Litzmann, C. T. Carl dr.: Das Kindbettfieber in nosologischer, geschichtlicher und therapeutischer Beziehung (Halle, 1844)
Drittes Kapitel. Formen des Kindbettfiebers §. 31-80 - I. Normale Formen
95 kende Haut ist von rothen Striemen durchzogen, Unterschenkel und Fuss sind ödematös geschwollen, kalt und schmerzlos. Gewöhnlich ist auch die Schaamlippe der leidenden Seite in gleicher Weise wie der Oberschenkel intumescirt, bisweilen ist die Geschwulst auf sie allein beschränkt. Die ins Zellgewebe ergossene Flüssigkeit ist in der Regel faserstoffiger Natur, bald mehr gallertartig, bald mehr serös, selten bildet sie sich in Eiter um. Ihren Ursprung verdankt sie theils der directen Theilnahmc des Zellgewebes an der Entzündung, theils der durch die Erkrankung der Lymphgefässe behinderten Resorption. Die gewöhnlichen Zufälle einer Eiterinfection, lobuläre Abscesse und hectisches Fieber, scheinen bei reiner Lymphan- gioitis ohne gleichzeitige Phlebitis nicht vorzukommen. Velpeau ist der einzige, welcher in einem solchen Falle lobuläre Abscesse in den Lungen und der Leber gefunden haben will. Wahrscheinlich werden die Wände der Lymphgefässe durch die Entzündung paralysirt, so dass sie ihr Contentum nicht weiter bewegen können und dasselbe somit nicht in den Kreislauf gelangt. Der Tod erfolgt entweder durch die Heftigkeit des Allgemeinleidens, oder wird durch die combinirtcn Localaf- fecte herbeigeführt. Nur wenn sich Eiter im Ductus thoracicus selbst befindet, könnte vielleicht eine Beimischung desselben zum Blute Statt haben. In wie fern der oben angeführte Fall von Tonelle, wo am 3. Tage der Krankheit schnell ein typhöser Zustand eintrat, für diese Meinung spricht, will ich dabin gestellt sein lassen. Bei eintretender Genesung ist, \vie bei Phlebitis, eine mehr oder minder vollständige Herstellung des Gefässlumens durch Resorption möglich. In einigen Fällen, wo die Kranken später an anderen Krankheiten starben, hat man Gelegenheit gehabt, die Spuren einer verheilten Lymphangioitis zu sehen. Man fand die Lymphgefässe erweitert und hie und da in ihrer Höhle pseudomembranöse Concretionen fest mit der inneren Wand verwachsen. Die consecutive Anschwellung des Schenkels und der Schaamlippen nimmt in der Regel nur[sehr langsam wieder ab und Verhärtung des Zellgewebes und gehinderte Bewegung bleiben Wochen und Monate lang zurück.