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Prof. C. Binz: Die Einschleppung der Syphilis in Europa

12 von Europa ähnliches bezogen hat. Amerika kannte die Blattern nicht, die europäischen Eroberer brachten sie dorthin, und sie wütheten unter der eingeborenen Bevölkerung ärger als die Sy­philis bei uns. Noch vor wenigen Jahrzehnten haben wir gehört, wie die Weissen bei ihrem Vordringen nach dem Osten der Union einen feindlichen Indianerstamm mit Kleidungsstücken bekämpften, die von Blatternkranken herkamen. Man wusste sie in die Hütten der Rothhäute einzuführen, und bald räumte mehr als Pulver und Blei die schreckliche Krankheit unter den unbequemen Nomaden auf. Jedes grössere Land hat seine eigenartigen grossen Thiere und Pflanzen. Um nur die letzteren zu erwähnen, so waren der Mais, die Kartoffel, der Tabak, der Chinarindenbaum vor der Entdeckung Amerikas gänzlich unbekannt. Warum soll nicht jedes grössere Land seine eigenartigen mikroskopischen Organismen haben? Der Syphilisbacillus scheint mir ebenso gut ein Eingeborener Amerikas zu sein, wie die parasitäre Reblaus oder der Coloradokartoffelkäfer. Vor einiger Zeit las ich in der Wiener medicinischen Wochen­schrift (1892, p. 314), in ganz Australien gebe es keine Hunds- wuth, und infolge dessen habe man dort, um die Seuche auch in Zukunft fernzuhalten, eine mehrwöchentliche Beobachtungssperre für alle aus fremden Ländern ankommenden Hunde eingeführt. Der Zufall wollte, dass mir gleich nachher eine persönliche Bestätigung dieser Nachricht zu Theil wurde. Es besuchte mich Herr H. E. Bar ff von der Universität Sydney, der mir auf mein Befragen die Einzel­heiten darüber erzählte. Australien verhält sich also heute be­treffs der Hundswuth zu Europa, wie Europa bis zum Jahre 1493 sich zu Amerika betreffs der Syphilis verhielt. Man hat auf Grund von drei vereinzelten Nachrichten, die an­geblich aus den Jahren 1472, 1488 und wieder 1488 datiren, die Behauptung aufgestellt, die „Franzosenkrankheit“ sei schon als solche und unter diesem Namen vor 1493 in Europa bekannt ge­wesen1). Ick kann hier auf das sonstig Zweifelhafte dieser Zeug­nisse nicht eingehen; erwähnen will ich nur, dass es jedem, der sich mit der Litteratur nicht nur des 15., sondern auch des 16., 17. und 18. Jahrhunderts beschäftigt, auffallen muss, wie überaus häufig gerade in den Jahreszahlen dort die Druck- oder Schreib­fehler sind. Jede Jahreszahl, worauf es einem ankommt, ohne Aus­nahme, muss man an mindestens zwei Stellen vergleichen; und so häufig ist da die Verschiedenheit der Lesart, dass es höchst zeit­raubend wird, darin genau und zuverlässig zu werden. Das habe ich bei meinen Biographieen des Arztes Johann Weyer2) und des Professors Hermann Witekind3), der ersten Bekämpfer der Hexen- processe, reichlich erfahren. Aber nicht nur in den Urkunden und x) Man sehe bei H. Haeser a. a. 0. p. 253 und bei A. Hirsch a. a. 0. p. 342. 2) Bonn, bei A. Marcus, 1885. 3) Strassburg, bei Heitz und Mündel. 1888.

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