Kunt Ernő szerk.: Kép-hagyomány – Nép-hagyomány (Miskolc, 1990)

I. RÉSZTANULMÁNYOK - Tüskés Gábor-Knapp Éva: Barokk kori mirákulumos könyvek illusztrációs sorozatai

Bei der vierten und letzten Illustrationsfolge verdient nicht in erster Linie die Entstehungsgeschichte, sondern das Nachleben der Bilder Aufmerksamkeit. 24 Diese Serie besteht aus 12 Bildern und erscheint das erste Mal 1763 in dem deutschsprachigen Mirakelbuch über Máriaradna in Siebenbürgen. Der Stecher ist jener Johann Philipp Binder, von dem bisher die meisten Graphiken über ungarische Wallfahrtsorte bekannt sind. Die Bilder knüpfen an die in mehrere Kapitel eingeteilte Geschichte des Gnaden­ortes bzw. seiner Gründungslegende und an den ersten legendenartigen Mirakeltext. Die gleichen Abbildungen erscheinen auch in einer der deutschsprachigen Auflagen von 1771 mit dem Unterschied, dass das letzte Stück der Serie durch einen anderen Kupferstich ersetzt wurde, auf dem dieselbe Szene seitenverkehrt zu sehen ist. 25 (Abb. 5, 6) Auf dem Nachstich wurden ausserdem kleinere Details weggelassen, die Darstel­lung des Gnadenbildes ist verhudelt, die Frage des Raumabschlusses blieb ungelöst. Die ebenfalls zwölfteilige Holzschnittfolge der anderen Auflage von 1771 wurde aller Wahrscheinlichkeit nach auf Grund der Originalserie von Binder aus dem Jahre 1763 hergestellt. 26 (Abb. 7) Die Verwendung der verschiedenen Techniken in zwei Auflagen des Buches, die im selben Jahr und in der selben Sprache erschienen sind, weist darauf hin, dass der Verlag in dieser Zeit schon bemüht war, den verschiedenen Ansprüchen und finanziellen Möglichkeiten der Käufer entgegen zu kommen. Der unbekannte Holzstecher hat versucht, die Vorlagen nach Möglichkeit genau zu folgen, und er hat nur einige kleinere Details weggelassen bzw. modifiziert. Die selbe Holzschnittfolge erscheint auch in den ungarischen Auflagen von 1773 27 und 1796 28 sowie in der kroati­schen Auflage von 1824. 29 Das letzte Mal taucht die Serie 1843 in der zweiten, anony­men Auflage des Buches von András Dugonics unter dem Titel „Geschichten von Radna" auf. Das Buch wurde 1808 teilweise auf Grund der früheren Mirakelbücher geschrieben. Die Holzstöcke waren infolge der wiederholten Verwendung total abge­nutzt und damit ist es zu erklären, dass sie 1857 für eine weitere Publikation teilweise wieder neu in Holz gestochen wurden. 311 (Abb. 8) Diese Serie besteht nur noch aus 9 Bildern und man kann ihre einzelnen Stücke und die entsprechenden Bilder der Vorlage in eine Parallele stellen. Aus dem Vergleich der zwei Serien geht hervor, dass die Holzschnittfolge mit neun Bildern zwar der Vorlage strukturell entspricht, die Darstel­lungen wurden aber von dem Stecher des 19. Jahrhunderts in mehreren Details modi­fiziert, den veränderten Verhältnissen angepasst, quasi modernisiert. Diese Bestrebung ist z.B. in der Form der Häuser und der Einrichtung gut zu beobachten. Ausserdem verändert der Stecher mehrmals die Perspektive, verwendet eine differenziertere Schat­tierung und die barocken Ranken werden durch Blumengirlanden im volkstümlichen Stil ersetzt. Das Verhältnis von Wort und Bild Das Verhältnis zwischen dem Textmaterial und den Illustrationsserien der Mira­kelbücher wird in erster Linie dadurch bestimmt, dass Text und Bild gleichermassen im Dienste der Vermittlung von gewissen Sinnzusammenhängen stehen. Während die Einzelillustrationen der Publikationen der geistlichen Literatur oft nur von dekorativen Charakter sind und ihre unmittelbare Verbindung mit dem Text nicht immer nachwe­isbar wird, kann man bei den Illustrationsfolgen der Mirakelbücher die Bestrebung nach der Konkretisierung und informativen Vergegenwärtigung der wichtigen Fakten der narrativen Quellen beobachten. An die Texte verschiedener Gattung und Struktur knüpft sich regelmässig eine unterschiedliche bildstruktur, die mit dem Aufbau des gegebenen Textes im engen Zusammenhang steht. Die am meisten illustrierten Textty­pen dieser Publikationen sind die Wallfahrtslegende und das Mirakel, und weil beide Erzählgattungen sind, bleibt der gemeinsame Zug der Darstellungen der narrative Autbau. Die Textstruktur und der dadurch vermittelte Inhalt wird durch die Bilder unterstützt, sodass sie die Zeitbezüge der Texte auflösen und auf den verschiedenen

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