Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)
Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen
71 Nationen in Form einer eiterigen Infiltration drüsiger und parenchymatöser Organe , hier walten vielmehr die metastatischen Abscesse vor. Bisweilen jedoch sind beide gleichzeitig· vorhanden. Eine beschränkte eiterige Infiltration des Lungenparenchymes entzieht sich gewöhnlich der Diagnose, eine ausgedehntere dagegen giebt sich durch Schmerzen, Dyspnoe, Husten mit blutig eiterigem Auswurfe, matte Percussion, bronchiales Athmen und rasselnde Respiration zu erkennen. Die Parotis ist häufiger der Sitz einer eiterigen Infiltration, als der lobulären Abscesse. Meistens unter heftigen Schmerzen schwellen eine oder auch beide Drüsen sehr schnell zu einer bedeutenden Grösse an, die Haut ist geröthet, die anfangs harte Geschwulst wird sehr bald weich in Folge eiteriger, seltener jauchiger Schmelzung des Exsudates, das Parenchym wird dann immer mehr oder minder zerstört. Oft sind aber auch Schmerzen und llöthe gering, oder fehlen ganz. Selten kommt es zum Aufbruche, häufiger senkt sich der Eiter unter die Halsmuskeln. Helm sah ihn in einem Falle bis zum Schlüsselbeine Vordringen, dieses wurde in der Mitte von seinen Verbindungen losgetrennt, cariös und die Berührung mit der Jauche rief eine tödtlichc Pleuritis hervor. Die Muskeln werden bisweilen durch eiterige, eiterig- gallertige oder jauchige, seltener blutige Infiltration breiartig erweicht. Gewöhnlich nimmt das umgebende Zellgewebe daran Theil. Schmerzen und Anschwellung sind in der Regel stärker, als bei den lobulären Abscessen, die nicht selten zugleich neben der Infiltration bestehen. Die bedeckende Haut ist bisweilen leicht geröthet. Ausser den Muskeln der Extremitäten werden namentlich die des Beckens und die geraden Bauchmuskeln befallen. §. 58. Häufiger finden die secundärcn exsudativen Entzündungen auf Schleimhäuten Statt, meistens in Form einer sogenannten croupösen Entzündung oder eiterig-gallertigen Erweichung. Bisweilen, jedoch gewöhnlich erst nach längerer Krankheitsdauer, wird der obere Theil des Tubus alimentaris, der Pharynx und Oesophagus ergriffen. Diese Affection cha- racterisirt sich durch ein Gefühl von Trockenheit im Halse und gelinde Schlingbeschwerden; eine blutig eiterige, übelrie-