Levéltári Közlemények, 66. (1995)

Levéltári Közlemények, 66. (1995) 1–2. - SASHEGYI OSZKÁR EMLÉKÉRE - Malfer, Stefan: Die Reform der Wehrpflicht als konservative Sozialutopie in einer Broschüre aus dem Jahre 1856 / 147–155. o.

Die Reform der Wehrpflicht (1856) 155 Ich möchte also diese Broschüre zusammenfassend als eine konservative Sozialutopie bezeichnen. Konservativ, weil die Werte vergangenheitsbezogen und bewahrend sind, so­zial, weil das Bemühen um Gerechtigkeit und um Berücksichtigung der armen Bevölke­rungsklassen sehr stark ist, eine Utopie schließlich, weil sich der Entwurf aus inneren und äußeren Gründen doch sehr weit von dem entfernte, was machbar gewesen wäre. Lohnt es sich, eine solche offensichtlich unbeachtete und auch undurchführbare Uto­pie näher zu betrachten? Dazu abschließend drei Überlegungen. 1./ Utopie entzündet sich immer an den Problemen ihrer Gegenwart, das sind eine be­stimmte Zeit und ein bestimmter Raum. Wir gewinnen also aus der utopischen Schrift Er­kenntnisse über diese Zeit und diesen Raum, wenn wir nicht die Lösungen, sondern die Probleme, die angesprochen werden, herauslesen. 2.1 Jede utopische Schrift bietet Lösungen an, die, so unzeitgemäß sie auch sein mögen, doch gedacht, ausgesprochen, aufgeschrieben wurden. D.h. wir gewinnen auch Erkennt­nisse über die im geistigen Kosmos der Zeit denkmöglichen Antworten. 3./ Schließlich wirft jede Utopie einen Lichtstrahl in die Zukunft. Unsere Gegenwart entstand ja nicht nur aus den materiellen und sozialen Zwängen, auch wenn diese die Rich­tung vorgeben, auch nicht allein aus den dunklen Kräften der Vergangenheit, die wie schwere Gewichte die Entwicklung hemmen, sondern auch aus den Träumen, Sehnsüchten und Hoffnungen der Vergangenheit. In diesem Sinn möchte ich die Beschäftigung mit dieser Flugschrift, die bei aller Begrenzt­heit doch einige bemerkenswerte Äußerungen enthält, rechtfertigen. 6

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