Kunt Ernő szerk.: Kép-hagyomány – Nép-hagyomány (Miskolc, 1990)

I. RÉSZTANULMÁNYOK - Tüskés Gábor-Knapp Éva: Barokk kori mirákulumos könyvek illusztrációs sorozatai

sehe Typen, sondern auch komplexe narrative und ikonographische Programme über­nommen und vermittelt. Die Graphiken wurden in der gleichen Gattung und in anderen Gattungen als Vorbilder verwendet, und es wurden mehrere Möglichkeiten für die räumliche Konkretisierung des Zeitfaktors ausgenützt. Wir haben mehrere Beispiele gesehen für die Internationalität der Gattung, für die Entstehung von Bildvariationen, für die Modernisierung der Bilder, für die konsequente Verwendung von relativ stabi­len Bildkonventionen und Symbolen im Rahmen einer universalen Bildersprache sowie für den Auflösungsprozess dieser Ausdrucksmittel. Die künstlerischen Komponenten des untersuchten Quellenmaterials wurden von der Wirkung der Erzähltradition und von dem instrumentalen Charakter der Darstel­lungen wesentlich bestimmt. Darum haben wir, obwohl im Material die Spuren der historischen Stilepochen gut zu verfolgen sind, statt den traditionellen Stilbegriffen entstehungsgeschichtliche, intentioneile, funktionelle und rezeptionsgeschichtliche Ge­sichtspunkte in den Vordergrund gestellt. Die meisten Darstellungen verfügen über eine komplexe Bildstruktur, und viele von ihnen sind ohne den dazugehörigen Text schwer oder gar nicht zu verstehen. In anderen Fällen sind die Bilder auch unabhängig vom Text gut zu lesen. Während innerhalb einer Serie grössere Unterschiede in Form und Stil nicht zu beobachten sind, ist das Verhältnis von Erzählstruktur und Bildstruk­tur äusserst differenziert. Die Bilder weisen im Verhältnis zu den Texten im allgemeinen kein neues Motiv auf, bringen keine Erzählvarianten zustande und von den parallelen Varianten der Erzählmotive legen sie nur eine fest. Dadurch wird notwendigerweise zu einem Selek­tionsprozess beigetragen und gleichzeitig die Glaubwürdigkeit des geschriebenen Tex­tes unterstrichen. Diese Darstellungen sind durch ihre enge Verbindung zu der literari­schen Tradition narrative Strukturen, deren wichtigste Aufgabe in der Organisierung, illustrativen Erläuterung, Interpretation und Bezeugung der popularisierenden Erzä­hlinhalte mit den traditionellen Ausdrucksmitteln liegt. Diese visualisierte narrative Theologie der Wallfahrt, darüber hinaus der Gnadenvermittlung stand gänzlich im Dienst der Katechese, der Unterweisung: Die Bilder haben durch die sinnliche Verge­genwärtigung der verschiedenen religiösen, moralischen und sozialen Bewusstseinsin­halte greifbare Wirklichkeit werden lassen und sie als Gewissheit erlebbar gemacht und zur objektiven Erscheinung geholfen. Wir haben die Illustrationen, dem gesetzten Ziel entsprechend, nur nach einigen Gesichtspunkten untersucht. Wir konnten uns z.B. nicht näher beschäftigen mit der historischen Objektivität der Bilder, mit der Vermittlungsrolle der Stecher als zwei­sprachige Künstler, mit der Wirkung der Ikonographie auf die Erzähltradition sowie mit der Rolle der Darstellungen in der Verbreitung der narrativen Texte und der verschiedenen Legendenmotive. Ein eingehender Vergleich mit den internationalen Beispielen der Gattung wäre ebenso wünschenswert wie auch die Erforschung des Weiterlebens der traditionellen narrativen Bildtechniken in den modernen Kommuni­kationsmitteln. Man müsste auch das graphische Material von weiteren Publikationsty­pen der geistlichen Literatur (z.B. Bilderkatechismen, Bruderschaftsbücher) sowie der übrigen weltlichen Erzählgattungen (z.B. Liedflugblätter) in die Analyse einbeziehen. Aus der Untersuchung des dynamischen Verhältnisses zwischen den zwei Kunstformen werden sich sowohl für die Literatur- und Kunstgeschichte als auch für die Volkskunde wichtige Erkenntnisse ergeben. ANMERKUNGEN 1. Für die stilistische Überarbeitung der deutschen Fassung danken wir Karl Kolb, Wiesbaden. 2. Brednich - Brückner - Pieske - Thamm - other 1977. 3. Brückner 1981., Bringéus 1982., Thym-Hochrein 1985.

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