H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)
IV. Die Insignien der fürstlichen Würde: Das Zubehör des khaganischen Gürtels Kat. 1–18
gen - auch die erwähnten Stücke des Fundes aus Maloje-Perescepino gezählt werden, und sogar die fremdartiger anmutenden Anhängerglieder der Pseudoschnallen von Kelegeja fügen sich gut in unsere einheimischen Fundensembles ein. Wie Gyula László in seinem Brief 1974 im Zusammenhang mit dem Fund von Vetren festhielt:„Die Tracht unserer Khaga- ne war übereinstimmend dort, hier und in Maloje- Prescepino sowie in Kelegeja." Die als vollständig zu bezeichnenden fürstlichen Gürtel zeigen, wie bei Aufarbeitung des Fundes von Bocsa ebenfalls deutlich wurde, eine Duplizität der Steineinlagen- und Netzverzierung.233 All das bekräftigte das Grab von Kunbábony, aber die gleiche Duplizität finden wir auch unter den verwandten Stücken des Fundes von Maloje Perescepino, wo lediglich die Anzahl der einzelnen Teile der beiden Beschlaggruppen abweichen. Obwohl wir die genaue Zahl der Beschläge nicht kennen, ist das Übergewicht der fast ein Dutzend ausmachenden steinbesetzten Pseudoschnallen, kleinen Riemenzungen, der Aufhängerpaare und ovalen Beschläge im Gegensatz zum Typus der schuppennetzigen großen Riemenzunge, kleinen Riemenzunge und des Lochschutzbeschlags offensichtlich. Auffällig ist allerdings auch, daß die zwei Gruppen der Beschläge zum Teil mit übereinstimmenden Elementen, unter Verwendung von perlenbesetzten Drähten, Bändern gefertigt waren, wie wir es auch bei unseren einheimischen Funden feststellen konnten. An den bekanntgewordenen Stücken sind ferner bei beiden Beschlagtypen die Spuren starker Abnutzung und Beschädigung zu bemerken, was von ihrer einheitlich langen Verwendungsdauer zeugt. Daher müssen wir der Einordnung von Ambroz zustimmen, der die Pseudoschnalle und die schuppenverzierten Beschläge als eine Art Markierung an einem Gürtel anbrachte.234 Die erst kürzlich publizierten ausgezeichnet gelungenen Photographien der großen byzantinischen Schnalle und großen Riemenzunge des Fundes von Maloje-Perescepino erleichterten die Vergleiche. 235 Daraus wurde deutlich, daß diese fast „prägefrischen" Beschläge nicht an einem über lange Zeit verwendeten Gürtel gewesen sein konnten. Auf diese Weise jedoch läßt sich auch dieser Gürtel, ähnlich wie jene von Kunbábony und Bocsa, von denen er sich lediglich in den Proportionen seiner Zusammensetzung unterschei233. LÁSZLÓ: 1955, 220. 234. LÁSZLÓ: 1955, 279. 83. PLETNEWA: 1981, 110, Abb. 6.44. 235. WERNER: 1984, Taf. 41-42; 26-28; Von einem anderen Gesichtspunkt kommt der Verfasser zu einem ähnlichen Ergebnis. Er stellt sich nämlich die beiden byzantinischen Gegenstände an einem besonderen Inaugurations-, Patricius- Cürtel vor. det, als Gürtel eines awarischen Fürsten bezeichnen. All das wird ausdrücklich damit untermauert, daß der Khagan von Maloje-Perescepino neben seinen wundervollen byzantinischen Gegenständen nicht nur den typisch awarischen Sattel und das Pferdegeschirr unter seinen Schätzen aufbewahrte, sondern auch die die awarische Fürstenwürde anzeigende Bewaffnung und den Gürtel getragen hat.236 Was den Herstellungsort der Pseudoschnallen betrifft, tauchen einzelne ihrer Elemente — wie wir sehen konnten — regelmäßig im Kreise unserer einheimischen Funde auf. Mit ihrer kunstvollen Filigranarbeit grenzt sich von ihnen nur das Exemplar aus Tépe ab. Der Schildkörper der Pseudoschnalle aus Kelegeja, als deren Abstammungsort von der Forschung früher die Schwarzmeergegend angenommen wurde, ist unseren ungarischen Funden fremd und nimmt sich im ganzen als Applikation zweier Glieder verschiedenen Ursprungs aus. Auf der Grundlage all dessen meine ich, daß der überwiegende Teil unserer Pseudoschnallenbeschläge in einheimischen Werkstätten gefertigt wurde. Dafür spricht auch das auschließliche Vorkommen der Preßmuster bzw. der durch Pressen vervielfältigten vergoldeten Imitationen in Ungarn. Soweit es das publizierte Fundmaterial ermöglicht, lohnt es sich, auch deren Eigenheiten in Augenschein zu nehmen. Auf den ersten Blick fällt auf, daß mit Ausnahme der den schuppenverzierten großen Riemenzungen des Fundes von Maloje Prescepino verwandten Riemenzunge des 1. Grabes von Pápa-Ur- domb, der Zopfspangenfragmente von Kiskunfélegyháza—Pákapuszta und einzelner Lochschützerbeschläge durch Pressen keine Beschläge mit Zellnetz, sondern ausschließlich mit Steineinlage vervielfältigt wurden. Auf diesen Beschlägen, Preßmodellen tauchen in der Regel die von den Gürteln mit goldenen Pseudoschnallen aus Kunbábony, Tépe usw. bereits bekannten Verzierungselemente auf. Es lohnt sich aber auch zu beachten, welche Stücke nachgeahmt wurden und welche nicht. So läßt sich feststellen, daß, unseres Wissens nach mit Ausnahme des Gürtels von Kunbábony und jenes aus der Umgebung von Szeged,237 gleichfalls mit rotfarbener Steineinlage, alle anderen Goldgürtel - inklusive auch der kunstvollsten und hochrangigsten — in gepreßter Ausführung zur Vervielfältigung gelangt sein könnten. In Verbindung mit den gepreßten Pseudoschnal- len-Gürteln hält es Gyula László übrigens für denkbar, daß diese nicht unbedingt zum alltäglichen Gebrauch, sondern lediglich zum Zwecke der Bestattung gefertigt wurden,238 und ähnlich den Totenrin236. GARAM: 1976, 135. 237. KISS: 1988, 82-83. 238. LÁSZLÓ: 1955, 236-238. 116