Alattyán und Kecel Meine Ausgrabungen in den 30-er Jahren haben in Alattyán (Kom. Szolnok) und in Kecel (ehem. Kom. Pest, jetzt Kom. Bács-Kiskun) bleierne Garnituren ans Tageslicht gefördert. Alattyán—Tulát, Grab 542: Abb. 6, 1—8a. In 1,60 m tiefem Grab lag das Skelett eines Mannes. L. Ilona Kovrig hat in ihrer Alattyán-Monographie, Arch. Hungarica, XL, 1962, festgestellt, dass der Gürtel dem Toten nicht angeschnallt, sondern nur einfach mit beigegeben war. Zuerst wurde dieser Gürtel ins Grab gegeben, dann wurde der Leichnam ins Grab gelegt. Die grosse Riemenzunge (1) lässt sich durch den Schnallenring (2) nicht durchziehen; noch weniger durch die Bronzeschnalle (3). Kovrig denkt also, in Anlehnung an die Beobachtungen von I. Dienes in Basahalom, an einen schmäleren, anzuschnallenden Riemen, der in die Bronzeschnalle eingeführt worden sei. Die bleierne Schnalle soll dagegen als Verzierung (Pseudoschnalle) gewisse Rolle gespielt haben. Dieser Gürtel sei niemals getragen, er habe ausschliesslich für die Zwecke der Grablegung gedient. Sie bezieht sich auf Gy. László' s Feststellung, dass man mit Gegenständen, die direkt für das Grabzeremoniell verfertigt waren, zu rechnen haben müsse. Diese Beobachtungen lassen sich nun mit Resultaten technologischer und stilkritischer Untersuchungen ergänzen. Vor allem wird festgestellt, dass hier keine Spur der Nagelung, so charakteristisch für die Montierung der Bronzegüsse der Greifenund Rankengruppe, zu finden ist. Die grosse Riemenzunge (1, la) und die drei kleinen Riemenzungen (5, 5a—b) wurden zum Riemen nicht mit Nagel befestigt. Das Ende des Riemens wurde in die Tülle, wahrscheinlich beschmiert mit Kleberkleister, eingelassen und gepresst. Diese Art der Befestigung zeigt ganz klar, dass dieser Gürtel praktisch unbrauchbar war. Aber auch die verschiedenen Beschläge (4, 6, 7) mit ihrem einzigen Niet (4a—b, 6a—b, 7a—b) sprechen dafür. Beim praktischen Gebrauch wäre ein einziger Niet ungenügend gewesen. Der Beschlag hätte sich nämlich bald auflockern und sich herumdrehen. Ausserdem wurde für die bleierne Schnalle kein Schnallendorn verfertigt, demzufolge wurde für einen solchen Dorn keine Öffnung zwischen Beschlagteil und Rahmen gelassen. Das ganze Stück ist ein einziger, geschlossener und massiver Guss. Auch ihr Schnallenring ist ungewöhnlich (Abb. 6, 2): sein Querschnitt ist dreiecking. Diese Art der Befestigung der Riemenzungen ist in der Archäologie der Völkerwanderungszeit wollig unbekannt und neu. Die Technik der Befestigung mit angelöteten Nieten ist aber uns schon von den bleiernen Beschlägen der Garnitur von Bilisics bekannt. Die Ähnlichkeit der technischen Lösung der Montierung bei diesen beiden Garnituren weist auf dieselbe Werkstatt hin. Eine stilkritische Untersuchung der Gürtelgarnitur von Alattyán führt uns auf weitere Spuren nach der Werkstatt. Das pflanzliche Muster der grossen Rimenzunge (1) und der bleiernen Schnalle (2) lässt sich auf awarischen Bronzen noch leicht vorstellen. Die Stilelemente der anderen Beschläge sind dagegen der Kunst der Bronzegüsse der Greifen-und Rankengruppe gänzlich fremd. Bereits auf der bleiernen Pseudoschnalle 7 C