H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

VI. Die Lehren des Fundes von Kunbábony und seiner Parallelen für die awarenzeitliche Forschung

Abb. 84 Porträt-Rekonstruktion nach dem Schädel des Khagan-Crabes (Skultéti) wiegend für die erste Hälfte bis Mitte des Jahrhun­derts charakteristischen Würdezeichen die Macht übertragen wurde. Die Funde des Grabes jedoch sind durch ein Dutzend Glieder auch mit der Hinterlassen­schaft der folgenden, mittelawarischen Zeit verbun­den. So müssen wir sein Grab unbedingt als die späteste bekannte frühawarischen Fürstenbestattung betrachten, denn dieser Khagan herrschte überwie­gend in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts und erlebte sogar noch die Ansiedlung neuer Völkergrup­pen. Die für die Herrschaftszeit der awarischen Khagane anzunehmende Reihenfolge in Augenschein neh­mend zeigt sich,988 daß sich die im aktiven Mannesal­ter befindlichen Mitglieder der Dynastie der Reihe nach in der Ausübung der Macht ablösten, wobei die Regierungszeit eines Khagans jeweils etwa ein Men­schenalter, zwanzig und mehr Jahre ausmachte. Des­halb kann angenommen werden, daß der Khagan von Kunbäbony jenem Herrscher im Amt folgte, der nach Niederschlagung des Aufstandes der Bulgaren (632) an die Macht gekommen war.989 Dazu muß es 988. OLAJOS: 1973, 64. BÓNA: 1984, 1469-1473. POHL: 1988, 496-498. 989. Möglich wäre es ohne Zweifel auch, daß er unmittelbar nach dem Bulgarenaufstand an die Macht kam und lange Zeit geherrscht hat (BÓNA: 1984 ßd. I. 324.). Dies allerdings wäre unter den awarischen Khaganen ein beispielloser Fall. irgendwann in der zweiten Hälfte der 40er Jahre oder zu Mitte des Jahrhunderts gekommen sein. Wenn man also seine vermutliche Bestattung und sein be­kanntes Lebensalter von 60-65 Jahren in Betracht zieht, dann hat er die höchsten Würden als 35-40- jähriger erlangt, was zu jener Zeit als ein hohes Alter galt. Ungeachtet seines Goldgewandes und seiner Würdezeichen kann der Khagan dennoch nicht als sakraler Herrscher angesehen werden. Vor seiner Inauguration nahm auch er aktiven Anteil an den Kämpfen. Nimmt man an, daß er in den Jahren um 610 geboren wurde, dann kann er in den balkanischen Kriegszügen bzw. bei der Belagerung Konstantinopels im Jahre 626 als Krieger noch keine Rolle gespielt haben. Um so bedeutender muß die Niederschlagung des Bulgarenaufstandes 631 für sein Leben gewesen sein, der für die Dynastie gleichzeitig auch ein Kampf um Leben und Tod war. Im Anschluß daran gelangte er dann wohl zu Amt und Würden, und zog sich in der Zwischenzeit auch lebensgefährliche Wunden und Verletzungen zu. Wann es dazu kam, wissen wir nicht, die Untersuchung des erhaltenen anthropolo­gischen Materials allerdings beweist, daß er in seinen letzten Lebensjahren an einer vorangeschrittenen, schmerzhaften Wirbelsäulenverkalkung litt. Neben den sonstigen festgestellten Unregelmäßigkeiten könnte eine früher erlittene Verletzung des Aug­220

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