A Herman Ottó Múzeum Évkönyve 6. (1966)

SZ. CZEGLÉDY Ilona: Középkori csontmegmunkáló műhely a diósgyőri várban

DIE MITTELALTERLICHE KNOCHENBEARBEITUNGS WERKSTATT IN DER BURG DIÓSGYŐR Bei den 1963 wiederaufgenommenen Grabungen war neben Mauerresten der Burg Diósgyőr auch ein reichhaltiges archäologisches Fundmaterial zutagegekommen. Unter den Funden gab es auch zahlreiche bearbeitete Tierknochen. Die aus Hirschgeweih hergestellten Gegenstände, aber auch Abschnitzel, wie sie für die verschiedenen Arbeitsstufen bezeichnend sind, bilden eine Gruppe für sich. Abgesägte, ausgehöhlte, mit Ziehklingen abgeschabte, polierte Halbfertig­waren lassen an eine Knochenbearbeitungswerkstatt denken. Unter den Fertigwaren fanden wir fertig geschnitzte knöcherne Hand­griffe für Bohrgeräte und Meissel, ferner eine kleine Schachfigur, die entwe­der ein Läufer oder ein Turm gewesen sein mochte. Es ist urkundlich erwähnt, dass die einstige Herrin der Burg Diósgyőr, die Königin Beatrix, Gemahlin des Königs Matthias Corvinus, gerne Schach spielte. Die Funde der Knochenbearbeitungswerkstatt waren in dem Mauerschutt der Sigismund-, bzw. König Matthias-zeitlichen Burg zum Vorschein ge­kommen. Das hier veröffentlichte Material is den Funden, die bei der Freilegung der Knochenbearbeitungswerkstatt am Burgberg in Buda geborgen werden konnten, sehr ähnlich. Analoge Funde waren auch in der Unteren Burg von Visegrád und in Pomáz-Klissza (beide Burgen waren königliche Resi­denzen) ans Licht gekommen. Dass es auch an diesen Orten Knochenbear­beitungswerkstätten gab, ist somit gleichfalls durch Funde belegt. Sie arbei­teten wahrscheinlich zum Teil für andere Werkstätten (die Meissel und Bohrgeräte wurden z. B. in der Tischlerei gebraucht), stellten aber auch Fertigwaren her, beispielsweise Spielwaren und Ziergegenstände. Die hier besprochene Fundgruppe beweist, dass es in der Burg Diós­győr eine Knochenbearbeitungswerkstatt gegeben hat. Gleichzeitig ist sie aber auch ein Hinweis dafür, dass überall dort, wo königliche Bauten im Laufe des 14—15. Jahrhunderts errichtet wurden, neben einer aufblühenden Bautätigkeit auch Handwerk und Gewerbe einen starken Auftrieb erlebten.

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