A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 37. (1999)

RÉVÉSZ László: Honfoglalás kori temető Tengőd-Hékútpusztán

FRIEDHOF AUS DER ZEIT DER LANDNAHME IN TENGŐD-HÉKÚTPUSZTA In dem zur Gemeinde Tengőd, im Komitat Somogy gehörenden Hékútpuszta wurden 1960 beim Bau eines Stalls drei Gräber aus der Zeit der Landnahme zerstört, zwei weitere aber konnten durch Fundrettungsgrabungen freigelegt werden. Der Friedhof ist unter anderem deshalb bedeutend, da in drei von den fünf Gräbern auch Pferdeknochen und Pferdegeschirr gefunden wurde und ähnliche Funde im Süden von Transdanubien eine Seltenheit sind. Obwohl eine genauere Datierung des Fundmaterials innerhalb des 10. Jahrhunderts nicht möglich ist - da dies ja aus Gegenständen besteht, die meistens über längere Zeit, ein ganzes oder anderthalbes Jahrhundert hindurch ständig benutzt wurden - weisen bestimmte Merkmale (das Vorhandensein von goldenen Haarringen, silbernen Plättchen) darauf hin, daß diese Gemeinschaft einen Anteil an der während den Eroberungsstreifzügen aufgebrachten Beute hatte. Der unvergleichlich große Anteil von Gräbern mit Pferden und Waffen in dieser Region läßt vermuten, daß die in Tengőd beerdigten Männer die Krieger der militärischen Eskorte eines Stammoberhauptes, eventuell aber deren nur gelegentlich als Soldaten dienenden Mitglieder waren. Gemeinsam mit den neuerdings freigelegten Funden aus Vörs, Balatonszemes und Fonyód aber zeichnet sich immer klarer die im südlichen Ufergebiet des Plattensees errichtete Herrscherzentrale eines Stammhauptes ab. Aus den Gräbern kamen auch zwei seltene Funde zum Vorschein, beide aus dem 4. (Männer) Grab. Einer ist der aus Knochen geschnitzte Bügelteil eines Holzsteigbügels. Auf Holzsteigbügel hinweisende Funde wurden außer in Tengőd bisher nur in zwei Gräbern aus der Zeit der Landnahme freigelegt: in Kiszombor und Lajosmizse waren die Bügel der Holzsteigeisen mit Eisen- bzw. Bronzeplättchen verkleidet. Ebenfalls aus dem 4. Grab kam ein Eisensteigbügel mit geradem Sohlenteil, gewölbtem Schaft und quadratischem Bügel ans Tageslicht. Aehnliche Funde wurden bisher parallel zu den Steigbügeln gestellt, die in der materiellen Kultur der kasarischen KaganatenVölker darstellenden Saltowoer Kultur auftauchten und in den aus den Grabstätten der landnehmenden Ungarn stammenden Steigbügeln ähnlichen Types vermutete die Forschung ebenfalls Saltowoer Typen. Der Verfasser trug alle in den Gräbern aus der Zeit der Landnahme gefundenen Steigbügel dieses Types zusammen (insgesamt 15 Stück) und gelangte zu der Feststellung, daß diese Stücke trotz der oberflächlichen Formenähnlichkeit keine Saltowoer Typen sein können. Deren Schaftenden und auch die Form des Sohlenteils weisen nämlich grundsätzliche Abweichungen auf. Diese ungarischen Steigbügel mit geradem Sohlenteil können auf das erste Zweidrittel des 10. Jahrhunderts datiert werden, können aber auf keinen Fall als Erinnerungsstücke der ersten (landnehmenden) Generation aus den Anfängen des 10. Jahrhunderts betrachtet werden. Ihre Anwendung kann im gesamten Karpatenbecken nachgewiesen werden, doch die meisten Stücke sind in Transdanubien und im oberen Theißgebiet konzentriert. Ihre Benutzen waren zumeist bewaffnete Männer, bzw. reiche Frauen, unter den Funden des gemeinen Volkes sind sie nicht bekannt. László Révész 299

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