A Móra Ferenc Múzeum Évkönyve, 1963 (Szeged, 1963)
Fettich, Nándor: Symbolischer Gürtel aus der Awarenzeit (Fund von Bilisics)
bei Csallány steht. 3 Die mit Meissel und Bohrer verfertigte Gussform (Abb. 2; Abb. 3, 1, la) ist bei den Füssen des weiblichen Skelettes gelegen. Die aus kleinen Eisenringen bestehende Kette wurde beim Hals gefunden (Abb. 3, 2). Sie ist aber kein Bruchstück eines Kettenpanzers, wie Csallány meint (S. 114), sondern Bestandteil der weiblichen nichtawarischen Tracht. Hierüber schreibe ich in meinem Buch über Pilismarót—Basaharc ausführlicher. An den Handgelenken wurde je ein glatter Armring aus Bronze gefunden. Von diesen beiden Stücken ist nur ein kleines Bruchstück erhalten geblieben (Abb. 3, 3). Eine ausführliche Beschreibung der steinernen Gussform ist bei Csallány: S. 114 f. zu lesen. Man wollte vier verschiedene Formen von awarischen Ohrgehängetypen in den Stein eingravieren. Es sind aber davon nur zwei (1, 2) fertig geworden (samt Gussgraben: 16, 17), sowie der obere Teil einer dritten (3) (samt Gussgraben: 18); für eine vierte Gussform ist nur der Platz frei gelassen. Ausserdem sind Gussformen von Perlenstäben (9, 10, 11, 12, 13) in den Stein eingraviert. Zwei tiefere Löcher (14, 15) dienten zur Befestigung der beiden Negative. Das Gegenstück des Negativs ist nicht vorhanden; vielleicht wurde es niemals fertiggestellt. Csallány und früher /. Erdélyi haben diese Gussform als Dokument der awarischen Bronzegusskunst ausgewertet. Kein Wunder! Die Umgebung nämlich, in der dieser Grabfund vorgekommen war, ist durch die besten Gürtelgarnituren der Greifen- und Rankengruppe charakterisiert. Auf Abb. 4 und 5 sind zwei solche Garnituren zu sehen. Die Spuren der Nagelung auf den Garniturstücken derselben sind in Formen von Nagellöchern, bezw. Nägeln recht gut sichtbar vorhanden. Die Gürtelgarnitur des Grabes 7, im Gegensatz zur bleiernen Garnitur des Grabes 1, stand lange Zeit hindurch im Gebrauch. Die Spuren der Abnützung sind im harten Bronzematerial gut zu sehen. Das untere Ende der rankenverzierten kleinen Riemenzunge ist so stark abgewetzt, dass der Rahmen und der Stiel der Ranke fast vollkommen zusammengeschmolzen sind (3). Gleichfalls zeigt das massive Stück unter 4 starke Abnützungsspuren. Auch das untere Ende der grossen Riemenzunge (1) ist stark abgenutzt. Die Achse der Scharnierkonstruktion bei der Riemenschnalle (2) ist, infolge des langen Gebrauches, stark verbogen, ja sogar ist der Schnallenbeschlag selbst ruiniert. Auch der Drehbeschlag (8), über den wir weiter unten noch zu sprechen kommen werden, ist stark abgenutzt und eingekratzt. Auch an den Gürtelbeschlägen, versehen mit Hängeglied, sind die Spuren des langen Gebrauchs zu finden. Das kleine Hängeglied hat die Achse der Scharnierkonstruktion (gut sichtbar auch an der Zeichnung unter 6) etwas verbogen. Die Garnitur des Grabes 2 (Abb. 4, 1—4) ist hier in erster Linie deshalb beachtenswert, weil trotz der Härte des Bronzematerials den Gebrauch nicht aushalten konnte und verdorben ist (2a). Heute ist diese Schnalle mehr nur in Bruchstücken vorhanden (2—2a). Die Formen und der Motivschatz der bleiernen Garnitur von Bilisics sind mit dem Motivschatz der Greifen- und Rankengruppe völlig gleich. Ist also niemandem aufgefallen, dass wir aus Bilisics nicht die Materialien einer einheitlichen Kultur besitzen, sondern vermischt sich in diesem Fundmaterial der Kreis der awarischen Bronzegusskunst der Greifen- und Rankengruppe mit einem Produkt der Kultur der pannonischen Städte. Die städtische Kultur vertritt mit der Nachahmung der awarischen Formen und des awarischen Motivschatzes in Blei einen gänzlich anderen Anspruch, eine gänzlich andere religiöse Auffassung und steht hinter derselben eine 3 Csallány: а. а. О. S. 113 ff. 68