Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)
Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen
82 Organen, oder ihre grössere Menge und Verbreitung in peripherischen Thcilcn die Kranken zu Grunde richten. Ist ihre Zahl bedeutend, so entstehen sie selten auf einmal, sondern entwickeln sich unter jedesmaliger Steigerung des Fiebers stossweise nach einander und oft erliegen die Kranken erst im vierten oder fünften Sturme. Selten tödtet das hcctische Fieber ohne besondere Localaffecte die Kranken durch Erschöpfung; die Krankheit zieht sich alsdann sehr in die Länge und gewöhnlich bildet sich ein typhöser Zustand noch kurz vor dem Tode aus. Nur ausnahmsweise erfolgt der Ausgang in Genesung, wenn Eiter in die Blutmasse aufgenommen ist. Er findet Statt, wenn das Blut sich zeitig genug durch Ausscheidungen mittelst der Secretionsorgane, oder durch Ablagerungen in peripherische, für das Leben minder wichtige Gebilde befreien kann. III. Kindbettfiel· er mit vor wait endem Leiden der JJ t er ins chl e imhaut. Endometritis puerperalis. §. 66. Schon in der Mitte des vorigen Jahrhunderts herrschte in Lyon eine Epidemie, in welcher diese Form des Kindbettfiebers prävalirte. Sie bildete ferner die Grundform der meisten Epidemieen, welche zu Ende des vorigen und zu Anfänge dieses Jahrhunderts die Spitäler in Wien heimsuchten. In neuerer Zeit scheint sie gewissermassen durch die Phlebitis verdrängt worden zu sein und pflegt sich mit ihr gegen das Ende der Epidemieen in die Herrschaft zu theilen. Sie befällt vorzugsweise cachectische Individuen, die in der Schwangerschaft viel Kummer und Elend erlitten, bei denen sich vor der Niederkunft schon öfters periodische, reissende oder brennende Schmerzen in der Unterbauchgegend und nach den Schenkeln abwärts zeigten, bei denen die Wehen träge oder sehr schmerzhaft waren, die während der Geburt einen langsamen , schwachen Puls hatten oder einen Frostanfall bekamen, und die schwächliche, kranke, selbst todtfaule Kinder gebaren. Aber auch blühende, kräftige Wöchnerinnen werden von ihr nicht verschont.