Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Viertes Kapitel. Aetiologie des Kindbettfiebers §. 81-91

112 bildung und Entwickelung gehen einander parallel. Der Ute­rus mit seinem Peritonäalüberzuge, die Vagina, die äusseren Genitalien, die Haut und das Zellgewebe der Bauchdecken und des Dammes contrahircn sich mehr und mehr und suchen so die frühere Form wieder zu gewinnen; die veränderte Circu­lation kehrt zur alten Norm zurück; durch die Contractionen des Uterus wird das Blut aus den an der Placentarstellc zer­rissenen Venen theils rückwärts in die Geiasse, in denen noch der Kreislauf besteht, theils in die Höhle des Uterus, als blutige Lochien gepresst, der Rest desselben gerinnt und bildet nach Resorption der flüssigen Bestandteile feste, die Venenmün­dungen vcrschliessendc Pfropfe. Auf der ihrer Schleimhaut beraubten Placentarwundfläche findet eine reichliche Exsudation mit Eiterbildung Statt, unter welcher die Schleimhaut sich re- gencrirt, daneben wird das ganze Epithelium der unverletzt gebliebenen Schleimhaut losgestossen. Die in der Schwanger­schaft neugebildete Muskel - und Nervensubstanz, die sich im Gcbärungsacte erschöpft hat, schwindet wieder durch Zer­setzung, die Zersetzungsproducte werden theils direct und, oh­ne die Einwirkung der Respiration erfahren zu haben, mit dem Eiter der Placentarwundfläche, als Ammoniak ausgeschieden, theils gelangen sie, wie sonst, in das Blut und werden durch die gewöhnlichen Secretionsorgane entfernt. Die Hautsecretion ist vermehrt, von eigentümlichem Gerüche und eben so, wie der Urin, reicher an Milchsäure. In den Brüsten zeigt sich die erhöhte Thätigkeit in der verstärkten Secretion, die sich qualitativ von der früheren durch den vermehrten Gehalt an Fett, die Umwandlung des Albumins in Käsestoif und das Auf­treten des Milchzuckers unterscheidet. So ist also nicht blos der Zug des Blutes verändert, sondern wichtige chemische Metamorphosen finden gleichzeitig innerhalb desselben Statt. Als ncugebildetes Product erscheint in der Milch der Milchzucker, der wahrscheinlich schon im Blute präexistirt; das von Scherer beobachtete Vorkommen freier Milchsäure in dem­selben bei Puerperalfieberkranken spricht zum Theile für diese Ansicht. Nach Lehmanns Untersuchungen ist auch die Prä­existenz der Buttersäure im Blute wahrscheinlich, sie ist im Urine und in dem Secrete der Hautdrüsen, namentlich bei nicht

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