Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)

Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - II. Anomale Formen

98 massig· runder Flecken von der Crosse eines Silhergroscliens und darüber. Die Rothe derselben weicht dem Fingerdrucke und kehrt bei Nachlass desselben schnell von der Peripherie zurück; sie ist bald hell - rösenrotli, bald dunkel - blauroth, im Allgemeinen um so dunkler, je asthenischer der Character der Krankheit ist, seltener sind die Flecken alsdann auffallend blass. In der Regel fliessen die einzelnen Flecken zu einer gleich- massig rothen Fläche zusammen, seltener bleiben sie getrennt und sind dann gewöhnlich auf einen kleineren Raum beschränkt. Das Exanthem erscheint zuerst und vorzugsweise in der Ge­gend der Gelenke, an den Fingern und Zehen, auf der Hand, am Ellenbogen, an den Knöcheln und Knieen, weniger häufig im Gesichte oder auf der Brust und an anderen Stellen des Rumpfes. Bisweilen überschreitet die Affection die Gränzen eines Gelenkes, z. B. des Knie- oder Ellenbogengelenkes nicht, in anderen Fällen breitet sie sich über eine ganze Extremität aus, ja befällt öfters nach und nach die gesammtc Oberfläche des Körpers. Die Verbreitung geschieht bald schnell, bald langsam und kriechend und es vergehen mehre Tage, ehe das Exanthem von den Füssen bis zum Gesichte gelangt, so dass es an den zuerst ergriffenen Stellen bereits wieder verblasst sein kann. Die befallenen Glieder sind immer mehr oder min­der angeschwollen, die rothe Haut ist sammetartig aufgelok- kert, heiss, empfindlich gegen Berührung; diese Symptome pflegen um so heftiger zu sein, je mehr sich das Uebel ört­lich beschränkt, namentlich gehen dem Ausbruche an den Ge­lenken schon heftige reissende Schmerzen in denselben voran. Unter Fortdauer des Fiebers mit starken abendlichen Ex­acerbationen stellt das Exanthem zwei bis drei Tage, die Farbe desselben nimmt gewöhnlich an Dunkelheit zu. Alsdann lassen bei günstigem Ausgange Röthe und Fieber nach, ein sedimen- tirender Urin wird in reichlicher Menge gelassen, die Haut schuppt sich kleienartig ab. Häutiger jedoch nimmt die Krank­heit ein tödtlichcs Ende. Das Fieber hält mit unverminderter Heftigkeit an, die Energie des Pulses sinkt, die Kranken ver­dén betäubt, schlummersüchtig, gleiten zum Bettende herunter, deliriren still vor sich hin; das Exanthem bekommt eine livide Färbung, oder verschwindet ganz, oder bleibt nur in einzelnen,

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