Levéltári Szemle, 42. (1992)

Levéltári Szemle, 42. (1992) 1. szám - DOKUMENTUM - Gecsényi Lajos: A budapesti osztrák képviselet jelentéseiből, 1946–1947 / 57–76. o.

eine Áusserung zu erbitten und wáre für eine diesbezügliche Verstandigung dankbar. Der Kardinal fügte hinzu, dass er im bejahenden Falle dann die Zei­tung Uj Ember vorlaufig wenigstens als Tagesblatt erscheinen lassen könnte. Über den katholischen Schulunterricht áusserte sich der Fürstprimas, dass in den Elementarsohulen der Religionsunterricht zwar von mangelhaften Kráf­ten, aber immerhin regelmássig erteilt werde. Von den Mittelschulen tragen über 60% geistlichen Charakter und es werde dortselbst natürlich auch der Religionsunterricht finanziell derzeit so schlecht fundiert, dass sich auf diese Weise die erstklassigen Schulen der Benediktiner, Piaristen, Jesuiten und son­stiger Orden in der allerschwierigsten materiellen Lage befinden. Umsomehr, als die einstmals reichen Klöster durch die Bodenreform ihrer gesamten wirt­sohaftlichen Grundlage nahezu vollstándig beraubt wurden. Der Kardinal sagte mir, er habé sich zwar bemüht, zu Gunsten der Klös­ter, Pfarreien und religiösen Vereine gewisse Milderungen der Bodenreform durchzusetzen, doch sei das Ergebnis vorlaufig noch ein recht bescheidenes ge­wesen. Der Kardinal erwahnte, dass man ihm selbst in seiner Residenz in Esz­tergom (Gran) nur 400 Joch Gemüseland gelassen habé, wahrend ihm der ge­samte Grundbesitz in Wald, Ackerland und Weide abgenommen wurde. (Wie ich von anderer Seite hiezu erfahre, wurde dem Kardinal, ebenso wie dem Bischof von Steinamanger diese Sonderbegünstigung zuteil, weil er sich seiner­zeit als scharfen Gegner der von den deutschen protegierten Pfeilkreuzler­politik sehr verdienstlich gemacht hatte. Die gleiche Begünctigung wird übri­gens auch bekanntermassen dem Grafen Mihály Károlyi, dem „Vater der de­mokratischen Revolution in Ungarn" nach seiner Rückkehr aus England zuteil werden.) Der Kardinal schloss seine Ausführungen mit einer recht pessimistischen Beurteilung der derzeitigen Lage Ungarns, dem er noch schwere Prüfungen in jeder Beziehung prophezeit. Seiner Ansicht nach müsste von den hiesigen Machthabern heute mehr denn je die Verbindung zu den westlichen Grossmá­chten und zu den mitteleuropáischen Staaten gesucht werden, ura den politi­schen Rückhalt an der mittel — und westeuropáischen Kultur und Geisteswelt nicht völling zu verlieren. Der von den hiesigen massgebenden Kreisen einge­nommene Standpunkt, dass sich die Westmáchte ohnehin um Ungarn nicht ernstlich kümmern, könne auf die Dauer nicht als Vorwand dienen, um, wie dies heute leider geschehe, sich völlig der Sowjetunion zu verschreiben und auf diese Weise das Land immer sehr in seine frühere asiastische Vergangen­heit zurückzuwerfen. Was die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zum Vatikán betrifft, so erzáhlte mir der Kardinal, dass für Ungarn wieder der frühere Nuntius Msgr. Rótta 13 designiert sei, dass aber von der Besatzungsmacht dage­gen Einspruch erhoben wurde, dass derselbe als Doyen des diplomatischen Korps auftrete. Dadurch sei die Angelegenheit praktisch auf die lange Bank geschoben und Ungarn kann auch seinerseits beim Vatikán vorlaufig keinen Gesandten ernenne. Der Fürstprimas bezeichnete diese Vorgangsweise der Be­satzungsmacht als einen neuen Beweis, wie man hier die Interessen der Kirche auf jede Weise zu schádigen sucht, Aus dem Gesprách mit dem Kardinal gewann ich den Eindruck, dass Un­garn in ihm tatsáchlich eine Persönlichkeit von ganz überragender Bedeutung besitzt. Bei all seiner persönlichen Güte scheint der Kirchenfürst entschlossen zu sein, den Kampf für die Freiheit der Kirche in Ungarn mit bedingungsloser Energie zu führen und hiebei unter Umstánden auch die persönlichen Konse­quenzen zu tragen. Aus seinen Worten sprach förmlich eine Art Martyrergeist, indess seine Augen in einem unheimlichen Feuer der Entschlossenheit leuchte­67

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