Ujváry Zoltán: Gömöri népdalok és népballadák (A miskolci Herman Ottó Múzeum néprajzi kiadványai 8. Miskolc, 1965)

ungarischem Sprachgebiet, sondern sie geben auch ein vollständigeres und umfassen­deres Bild vom Liederschatz der Gemeinschaft einer Region, die untersucht wurde, oder manchmal auch vom Liederschatz eines einzigen Dorfes. In anderem Zusammen­hang können wir auch betonen, dass die textfolkloristischen Untersuchungen z.B. auch bei der Analyse ästhetischer, poetischer uns literarischer Verbindungen wertvolle Er­gebnisse liefern. Zahlreiche im Stil neue bzw. lokal gebundene Balladen werden recht oft auf die Melodie von Kunstliedern gesungen, deren Notenschrift meist nicht von Nutzen ist, während der Vortrag und die Kenntnis dieser Balladen nach ihrem Text hilft, das Bild des Balladenschatzes zu vervollständigen. So können wir das Verhältnis zwischen den klassischen und den neuen Balladen bestimmen, und weiterhin dienen diese Balladen als nützlicher Beweis zur Untersuchung der Kolportageverbreitung oder zur Bestimmung ihrer Entstehung oder des Verfassers von Balladen. Über die Sänger dieses Bandes berichte ich in einem gesonderten Kapitel. Von man­chem Sänger teile ich mehrere Lieder mit, sodass es den Anschein haben kann, dass vorwiegend die Lieder dieser Personen bzw. ihrer Gemeinschaft jene Varianten liefern, die den Liederschatz von Gemer auch insgesamt charakterisieren. Wenn wir die geo­graphische Anordnung der Wohnorte der bedeutendsten Sänger in Augenschein neh­men, so zeigt sich sofort, dass diese an den verschiedensten Punkten von Gemer liegen. Fast jedes Tal und jeder Landstrich von Gemer wird von einer bedeutenden Anzahl Liedern und Balladen vertreten. Während der Sammelarbeit stellte sich heraus, dass der Liederschatz in den oft sehr nahe beieinander liegenden Dörfern im wesentlichen übereinstimmt. Dennoch hielt ich es für wichtiger, die hauptsächlichen Knotenpunkte zu benennen. Dieser Schritt wird auch dadurch begründet, dass ich durch den Vortrag der ausgezeichneten Sängerpersönlichkeiten in diesen Ortschaften gerade an die wich­tigsten Varianten gelangte. Es liegt ja auch in der Natur der Sache, dass durch den Vortrag der besten Sänger Lieder und Balladen vorgestellt werden. Wenn ich also die gleichen Lieder und Balladen in benachbarten oder weiter auseinander liegenden Dör­fern gesammelt habe, die Qualität des Vortrags aber nicht für geeignet empfand, so teile ich hier natürlich die bessere Variante mit, obwohl sich auf diese Weise das Ver­breitungsgebiet der Varianten der Anzahl an Dörfern nach nicht erweiterte. Diesbezüg­lich wäre es wichtig, noch auf zwei Tatsachen hinzuweisen. Mehrere Sänger — in erster Linie Hirten — haben im Laufe ihres Lebens nicht nur in einem Dorf gewohnt, sondern sie haben ihren Wohnsitz fünf-, sechsmal oder sogar noch öfter gewechselt, wenn sie ihrer Arbeit nachgingen. Meistens waren sie dann im hohen Alter an vielen Orten ge­wesen und hatten dann — als gute Sänger — im wesentlichen alle jene Lieder in ihr Repertoir aufgenommen, die für Gemer im allgemeinen charakteristisch sind. Wir könnten demnach im Grunde die Lieder der Sänger, die im Laufe der Jahre an vielen Orten gelebt haben, auch als Lieder ihrer Stationsorte bezeichnen, wodurch sich die Anzahl der Dörfer auf der Verbreitungskarte bedeutend erhöhen würde. Dies könnten wir eigentlich auch auf die Frauen beziehen, die nach der Heirat aus ihrem Heimatdorf wegzogen und deren Lieder auch als Lieder ihres Heimatortes gerechnet werden könn­ten. Aufgrund der Fluktuation im Inneren des Komitats Gemer, aufgrund der länger oder kürzer anhaltenden Migration und der dann endgültigen Sesshaftwerdung kön­136

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