Solymos Ede (szerk.): Studien zur europäischen Traditionellen Fischerei - Bajai dolgozatok 3. (Baja, 1976)
Kucharska, Jadwiga: Zur Problematik der Fischergesellschaft im Ostseeraum. Einige Bemerkungen zur Vergleichenden Forschung über die ökonomisch-soziale Position der Fischer
die Verdienstmöglichkeiten der Fischer im Vergleich zu den Bauern wesentlich erhöht. Dennoch zeigten die Fischer in den 20 Jahren nach dem 2. Weltkrieg eine grosse Beweglichkeit im Rahmen der existierenden Berufsstruktur. Der ständige Drang nach dem gesellschaftlichen Aufstieg und der materiellen Stabilisierung förderte den Wechsel vom Fischer- zum Bauernberuf und anderen Berufsgruppen. Vor allem mit zunehmendem Lebensalter leben ehemalige Fischer nun als Bauern mit einem Grundstück oder auch als Arbeiter. Tm Jahre 1949 besassen nur 16 von 57 Fischern eigenen Boden. Die übrigen bebauten Äcker, die sie von Bauern für Fische oder Arbeitsleistung in Pacht genommen hatten. Im Jahre 1965 besass nur mehr 1 Fischer kein eigenes Grundstück.3 (Der Boden gilt also noch immer als die sicherste Bürgschaft für die materielle Sicherheit der Familie.) Wie aus obigem ersichtlich, verbesserte sich die wirtschaftliche Situation der Fischer in den Kaschubischen Dörfern ganz erheblich, wenn man die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen als Vergleichsperiode wählt. Was die gesellschaftliche Situation anbelangt, so ist zu sagen, dass die Fischer in einer neuen Gesellschaftsordnung zwar als Berufsgruppe avanciert haben, aber ihren gesellschaftlichen Status in jenen Dörfern, wo noch Bauern leben, nicht fixieren konnten. Als Grund hiefür ist die noch sehrlebendige Tradition der alten ökonomisch-sozialen Situation der Fischer zu betrachten.4 Sehr ähnlich sind die Verhältnisse in den Bauern-Fischer-Dörfern auf der Insel Rügen, die von R. PEESCH beschrieben wurden. Die Fischer in diesen Dörfern besitzen nähmlich wie die Fischer in Kaschubien höchstens 2—5 ha Grund. Die Tendenz zu Vergrösserung des Ackerlanden ist unübersehbar, denn die Fischer streben nach Verbesserung ihrer materiellen und gesellschaftlichen Stellung. „Bis weit in das 20. Jahrhundert”, schreibt Peesch, „bildet der grossen Bauer ein Leitbild, dem der Kleinbauer bewusst oder unbewusst nacheifert.”5 Das heisst mit anderen Worten ein ebenfalls reicher Grossbauer zu werden war das Ziel des Kleinbauern, als welcher auch der Fischer in einem Bauern-Fischer-Dorf betrachtet werden kann. In den am Festland gelegenen Bauern-Fischer-Dörfern Finnlands streben die Fischer, ähnlich wie die Fischer aus Karwia und Rügen, nachdem Besitz von Grund und Boden. So investieren sie den Verdienst aus der Fischerei in Ackerland. Dabei begnügen sie sich jedoch nicht mit einem 3 KUCHARSKA 1971. S. 79. 4 KUCHARSKA 1971. S. 41. 91,173. 5 PEESCH 19« 1. 133