Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)
Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen
68 fahren und wilde Delirien unterbrochen. Selten tritt hier Genesung· ein, unter Ahg-ang'e eines eiterhaltigen, übelriechenden Urines, mit Nachlass der Betäubung· und der übrigen Erscheinungen, in der Regel endet die Krankheit schnell mit dem Tode, ehe noch die localen Wirkungen der Eiterinfection hervorgetreten sind. Bei langsamerem Verlaufe pflegen diese jedoch nicht zu fehlen, zugleich entwickeln sich dann die Symptome einer mehr oder minder ausgeprägten Sepsis, alle Se- und Excretioncn bekommen einen üblen Geruch, aber Petechienbildung wird seltener beobachtet, als bei den übrigen Formen des Kindbettfiebers, die diesen Ausgang nehmen. Viel häufiger tritt das Fieber in Folge der Eiterinfection mit dem hectischen Character auf, bei dem vorzugsweise das Rückenmark afficirt zu sein scheint und das Gehirn frei blciht. Die characteristischen Schüttelfröste zeigen sich bisweilen schon am 2. bis 3. Tage der Krankheit, gewöhnlich aber erst am 7. bis 8. Tage und später, oft nachdem bereits eine scheinbare Genesung eingetreten war. Sie sind meistens sehr heftig, halten ott mehre Stunden an; während derselben sind die Kranken leichenblass, mit bläulichen, bebenden Lippen, wollen nicht die mindeste Entblössung dulden; dabei ist die Haut bald kühl und trocken, bald brennend heiss und mit wässerigen Schweis- sen bedeckt. Je stärker der Frost war, um so bedeutender pflegt die nachfolgende Hitze und Gcfässaufregung zu sein. In anderen Fällen sind die Fröste nur undeutlich markirt, besonders bei schlaffen, torpiden Suhjecten. Sic halten selten einen regelmässigen Typus, setzen oft Tage lang aus, oder wiederholen sich drei- bis viermal in 24 Stunden. Die Intervalle sind bisweilen durch eine vollständige Apyrexie bezeichnet, in der Regel jedoch dauert das Fieber, obwohl schwächer fort, mit heisser, trockener Haut, grosser Abgeschla- genheit, Kopfschmerzen, selbst zeitweiliger Bewusstlosigkeit und leichten Delirien. Das Gesicht wird bald entstellt und bekommt einen eigenthümlichen ängstlichen Ausdruck (Puerperalphysiognomie). Der Verlauf ist gewöhnlich viel langsamer, als bei der typhösen Form und zieht sich oft Wochen lang hin. Deshalb fehlen auch selten bedeutendere Localerscheinun- g-en, obwohl diese keineswegs so constant, wie Helm behaup-