Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Viertes Kapitel. Aetiologie des Kindbettfiebers §. 81-91

106 Sprunges sein und einem latentgebliebenen und durch die Win- de verbreiteten Contagium seine Entstehung verdanken. Die Lösung dieser Frage ist auf dem heutigen Standpuncte der Wissenschaft unmöglich. Auch ist wenig daran gelegen, da man wohl voraussetzen darf, dass es einerlei Verhältnisse sind, welche ein bisher latentes Contagium nun plötzlich zur Wir­kung gelangen lassen und die ohne ein solches den Organis­mus zu einer spccifischen Erkrankung und Production desselben disponiren. Welcher Art aber die supponirten Veränderungen in der Atmosphäre sind, die, unter dem Namen Miasma zu- sannnengefasst werden, wissen wir nicht. Die gewöhnlichste Annahme ist die, dass sie auf einer Beimischung besonderer schädlicher Stoffe beruhen, doch sind dieselben nirgends em­pirisch nachgewiesen. Nur so viel ist ausgemacht, dass sich das Miasma nicht auf Abweichungen in den physikalischen Verhältnissen, in der Strömung, Spannung und Temperatur, der Electricität und dem Wassergehalte der Luft zurückfüh­ren lässt. §. 82. Das Kindbettfieber verräth seinen miasmatischen Ursprung durch folgende Charactere. Es tritt in der Regel als Epidemie und gleichzeitig in verschiedenen Ländern und Gegenden auf. So herrschte es nach den bekannt gewordenen Beobachtungen z. B. im Jahre 1781 in Paris, Vaugirard, Cassel, 1811 in Landsberg, Heidelberg, Paris, Dublin, Leeds, in den Grafschaften Sommerset, Durham und Northumberland, 1819 in Wien, Prag, Dresden, Würzburg, Bamberg, Ans­bach, Nürnberg, Dillingen, Italien, Lyon, Paris, Dublin und Stockholm, 1825 in Wien, München, Hannover, Berlin, Paris, Stockholm und Petersburg, 1835 in Würzburg, Mün­chen, Prag, Hannover, Göttingen, Kiel und London. Die Wirkung des Miasma erstreckt sich bisweilen auch auf die Thiere. So erzählt Campbell, dass während der Kindbettfie­berepidemie zu Edinburgh 1821/22 die Hündinnen, welche geworfen hatten, ihre Jungen nicht säugen wollten und nach 2 bis 3 Tagen starben. Gleichzeitig war in mehren Theilen von Schottland, besonders in der Grafschaft Fife, die Sterb­lichkeit unter den Kühen, welche gekalbt hatten, sehr gross. Eine ähnliche Sterblichkeit unter den Hündinnen beobachtete

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