Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)
Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber
87 Ihre Schwester hatte Erysipelas mit typhösen Erscheinungen und Herpes, worauf ein ungeheurer Abscess in der Brust folgte.“ VIL „Frau P. wurde nicht von Storrs entbunden .^sondern nur von ihm besucht; Frau P. hatte das Kind der Frau Bt. auf der Bahre gebettet, das einige Tage früher an Gangrän des Nabels o-e- storben war. — Storrs hatte der Frau Bt. zur Zeit dieser Krankheitsfälle Beistand geleistet, Frau Bt. starb und es folgte ihr bald ihr Kind, das am Brande des Nabels und der Geschlechtstheile zu Grunde ging.“ VIII. „Frau W., die unter Storrs’ Leitung entbunden wurde nachdem er am vorhergehenden Morgen bei Frau Richardson einen’ Abscess eröffnet hatte, starb.“ „Storrs machte nun eine 14tägige Reise, und hoffte sich auf diese Art gänzlich zu reinigen “ IX. „Am 21. März Nachts war er bei der Geburt der Frau W. thätig, nachdem er Morgens bei Frau Richardson abermals einen Abscess geöffnet hatte; Frau W. starb gleichfalls.“ X. „Ein gleiches Schicksal hatte Frau Dk., die am 22. geboren hatte.“ „Einige Monate darauf, als das Gift schon etwas erschöpft war, legte Storrs’ Assistent an das Bein der Frau Richardson eine Binde an und entband am Tage darauf eine junge Frau; sie wurde von heftiger Bauchfellentzündung befallen, man liess ihr zweimal zur Ader, — sie erholte sich. — Bei ihr hatte die Krankheit einen mehr sthenischen Charakter.“ Storrs hofft durch seinen Aufsatz (aus dem wir darum so reichliche Auszüge geliefert haben, weil er den an den englischen Ansichten über die Weiterverbreitung des Puerperalfiebers Zweifelnden überall entgegengehalten wird) bewiesen zu haben: 1. Dass das Puerperalfieber durch Berührung mittheilbar sei. 2. Dass dasselbe von einem thierischen Gifte, und zwar besonders dem Rothlaufe und seinen Folgen, aber auch zuweilen vom Typhus herstamme.1) 3. Dass das Kindbettfieber ohne Unterschied an der Umgebung der Erkrankten, Rothlauf, Typhus, und beim männlichen Ge- schlechte ein Fieber, das bisweilen ungemein dem Puerperalfieber gleicht, hervorbringe. 4. Dass im Ganzen die vernünftigste und sorgfältigste Behandlung ohne Erfolg bleibt. Im Gefühle dieser letzten traurigen Erfahrung schlägt Storrs vor, dass Geburtshelfer, um ähnliches Missgeschick zu verhüten, nie in demselben Kleide Kreissende besuchen sollen, worin sie schon bei *) *) Noch viel weiter geht Nunneley („A treatise on the Nature, Causes and Treatment of Erysipelas,“ London 1849), wie aus folgenden Aeusserungen hervorgehen wird: Pag. 87: „Ich werde die vorzüglichsten Gründe und Thatsachen, die man zum Beweise der Identität (identy) des Puerperalfiebers und des Rothlaufes anführen kann, unter bestimmte Punkte bringen.“ . Pag. 89: „Ich bin davon überzeugt, dass viele Fragen, die in der Mediciu durch allgemeine Uehereinstimmung als abgemacht angesehen werden, keineswegs auf festeren Gründen ruhen, als die sind, die wir so eben zum Beweise der Identität des Puerperalfiebers und des Rothlaufes angeführt haben.“ — Bemerkt muss übrigens werden, dass in ber Todtenliste für London vom Jahre 1842 251 Personen als am Rothlauf verstorben aufgeführt werden. Semmelweis’ Abhandlungen und Werk über das Kindbetttieber.