Ujváry Zoltán: Kultusz, színjáték, hiedelem (Miskolc, 2007)

Játék és maszk. Dramatikus népszokások III.

690 Spiele und'Masken an den Arbeitsstätten SpieCe bei der Totenwache SpietundÖvlaske dramatische VoC^sbrauche III. SpieCe und Massen an den ^Arbeitsstätten SpieCe bei der Totenwache Neben den Anlässen, die das Kalenderjahr bietet, und den Hochzeiten zählen - wie dies das reiche Traditionsgut zeigt - auch die Arbeitsstätten zu den Schauplätzen für die volkstümlichen dramadschen Spiele. Das ausserordentlich beachtenswerte Repertoire dieser Spiele stellte sich uns in der Schauspielerei bei verschiedenen Arbeiten dar. So können wir bei den Arbeiten, die von ganz unterschiedlichen Gruppen ausgeführt werden, nahezu alle Varianten der Spiele mit maskierten Gestalten antreffen. Die Spiele an den Arbeitsstätten weisen eine enge Verbindung mit den schauspielartigen Bräuchen bei der Hochzeit und im Rund der Kalenderbräuche auf. All die Spiele, Szenen und maskierten Gestalten, die von den Arbeitsstätten her bekannt sind, haben in Ungarn ihren Ursprung im Repertoire des volkstümlichen dramatischen Brauchgutes. Mit Ausnahme einiger bei der Arbeit typischen Bräuche — die einzelnen Spiele bei der Weinlese oder beim Schlachtefest - kamen diese Spiele auch in der Schauspieltradition zu anderen Gelegenheiten vor. Sehr deutiich zeigt dies das mit der Spinnstube verbundene Brauchtum, wo die unterschiedlichen Varianten der ungarischen Volksschauspiele, die maskierten Gestalten, teriomorphe und antropomorphe Figuren in gleicher Weise auftraten. Auf dem ungarischen Sprachgebiet stellte die Spinnstube überall eine bedeutsame Stätte für Arbeit und Vergnügung dar. Das Leben der unterschiedlichen Kunstgattungen der Folklore veranschaulicht gut, wie ausserordentlich wichtig ihre Rolle im Funktionieren der Volkskultur sowie im Bewahren und Weitergeben der Tradition war. Für die Verbindung zwischen Arbeit und Vergnügen üefert gerade die Spinnstube die besten Beispiele. Das gemeinschaftiiche Beisammensein in den Arbeitspausen oder nach beendeter Arbeit Hess die folkloristischen Kunstgattungen immer wieder zu neuem Leben erwachen. In diesem Milieu wurde die Spinnstube zum wichtigsten und gelegensten Schauplatz des Volksschauspiels. Historischen Angaben nach nahm die Rolle der Spinnstube bei der Schauspielerei vor allen anderen Anlässen und Gelegenheiten den bedeutendsten Platz ein. Als Schauplatz war die Spinnstube gerade der richtige Ort für das Aufführen von Spielen und maskiertem Mummenschanz. Und so trug sie in starkem Masse zur Entwicklung der volkstümlichen Schauspielerei und zur Vererbung des Spielrepertoires bei. Die Spinnstube darf als ein Schauplatz betrachtet werden, wo der Kontakt zwichen den Spielern und dem Publikum sehr eng war, und diese Verbindung war von günstiger Wirkung auf die Entwicklung der volkstümlichen Schauspielerei und auf die Entfaltung der Spielvarianten. Eine wichtige Vorbedingung für die Schauspiele und den maskierten Mummenschanz in der Spinnstube war, wie die Vortragenden aufgenommen wurden, und welche Möglichkeiten für das Spiel geschaffen werden konnten. Eben daher kam der Reaktion des Publikums sowie der Beurteilung der Spieler und der maskierten Gestalten wie auch der an sie gestellten Anforderungen eine grosse Rolle zu. Schauspiele und maskierte Szenen wurden in den Spinnstuben praktisch ständig aufgeführt in der Spinnsaison. Die maskierten Gestalten für die in diese Zeit fallenden Kalender feste, wie z. B. die weiss verhüllte Frau Lucia (ung.: \jica­ass^onj) und der Nikolaus, traten auch in der Spinnstube auf und erweiterten das Repertoire der Spiele. In der überaus reichen Auswahl an Spinnstubenspielen konnten wir von der einfachsten stummen Einpersonenszene bis hin zu den zusammengesetzteren Schauspielen mit mehreren Rollen die unterschiedlichsten Varianten beobachten. Oftmals machten allein das Auftreten der maskierten Gestalten; das Groteske ihrer Masken und der das ganze Ereignis abschliessende Maskeradentan^ das Spiel aus. Bei derlei Auftritten waren die Pantomime, die Improvisation und der Ideenreichtum ausserordentlich wichtig. Die Spieler verkleideten sich als altes Mädchen, alter Mann, schwangere Frau, Bettkr, Zigeuner, Wanderer oder als verschiedene Genre-figuren usw. Diese Gestalten kamen auch in den Gruppenspielen mit mehreren Rollen vor. Unter den teriomorphen Maskenszenen waren in der Spinnstube am häufigsten die Verkleidungen als Pferd, Ziege und Storch. Von diesen kamen besonders die beiden ersten recht häufig vor. Die Verkleidung als Pferd wurde mancherorts Eselei (ung.: s^amarazas) genannt. Die Esel- und die Pferdverkleidung kommen sich in der Form gleich, nur die Bezeichnung weist manchmal auf einen nationalen Unterschied hin. Die Spiele mit Ziegenmasken, die mit dem Faschingin Verbindung stehen, gehören gleicherweise auch zu dem in die Zeit des Faschings zählenden Traditionskreis der Spinnstube. Die Anpassung an die Gemeinschaft und das Müieu sowie die Parallelen zu ähnlichen Spielen mit Ziegenmasken bei anderen europäischen Völkern stellen die unterschiedlichen Varianten gut dar. Die Verkleidung als Bär kam in der Spinnstube hingegen seltener vor. Dieses Spiel hatte seinen Ursprung im Bärentanz, was auf ein

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