H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

III. Die Requisiten und Rekonstruktion der Bestattung

Abb. 20 1-2. Samos (Hautumm) Fundort diente in den ersten Jahrzehnten des 7. Jh., als die Perser vordrangen, und dann wieder in den 70er Jahren, zur Zeit des Vordringens der Araber, für einen Teil der Inselbewohner als Zufluchtsstätte. Die für den Fall einer lang andauernden Belagerung ange­häuften riesigen Vorräte lagerte man in den Ampho­ren, die - neben den historischen Ereignissen - auch der stockende Geldverkehr auf das erste bzw. die Grenze des letzten Viertels des Jahrhunderts da­tiert.54. Trotz der geringfügigen Abweichungen sind die Übereinstimmungen bei den aus der Aegäis stam­menden Exemplaren (z.B. ihr maximales Fassungsver­mögen von lediglich 40 Litern) so bedeutend, daß wir die auf ihnen basierenden Schlußfolgerungen zurecht als auch für unser Exemplar verbindlich betrachten können. So kann beispielsweise bezüglich der kugel­bauchigen Amphoren gesagt werden, daß ihr Schul­terteil - von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen - im allgemeinen verziert war. Die unverzierten Ty­pen treten erst später, im 8.-10. Jh. (Abb. 17. 3-4.) wieder auf.55 Die mit parallelen und Wellenlinien- Kamm-Verzierungen geschmückten Exemplare bzw. die unterschiedlichen Typenvariationen waren zu­mindest im 2.-3. Viertel des 7. Jh. gleichzeitig in Gebrauch. Sie wurden in zahlreichen, über ein großes Gebiet verstreuten Werkstätten hergestellt.56 Die Amphorenfunde der Bosporusgegend und des Do­naubeckens vor Augen kommt B. Böttger zum Schluß, daß die größten Typen der Amphoren mit breiter Trichteröffnung und Kugelbauch in allen byzantini­54. HAUTUMM: 1981, Abb. 24-25, Kat. 7; Abb. 29-30, Kat. 10. H. TÓTH: 1986, a, 51-56. 55. LJAPUSCHKIN: 1958, 193. 1-2, Abb. 8. 1. 56. HAUTUMM:1981,45-51. Zu der im Mediterraneum verbreite­ten Typenvariante können auch jene Amphorenfragmente mit niedrigem Hals bzw. Wellenlinienverzierung und Kugel­bauch gezählt werden, die in den langobardischen Siedlun­gen im Norden Italiens zum Vorschein kamen. FINCERLIN-CARBSCH-WERNER: 1968, 103, Abb. 11. sehen Festungen des Limes entlang der Donau und der Ufergegend des Bosporus auftauchen. Die Folge­rung liegt also auf der Hand, daß diese Amphoren mit dem vorrangigen Ziel gefertigt wurden, um das zur Versorgung des Heeres dienende Getreide auf dem Wasserweg zu transportieren. Dies könnte gleichzei­tig eine Erklärung für das Auftauchen des Typus sein, das sich vielleicht mit der Umorganisierung des Nachschubs für das Bosporus-Donau-Heer zur Justi- nianuszeit verknüpfen läßt; ferner für seine weitrei­chende Verbreitung und lange Lebensdauer.57. Zwar Läßt sich ihr Herstellungsort nicht bestim­men, doch ist die Annahme am wahrscheinlichsten, daß dieser mit dem Anbauort des Getreides identisch ist. Akzeptieren können wir ferner, daß an jenen Fundorten, die sicher nicht als byzantinische Stütz­punkte dienten, die ähnlichen Amphoren auch zum Transport anderer Waren verwendet wurden. Infolge des o.a. kann gesagt werden, daß die Am­phore des Fundes von Kunbäbony aus der Gruppe der im 6.-7. Jh. in der Schwarzmeergegend gebräuch­lichen kugelbauchigen Amphoren stammt. Ihre Her­stellung können wir mit großer Wahrscheinlichkeit für diese Region annehmen, von wo aus ihr auf dem Wasserwege erfolgter Transport hierher auf der Hand liegt. Zur Diskussion im Zusammenhang mit der Be­stimmung der kugelbauchigen Amphoren - wonach sie vorrangig zur Aufbewahrung und zum Transport von Öl bzw. Getreidesorten gedient haben sollen — möchten wir an dieser Stelle nur soviel anfügen, daß sie in das Khagangrab von Kunbäbony als Behälter für das Trankopfer gelangt sein muß, und hierbei mit Sicherheit kein Öl, sondern viel eher Wein beinhaltet hat, wie sie auch ursprünglich wohl für die Weinliefe­rung hierer gedient haben muß. Das Alter der balkanländischen Parallelen ist in die Zeit der awarisch-byzantinischen Kriege anzuse­tzen.58 Die datierbaren Parallelen des Amphorentyps im Schwarzmeerraum und im Ostbecken des Mittel­meeres lassen den Schluß zu, daß der Fund von Kunbäbony sich nahtlos in die Reihe der einheimi­schen, im 7. Jh. in die Erde gelangten Amphorenfunde einfügt. In Verbindung mit der Datierung unserer Amphorenfunde kann festgestellt werden, daß die Analogien fallweise über den anzunehmenden unge­fähren Herstellungsort sowie Zeitpunkt Auskunft ge­57. BÖTTGER: 1981, 87, 91-92. 58. WERNER: 1986,184. Die Bezeichnung latrus. 1.1. ist irreführend, da der Fundort lediglich die frühen Stücke des Typs' datiert. Ähnliche Amphoren waren noch lange Zeit in Benützung und wandelten sich im Verlaufe ihrer Entwicklung zu einer unver­zierten Variante mit niedrigem Hals, länglichem Körper und überrandständigem Henkel, die im nördlichen Ufergebiet des Schwarzen Meeres verbreitet ist. 67

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