A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 32. Kunt Ernő emlékére. (1994)

TANULMÁNYOK - SZUHAY Péter: A magyarországi parasztság életmódjának változása 1945-től napjainkig

vorliegenden Studie die Behauptung auf, dass die kulturellen Bräuche wie auch die Lebensweise aus den ideologischen Prämissen der jeweils herrschenden Schicht, ausgehend vonihrer Politik und ihrer Macht, folgern. Verglichen mit der Zeit zwi­schen den beiden Weltkriegen, als nämlich die Gesellschaft auf dem Lande schon recht differenziert war (Neben dem Agrarproletariat hatte sich eine massive bäuer­lich-bürgerliche warenproduzierende Schicht herausgebildet, mit anderen Worten, in der ländlichen, bäuerlichen Gesellschaft Ungarns traten damals schon nebeneinander unterschiedliche Mentalitäts- und unterschiedliche kulturelle Verhaltensformen auf), machte die bäuerliche Gesellschaft angefangen von den Kriegsjahren bzw. von den Nachkriegsjahren an bis hin zur ersten Hälfte der sechziger Jahre einen Homogenisie­rungsprozess durch. Im wesentlichen heisst dies, dass in Folge der Verarmung, der Zwangsablieferungen und des Klassenkampfes erneut jene Bauerngestalt zu beobachten war, die sich vom archaischen Markt zurückzog, um eine Mischwirtschaft zu betreiben und sich selbst zu versorgen. Gleichzeitig bedeutete dies, dass während sich zwischen den beiden Weltkriegen ein kompliziertes System ländlicher Dienstleistungen herausge­bildet hatte, dies im Laufe der fünfziger Jahre praktisch wieder aufgehoben wurde. Vom Ende der vierziger Jahre an wurde das Bauerntum, das in der Vorzeit einen Verbürger­lichungsprozess durchgemacht hatte und nunmehr als Warenproduzent angesehen wer­den durfte, und als solcher zu gewissem Reichtum gelangt war, „liquidiert". Eine Sta­bilisierung der dörflichen Gesellschaft konnte, folgend auf die Organisierung von land­wirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften, von der Mitte der sechziger Jahre an be­obachtet werden. Teilweise von dieser Zeit an gerechnet wurde die Struktur der Dop­pelbeschäftigung charakteristisch. Das hiess, dass die Arbeitnehmer der einzelnen Haushalte gleichermassen an den Unterhalt aus der Industrie wie auch aus der Land­wirtschaft gebunden waren. Einen wirklichen Aufschwung bedeuteten später dann die mit Hilfe der Produktionsgenossenschaften verwirklichten sog. „Privaten Hauswirtschaf­ten", eine Art verkleinerte Form der ehemaligen Grossgrund wirtschaften, die ausserdem eine intensive Gartenbewirtschaftung, die Warenproduktion oder eine Mischwirtschaft ermöglichten. Im Vergleich zu der früheren Zeitspanne zeigte sich nun eine gewisse Um­strukturierung zwischen den entwickelteren und weniger entwickelten Regionen. Während einzelne Regionen gemessen an ihrer früheren landwirtschaftlichen Ent­wicklung und ihren Möglichkeiten in der Warenproduktion eine Rückentwicklung durchmachten, erfuhren jene Gebiete, die zuvor als weniger begünstigte Landwirt­schaftsgebiete galten, parallel zur sozialistischen Industrialisierung einen Auf­schwung und wurden beispielgebend für kulturelle Bräuche und Repräsen­tationen. Ein wichtiger Annäherungsaspekt der vorliegenden Studie besteht in der Un­tersuchung dessen, auf welchem Niveau die dörfliche Gesellschaft zwischen den Individuen und den Kollektiven kooperierte, das heisst, welche Rolle und welches Ausmass den Entscheidungen von Seiten des Individums und der Familie zukamen, inwieweit sich die einzelnen Individuen trotz der Modernisierung als unterdrückte Individuuen verhielten, inwieweit die dörfliche Gesellschaft als ein Terrain mit Kleingruppen differenzierter oder gleicher Wertordnung beschrieben werden konn­te, bzw. ob das Vorhandensein der traditionellen Volkskultur nicht vom Archaikum bzw. von der Modernisierung abhängt, sondern grundlegend von der Gemeinschaft. Logischerweise folgt hieraus, dass wenn sich der Mensch grundlegend als einer aus Dorf „X" identifiziert, er grundlegend den lokalen Rahmen seiner Bindung und seines kulturellen Systems absteckt, und dies fortführend und zu grösseren Kreisen erweiternd, entwickeln sich die regionalen Dialekte, infolge derer sich zahlreiche 370

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