Janus Pannonius Múzeum Évkönyve 23 (1978) (Pécs, 1979)
Régészet - Kárpáti Gábor: Középkori kutak Pécsett I.
KÖZÉPKORI KUTAK PÉCSETT I. 183 Mitter alterliche Brunnen in Pécs I. GÁBOR KÁRPÁTI In der Innenstadt Pécs kam es im Jahre 1976 zu zwei Rettungsausgrabungen: in der Déryné Strasse 2 im Hof des Janus Pannonius Gymnasiums und auf dem Grundstück Szent István Platz 19 (Bild No. 1). Aufgrund der in den Brunnen gemachten Funde können wir folgendes feststellen: 1. Baukonstruktion der Brunnen: Beide Brunnen und auch die Zisterne haben einen zylinderförmigen Schacht. Die Brunnenummantelung wurde dann sorgfältiger ausgebaut, wenn es sich um eine Brunnenzisterne mit zwei Schachten gehandelt hat. Doch auch hier reichte die Ummauerung nur bis zur tiefsten gemeinsamen Tiefe. Obzwar wir den Überbau der Brunnen nicht kennen müssen wir annehmen, dass auch dieser sorgfältig ausgeführt wurde. Die zweischachtige Ausbildung des Brunnes in der Déryné Strasse 2 hat sich bestimmt auch in einer markanten Ausführung des Oberbaues schon im Interesse der besseren Ausnutzung ausgeprägt. Der Quadersteinaufbau des Brunnens am Szent István Platz 19 begründet auch den Einbau eines Aufzugwerkes. Die in den Brunnen entdeckten Funde beweisen eine lange, jahrhundertelange dauernde Benutzung. 2. Die Gegend beider Brunnen war schon im XII. und XIII. Jahrhundert bewohntes Gebiet, davon zeugt auch der Fund von frühzeitlicher Keramik. 3. Der Grund der Einstellung (Benutzung) der Brunnen hängt in beiden Fällen mit Ereignissen stadthistorischer Bedeutung zusammen. a) Zur Zeit der Modernisierung des mittelalterlichen Verteidigungssystem, als das Erscheinen der Schusswaffen die Verstärkung der Burg notwendig machen, bedeutet neben dem Bau des runden Stadtturmes (Barbakan) und der Verstärkung des Mauerwerkes, der damals gebaute westliche Zwinger und die Kanonenstellung einen wichtigen Teil des Festungssystems. Die mit diesen Arbeiten zusammenhängenden Planierarbeiten haben wahrscheinlich auch die Einstellung des Brunnens am Szent István Platz 19 bewirkt. Die späteste Fundgruppe, die aus den Brunnen stammt, datiert das Ende des XV. Jahrhundert, die Zeit, als die inneren Erdwälle erhoben wurden. Die Planierarbeiten haben wahrscheinlich auch den Abriss der zu der südlichen Flanke der Bischoffsburg zu nahe stehenden und dadurch dessen Verteidigung erschwerenden Häuser inbegriffen. Im Prinzip ist diese Umänderung der Stadtstruktur bis zu unseren Tagen auf diesem Gebiet geblieben. b) Die Einstellung des im Hofe des Janus Pannonius Gymnasiums entdeckten Brunnens kann auf die Zeit der türkischen Unterjochung zurückgeführt werden. Auch hier war der Grund der Einstellung des Brunnens nicht dass er unnutzbar wurde, sondern dass sich die Stadt auf die türkische Lebensweise umstellte. In diesem Fall, dass das Bad des Paschas Gasi Kasim erbaut wurde. 4. Die Besitzer beider Brunnen gehörten im XV. Jahrhundert zu den wohlhabenderen Schichten der Bevölkerung, die Luxusartikel des internationalen Handels erwerben konnten — Glasgut, importierte Ziergefässe. Der Inhaber des Brunnens neben der Bischoffsburg scheint um einige Nuancen reicher gewesen zu sein als der Inhaber des Brunnens in der Bürgerstadt in der Déryné Strasse. Diese Detailliertheit kann dadurch begründet werden, dass aus dem Brunnen am Szent István Platz Fragmente eines Kruges mit Zinnglasur hervorkamen, während im Brunnen an der Déryné Strasse ein Krugfragment gefunden wurde, das von lokaler Herstellung ist und über eine fast barbarische Nachahmung der Medaillonverzierung der Majolikakrüge aufweist. 5. Nach der Untersuchung der keramischen Funde können wir die fast gleiche technologische Entwicklung der Töpferei in ganz Mitteleuropa feststellen. Daneben können wir auch einige Ortsspezialitäten erkennen (sh. die Tabelle). a) Die aus den typologisch frühesten Epochen, aus dem XII. und XIII. Jahrhundert stammenden Gefässe, wurden allgemein aus einem Lehm, der viel organischen Schlamminhalt hatte und deshalb gut knetbar war, hergestellt. An den nach dem Ausbrennen schwarzbraunen Gefässen (Töpfe, Näpfe usw.) finden wir am unteren Teil oft Siegelzeichen. Im Aufbau (der Gestaltung) der Gefässe setzen sich noch die frühárpádlichen Proportionen durch. Ihr Körper ist stämmig, bäuchig, der Hals ist breit, der Rand trichterartig geformt. In einigen Fällen sind sie unten plastisch oder mit Ritzen gegliedert (mit Rippen oder mit Fingerdruck hervorgerufene plastische Streifen). Ihre Verzierung: Wellenlinien, Kombinationen von Wellenlinien und Geraden, Einritzungen in Schnekkenlinie oder Zahnradmuster, schräge Einritzungen. Der scharf abgebrochene Hald wird manchmal mit Einritzungen betont.