A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 33-34. (1996)

DOBROSSY István: Miskolc infrastruktúrájának modernizálása és a „Speyer” bankkölcsön felhasználása (1925-1950)

DIE MODERNISIERUNG DER INFRASTRUKTUR VON MISKOLC UND DIE NUTZUNG DES „SPEYER"-BANKKREDITS (1925-1950) Die Miskolcer „Karriere" des Speyer-Bankkredits hielt ein Viertel Jahrhundert an. An der von Ungarn aufgenommenen Staatsanleihe war Miskolc in den Jahren 1925 und 1926 beteiligt. Für den Städtebau und verschiedenerlei Investitionen erhielt die Stadt einen Kredit von rund 850 000 Dollar. Da sie aber nicht in der Lage war, die Zinsen und die Kapitalanteile der Anleihe rechtzeitig zurückzuerstatten, kam es im Jahre 1928 zu einer erneuten Anleihe, diesmal von 800.000 Dollar. Die Abzahlungen dieser Kredite hätten bis 1953 abgeschlossen werden müssen. Doch durch die Ereignisse nach 1945 wurde dies unmöglich, so daß die von ungarischen Städten aufgenommenen Bankkredite von der ungarischen Regierung übernommen wurden. Aus den Geldern des Speyer-Kredits entstanden in Miskolc mehr als zehn große Institutionen, und es wurden davon auch ernsthafte Investitionen auf dem Gebiet der Infrastruktur vorgenommen. So wurden beispielsweise auf dem Gelände des Elisabeth-Krankenhauses ein Seuchenkrankenhaus und eine Quarantänestation errichtet. Im Jahre 1926 wurde eine Mädchenschule für Musik und Handel erbaut, deren Gebäude auch heute noch auf dem Bartók-Platz zu sehen ist. Ein recht kostspieliges Unterfangen war die Errichtung der Markthalle auf dem Búza-Platz. Bei den Bombenangriffen von 1944 wurde die Markthalle so stark zerstört, daß das Gebäude in seiner ursprünglichen Gestalt heute nur mehr auf Fotos zu sehen ist. Von dem Kredit wurde auch das Gebäude der Städtischen Pfandleihe errichtet, das aber später bei der Begradigung der Corvin-Straße abgerissen wurde. In der Tizeshonved-Straße wurden zwei Mietshäuser erbaut, in denen es insgesamt 51 Wohnungen gab. (Diese Gebäude sind inzwischen infolge von Sanierungsarbeiten in ihrem Inneren umgestaltet worden.) Mit Hilfe des Speyer-Kredits wurde der Bau der auch heute noch funktionsfähigen Wasserversorgung in Miskolc finanziert. Die Tunnel für die von Tapolca ausgehenden Wasserleitungen wurden damals ­indem man sich durch den Kalktuff von Avas hindurch grub - ausgebaut. In der Eperjes-Straße entstanden drei mehrstöckige Mietshäuser, die auch heute noch vorhanden sind. Am Zsolca-Tor, auf dem sog. Attila-József-Gelände (dem einstigen Wohngebiet Vay-Straße) wurden 180 Notwohnungen gebaut. Zu Lasten des Kredits wurde auch die Errichtung eines neuen Zentralfriedhofes geplant, zu dessen Realisierung es aber erst zu Beginn der siebziger Jahre kommen konnte. Hierbei handelt es sich um den auch heute noch benutzten größten Stadtfriedhof am St.-Peter-Tor. Ebenso entstand zu Lasten des Kredits das Gebäude für eine Grundschule in der Soltesz-Nagy-Kälmän-Straße. Wie wichtig die Aufnahme des Speyer-Kredits seinerzeit war, kann nicht in Frage gestellt werden. Die durch ihn entstandenen Objekte waren für die Stadt von Bedeutung und nahmen auch Einfluß auf ihr Erscheinungsbild. Auf die Frage, ob die Stadt fähig gewesen wäre, diese Investitionen aus eigner Kraft zu finanzieren, muß wahrscheinlich mit „Nein" geantwortet werden. Auf die Frage hingegen, ob die Rückerstattung der Kapitalanteile und der Zinsen des Kredites ein großes Opfer bedeutet haben, lautet die Antwort eindeutig „Ja". Die Tatsache, daß die Kreditschulden schließlich und endlich nicht von der Stadt zurückgezahlt werden mußten, sondern daß der Staat für die Rückzahlungen garantierte, waren auf alle Fälle sehr wichtig bei der Herausbildung des heutigen Antlitzes der Stadt Miskolc. István Dobrossy 451

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