Janus Pannonius Múzeum Évkönyve 17-18 (1972-1973) (Pécs, 1975)

Régészet - K. Zoffmann, Zs.: Die Aufarbeitung des kupferzeitlichen und frühbronzezeitlichen antropologischen Materials aus Vučedol (Jugoslawien)

52 ZS. К. ZOFFMANN archäologischen Ausgrabungen zum Vorschein gekommenen zwei Skelette (Grab 1 und 2) sind sehr fragmentarisch, wassersteinig bzw. verk­rümmt so ist zum Beispiel das anthropologische Material aus Grab 2 beinahe vollkommen, das aus Grab 1 grösstenteils zur Messung oder taxonomi­schen Beobachtungen ungeeignet. Ebenfalls sehr fragmentarisch ist das mit „1969" bezeichnete Skelett; von dem mit „E" bezeichneten Skelett wurde nur die Schädel aufbewahrt. Die Aufarbeitung des Materials beruht auf fol­genden Methoden: Geschlechtsbestimmung nach ERY — KRALOVÁNSZKY — NEMESKÉRI 1963; Lebensalterbestimmung nach SCHUOR — MASSLER 1941, JOHNSTON 1961, NEMESKÉRI — HARSÁNYI — ACSÁDI 1961 ; Aufnahme der morphologischen und metrischen Angaben nach MARTIN — SALLER 1957; taxonomische Ana­lyse nach LIPTÁK 1962. Die Bestimmung der Körperhöhe sowie der Schädelkapazität erfolgte aufgrund der Methoden von MANOUVRIER 1893, BREITINGER 1938, BACH 1965, PEARSON 1899 bzw. LEE — PEARSON (zit. MARTIN — SAL­LER 1957). Die Angaben der Geschlechts- und Lebensal­terbestimmungen sind aus Tabelle 3 ersichtlich, laut der von den vier Skeletten drei erwachsene Männer und eins eine erwachsene Frau ist. Mor­phologische Beobachtungen waren nur in ganz geringem Masse möglich; zu den anatomischen Variationen ist zu erwähnen, dass Ossa wormiana in zwei Fällen vorkamen (Grab 1 und „E"); an dem mit ,,E" bezeichneten Schädel war ein Os bregmaticum, an dem Schädel aus Grab 1 auch ein Inkabein wahrzunehmen. Andere anato­mische Variationen oder Entwicklungsanomalien waren weder am Schädel bzw. Skelettknochen noch am Gebiss zu beobachten. Spuren, die auf eine pathologische Verände­rung deuten, sind allein am linken Schlüsselbein des Skeletts aus Grab 1 zu sehen; die sich der Extremitas acromialis nähernde Vernarbung zeugt von einem geheilten Knochenbruch. Eine taxonomische Analyse war mehr oder we­niger nur bei drei Skeletten möglich (Grab 1, „1969" und „E"); unter diesen fehlt im Falle des mit „E" bezeichneten Skeletts infolge Nichtvor­handenseins der Skelettknochen die Angabe über die Körperhöhe, und es ist auch nicht möglich, hinsichtlich der Robustizität des Skeletts Schluss­folgerungen zu ziehen. Der Charakter der drei Schädel, die zu einer Analyse geeignet waren, weisen auf das Vorhandensein mehrerer Typen bzw. Vermischungen. Aufgrund der Masse ist der mit „E" bezeich­nete Schädel als dolicho-ortho-metriokran, steno­metop zu bezeichnen, der Gesichtsschädel ist niedrig, die Augenhöhle mesokonch. Der Schädel des Skeletts aus Grab 1 ist mesok­ran-hypsikran-metriokran, metriometop, die Augenhöhle ist mesokonch, die errechnete Kör­perhöhe ist nach der Klassifizierung von MAR­TIN — SALLER (1957) klein-mittelklein. Aufgrund der oben angeführten Charakteren sind sowohl das Männerskelett („E") als auch das Frauenskelett (Grab 1) in den mediterranen Ty­penkreis einzuordnen. Im Verhältnis zu den durchschnittlichen Breitenmassen der mediterra­nen Schädel weisen die genannten Schädel auf einen gewissen cromagnonen Einfluss, dessen Wirkung bei den mit „E" bezeichneten Schädel viel stärker hervortritt. Der Schädel des mit „1969" bezeichneten Ske­letts weicht stark von diesen beiden ab. Der Schä­del ist brachy-hypsi-metriokran, eurymetop, die Augenhöhle mesokonch, die Statur klein-mittel­klein. Das brachykrane Element mit curvooc­cipitalem Hinterhaupt erscheint in Mitteleuropa bei fast allen urzeitlichen Populationen; zu die­sem Kreis gehört auch das mit „1969" bezeichnete Männerskelett aus Vucedol. Das von R. SCHMIDT (1945) veröffentlichte kup fer zeitliche und frühbronzezeitliche anthropologische Material in der Sammlung des Museums von Osijek Zwecks einer leichteren Übersicht des in sehr geringer Zahl aus dem Fundort Vucedol stammen­den anthropologischen Materials sowie zwecks eines Vergleiches des anthropologischen Mate­rials aus früheren und neueren Ausgrabungen erfolgte aufgrund gleicher Gesichtspunkte auch die erneute Geschlechts- und Lebensalterbestim­mung des aus Schmidts Ausgrabungen stammen­den und von ihm 1945 bereits veröffentlichte Materials, zusammen mit erneuten Aufnahmen der metrischen und morphologischen Charakte­ristiken. 3 Diese neue Datenaufnahme wurde auch durch die Tatsache notwendig, dass die Beschrei­bungen von SCHMIDT (1945), besonders seine taxonomische Bestimmungen, als veraltert be­zeichnet werden können. SCHMIDT (1945) erwähnt bei der Beschreibung der archäologischen Erscheinungen, dass 11 Grä­ber ausgegraben wurden, von denen eigentlich die ein Doppelgrab bildenden Gräber 1 und 2 in die Badener-Pécel Kultur zu datieren seien. Trotz der fortlaufenden Numerierung sind die Gräber 3 bis 11 aufgrund der Beigaben bzw. archäolo­3 Auf diesem Wege danke ich I. Foltiny, E. Spajic, dem Direktor des Museums in Osijek, und seinen Kollegen D. Pinterovic, M. Bulat und N. Horvát, die mir die Durchführung der anthropologischen Unter­suchungen im Osijeker Museum ermöglichten.

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