A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 30-31/2. (1993)
SZENTPÉTERI József: Kígyómotívum a griffes-indás népesség hagyatékában
DAS SCHLANGENMOTIV IN DER HINTERLASSENSCHAFT DES GREIFEN-RANKEN-ETHNIKUMS (Resümee) Einen verhältnismäßig engefläßten Kreis der archäologischen Hinterlassenschaft des awarischen Zeitalters bilden die an verschiedenen Schmuckgegenständen (Hals- und Armringen), an den Gürtel- und Pferdegschirrbeschlägen erscheinenden Schlangendarstellungen. Die Mehrzahl der Funde, die sich damit verbinden lassen, ist spätawarenzeiüich, gehört zur Hinterlassenschaft der Greifen-Ranken-Bevölkerung; zu finden sind sie aber auch im früheren Zeitraum des Aufenthaltes der Awaren im Karpatenbecken. Über die Vorstellungen, die die awarenzeitliche Bevölkerung mit der Schlangengestalt verband, besitzen wir keine exakten Kenntnisse. Laut Zeugnis der unterschiedlichen folkloristischen Überlieferungen jedoch dürften darin sowohl die aus Asien mitgebrachten Glaubensvorstellungen, als auch die in Europa vorherrschende (in griechisch-römischen Mythen weiterletende) antike Auffassung über die Heilkraft der Schlange (Äskulap-Kult) eine Rolle gespielt haben. Das Schlangenofper muß ein sehr seltenes Bestattungszeremoniell gewesen sein (Gyönk-Vásártér őt, Vác-Kavicsbánya). Die einst zweifellos nicht nur an der Tracht, sondern auch an den Gebrauchsgegenständen erscheinenden Schlangendarstellungen sind an den archäologischen Funden wirklichkeitsgetreu und in stilisierter Form zu sehen. Sie verkörperten die mit den Reptilien verknüpfte Wehr- und Schutzfunktion, dienten eventuell als die Kraft des Totemtieres symbolisierendes Machtabzeichen. Byzantinische Schnallen mit Schlangendarstellungen und Armringe mit Schlangenköpfen gehörten zur typischen Hinterlassenschaft des Etnikums der Keszthely-Kultur, in der sich die spätantiken Traditionen widerspiegeln. Derselbe antike Einfluß ist an den „Fürstenfunden" vom Ende des 7. Jh. zu beobachten (Cibakháza, Kiskőrös-Vágóhíd), und auch an einem heute noch unveröffentlichen Armringfragment (Budakalász-Dunapart). Den in Zalakomár zum Vorschein gelangten Halsring mit Schlangenkopfenden hatte in der ersten Hälfte des 9. Jh. ein Adlige getragen. Von den spätawarenzeitlichen Riemenzungen mit sog. „R-Motiv" kann angenommen werden, daß sie eine sich in den eigenen Schwanz beißende Schlange darstellen. Auch die Mehrzahl der Gürtelbeschläge mit Schuppen Verzierung deutet vermutlich auf Schlangen hin. Bekannt sind zwei verschiedene Gürtelbeschlagtypen mit Tierkampf szene, die Darstellung einer sich um einen Vogel Greif windenden Schlange (Szeged-Átokháza-Bilisics, Halimba, Szebény; Mikulcice). Auf dem 2, Krug des Schatzes von Nagyszenmiklós erscheinen die Medaillonabbildungen in einem schuppenverzierten Rahmen (von sich windenden Schlangen umgebe Fläche). Die auf die awarenzeitliche, Schlangenverehrung hindeutenden Gegenstände gehörten zur materiellen Hinterlassenschaft fast jeder Gesellschaftsschicht, müssen demnach enger Bestandteil ihrer Glaubenswelt gewesen sein. Dennoch hat es zwischen den verschiedenen, an Schlangen anknüpfenden Glaubensvorstellungen wohl nicht unbedingt eine straffe Verbindung gegeben: jeweils andere ethnische Gruppen dürften in den unterschiedlichen historischen Zeitaltern der Interpretierung ein und derselben Erscheinung ein jeweils anderes Gewicht beigemessen haben. József Szentpéteri 269