Grosse, Johannes dr.: Ignaz Philipp Semmelweis, der Entdecker der Ursache des Kindbett-Fiebers (Leipzig-Wien, 1898)

Dritter theil. Seine Anerkennung nach dem Tode

für das Gute und Böse empfindliche Seele bäumte bei diesem Widerstand in einer Sache, wo er sich selbst so lauter in seinen Absichten und durch die Thatsachen so gerechtfertigt fühlte. Wenn auch jede medicinische Neuerung kritisiert werden muss, ja die Kritik sogar eine Pflicht der Fachgenossen ist, so hat doch Semmelweis vollständig Recht, wenn er über die Unredlichkeit der Schriftsteller, welche gegen ihn schrieben, sich beklagte. Es ist aber selbst ein kleiner Mangel an Ehrlichkeit bei wissenschaftlichen Arbeiten ein grosser Fehler. Wir können keine Entschuldigung dafür finden, dass die Chlorwasserwaschungen in gewissen Anstalten nur zum Schein geübt wurden, um für die neue Lehre ein Dementi abzugeben, dass zwar die anatomi­schen Uebungen ausgesetzt, die auftretenden Puerperalfieberfälle aber als Beweis gegen die Richtigkeit der Lehre ausgebeutet wurden, während doch schon in den ersten Veröffentlichungen darauf hingewiesen wurde, dass „alle“ faulenden thierischen Substanzen Puerperalfieber erregen können. Semmehveis ist im Laufe der Zeit glänzend gerechtfertigt worden, die gute Sache hat gesiegt. Wenn wir uns vergegenwärtigen, welchen Nutzen die Ent­deckung von Semmelweis gebracht hat, so ist nicht zu leugnen, dass völlig gehalten wurde, was er voraussah, und er wirklich, wie er es auszusprechen wagte, ein Wohlthäter des Menschen­geschlechts geworden ist.“ Es dürfte schwer fallen, die Anerkennung, die Semmel­weis insbesondere durch He gar, Bruck, Hueppe und Zweifel gefunden hat, noch zu steigern! Möge aber auch die vorliegende Arbeit dazu helfen, die verdunkelte Semmelweis’sche Grossthat in immer helleres Licht zu stellen. Semmel weis hat für die Förderung der ärztlichen Wissen­schaft und Kunst, die für das Wohl der Menschheit von so grosser Bedeutung ist, Unsterbliches geleistet.

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