Janus Pannonius Múzeum Évkönyve (1962) (Pécs, 1963)

Mándoki László: Szalmásjút

305 STROHSTRASSE L. MÁNDOKI In der Einleitung des Aufsatzes umreisst der Verfasser das Thema und den Aufbau seiner Erörterungen. Seine Arbeit gliedert sich in vier Abschnitte: IL Die analytische Darstellung des als Ausgangpunkt dienenden ungarischen Mate­rials. III. Die Besprechung des zur Verfügung stehenden Vergleichbaren Materials. IV. Schlüsse, Ergebnisse. * Im Abschnitt I. beweisen wir, dass sich alle Forscher, die seit Grimm aus den Stern­namen des Volkes ethnologische Schlüsse zo­gen und sich mit dem Namenstyp, Stroh­strasse' der Via lactea beschäftigen (Ipolyi, Lugossy, Andrée, Vámbéry, Potanin, Gaidoz und Roland in der Zeitschrift Melusine, Strausz, Harva, Stegemann, Gladyszowa und einige andere Forscher von geringerer Bedeu­tung) — eigentlich im geschlossenen Kreis bewegten, da sie mit bereits publizierten An­gaben arbeiteten und das Benennungsmate­rial — abgesehen von Potanin und von den Zusammenstellungen der Melusine, die von hervorragender Bedeutung waren — nur ge­legentlich bereicherten. Zu einer Zusam­menfassung entschloss sich im wesentlichen niemand, die Vermehrung der Angaben be­deutete keine additive Kumulierung, und da­rum konnten auch die Schlüsse nicht bestän­dig sein, konnte die Quantität nicht in eine neue Qualität umschlagen. Heute ist es bereits unvorstellbarbei ähn­lichen Themen auf der Grenze der Folklo­ristik und der Wortgeographie eine andere Methode als die der Kartographie zu ver­wenden. Die Umstände der Übergabe und Übernahme, ihre Zeit und ihre Richtungen können wir nur mittels der Projizierung des entsprechenden Stoffes auf eine Landkarte bestimmen; darum veröffentlichen wir das uns verfügbare Material aus Ungarn (litera­rische und vom Verfasser selbst gesammelte volkskundliche Beiträge aus den Jahren 1886—1962) im Abschnitt IL auf diese Wei­se. Auf der beigefügten Karte 1. veranschau­lichen wir, welche pflanzlichen Stoffe (Stroh, Spreu, Hanf schabe, Heu, Erbse) die Via lactea bilden. Das kommt oft auch in den Benen­nungen zum Ausdruck, wie ,s z al m á s ú t' (Strohstrasse), ,pazdorgyásút' (Hanf­schäbenstrasse). Auf Karte 2 stellen wir dar, wer den auf dem Himmel sichtbaren pflanz­lichen stoffe zerstreut hat (Zigeuner, der Ursa Maior oder sein Mitfahrer); zugleich bietet die Karte eine Übersicht über andere Inter­pretationen und registriert auch den Mangel an Interpretationen. Selbst in den ungari­schen Namen der Via lactea kommen beide erwähnten Interpretationen zum Ausdruck: ,cigányok útja' (die Strasse der Zigeu­ner), ,Szent Péter Szalmája' (der Stroh des heiligen Peter); nach der ungari­schen Überlieferung ist nämlich meistens der heilige Peter der Mitfahrer der Ursa Maior. Nach einer Anmerkung der Bibelübersetzung von Melius im Jahre 1564 ist die allgemeine Benennung des Sternbildes Ursa Maior bei der Ungarn: ,Das Fuhrwerk des heiligen Pe­ter' und diese Vorstellung und Benennung taucht selbst in unseren Tagen vielerorts auf, wie das auch unsere Karte 3. beweist. So können wir zusammenfassend feststel­len, das es auf ungarischem Sprachgebiet für die Benennungen der Via lactea mit dem Na­menstyp Strohstrasse — zwei Haupttypen der Interpretationen gibt: 1. die pflanzlichen Stoffe wurden auf dem Himmel von Zigeunern, 2. vom Mitfahrer der Ursa Maior, dem hei­ligen Peter zerstreut. Beide Typen sowie auch die übrigen In­terpretationen illustrieren wir mit mehreren Sagen. Wir müssen betonen, dass unsere Land­karten, die auf Grund von fünfzig Angaben zusammengestellt wurden, die Benennungen der Via lactea mit anderen Namenstypen nicht darstellen. Die weissen Flecke der Kar­ten könnten nämlich mit den Sternnamen wohl ausgefüllt werden, die wir auf dem ungarischen Sprachgebiet in ungefähr 200— 220 Ortschaften — mehr oder minder eben­massig verteilt — selbst gesammelt haben. Der bespohene Namenstyp kommt nur im westlichen, südlichen und östlichen Randge­biet des Karpathenbeckens (siehe die Karten 1. und 2.), manchmal auch mit anderen, hier nicht erörteten Sternnamen vor. 20 J- P- Múzeum

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