H. Tóth Elvira - Horváth Attila: Kunbábony (Kecskemét, 1992)

IV. Die Insignien der fürstlichen Würde: Das Zubehör des khaganischen Gürtels Kat. 1–18

IV. DIE INSIGNIEN DER FÜRSTLICHEN WÜRDE WAFFENGÜRTEL Als Folge der Forschungstätigkeit Gyula Lászlós ge­hört es bereits zum Allgemeinwissen, daß der das Obergewand zusammenhaltende Gürtel eines der höchsten Rangabzeichen der nomadischen Völker ist, dessen Metallbeschläge, Zubehör und Verzierun­gen der daran aufgehängten Waffen gleichzeitig die Herkunft seines Trägers und die von ihm eingenom­mene gesellschaftliche Stellung anzeigend55 László war es auch, der darauf verwies, daß sich mit Erschei­nen der Awaren selbst in Byzanz die nomadische Tracht und deren Zubehör einbürgerte.'56 Es ist daher kein Zufall, daß wir unter der erhalte­nen großen Zahl an Gürtelbeschlägen und Gürtelzu­behör die schönsten Stücke des Fundes von Kunbä- bony antreffen. Darunter lassen sich aufgrund ihres Materials, ihrer Fertigungsverfahren und Parallelen mindestens drei Waffengürtel abgrenzen. Von der vornehmen Abstammung und dem hohen Rang un­seres Fürsten zeugen seine Waffengürtel, die aus­schließlich mit Goldbeschlägen geschmückt waren. Die Gürtelgarnituren hatten eine unterschiedlich lan­ge Lebensdauer und wurden manchmal lange Zeit verwendet. Am nächstliegendsten ist es vielleicht, unter den mehreren Dutzend Gürtelzubehören die in den einheimischen Fürstenfunden erstmals auftre­tenden Stücke der mit minuziöser Granulation ver­zierten Garnitur zu separieren. Etwas erleichtert es die Unterscheidung des auch aus dem Fund von Bocsa be­kannten Waffengürtels mit mehreren Riemenzungen, 155. LÁSZLÓ. 1955, 287. Dies besitzt unserer Einschätzung nach in bezug auf die ins Grab gelangten Funde auf jeden Fall Gültig­keit. 156. Ebenda. Später ist Werner der Ansicht, daß mit Auftauchen der Steigbügel auch das Tragen der an die Awaren anknüp­fenden reichbeschlagenen Gürtel türkisch-mongolischer Herkunft in Mode kommt und sich vom Ende des 6. Jh. bzw. daß zu den Stücken von Kunbäbony eine auffällige Übereinstimmung zu beobachten ist; doch gleichzei­tig deuten die überschüssigen Schnallen, Riemenzun­gen, Messer auf das Vorhandensein einer größeren Zahl Waffen mit doppelter Aufhängung, eventuell auf einen zusätzlichen Gürtel hin. Keine Schwierigkei­ten bereitet es hingegen, die Beschläge des Gürtels, der die fürstliche Würde in unserem Fall die des Khagans, anzeigte, zu unterscheiden. Die Riemen­zungen mit Zellwerk und Glaseinlagen des Gürtels, seine Pseudoschnallen mit Almandinsteinen und sei­ne Beschläge sind einheitlich von aus massivem Gold gefertigten Kugelreihen eingerahmt. Seine große by­zantinische Schnalle mit einer Föwenmaske (3 wurde ähnlich den Beschlägen mit Hilfe von zu Schlaufen gebogenen Nägeln am Riemen befestigt. Auch der Goldüberzug mit facettierten Glaseinlagen der Parier­stange des Schwertes mit Ringknauf ordnet diese Waffe dem Fürstengürtel zu, und vielleicht hat der feingearbeitete, steinbesetzte Beschlag, der hinsicht­lich seiner Ausführung nur mit der Werkstatt der Schnalle in verwandtschaftliche Beziehung zu brin­gen ist, die breitgebogenen Enden der den Gelenkrie­men haltenden Schlaufe bedeckt. GROßE SCHNALLE MIT LÖWENMASKE (Kat. 1.) Die große, schwere byzantinische Goldschnalle des Gürtels stellt sowohl bezüglich ihrer Form, als auch ihrer Ausführung ein Einzelstück dar, für das wir von der ersten Hälfte des 7. Jh. an nicht nur im Persichen sowie Byzantinischen Reich, sondern auch im Kreise anderer Völker verbreitet, die mit den Awaren in Berührung kamen. WERNER: 1974, 109, 139. Kurz vor dem Erscheinen steht die Arbeit von Csanád Bálint über dieses Thema, der auch in dieser Frage zu einer abweichenden Meinung gelangt. Dank freundlicher Mitteilung durch I. Bóna. 97

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