Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)

Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber

Semmelweis7 Abhandlungen und Werk über das Kindbettlieber. 85 In dem auf diese englischen Beobachtungen Bezug nehmenden Werke1) Dr. Arneth’s lesen wir Folgendes: Eine lange Reihe der englischen Beobachtungen beweist, dass die Uebertragung fauler Stoffe im Allgemeinen, besonders aber der Leichentheile auf Gebärende Kindbettfieber hervorbringen. Doch er­klären sie diese Fälle, wie wir später sehen werden, ganz anders. Unter den über den Gegenstand erschienenen Fachschriften machte in England nichts mehr Aufsehen, als ein Journalartikel von Robert Storrs. St orr s befragte schriftlich mehrere Collégén um Ihre Er­fahrungen und Ansichten. Das Resultat dieser Umfrage war unge­fähr Folgendes: „Reedal in Sheffield behandelte einen jungen Mann, der an einer bösartigen Leistengeschwulst und einer erysipelatösen Ent­zündung des Hodensackes und der Hinterbacken litt, die täglich ver­bunden werden mussten und endlich einen tödtlichen Ausgang nahmen. Seine Schwester, die ihn pflegte, bekam gleichfalls Rothlauf im Ge­sichte und am Kopfe, zu dem sich Fieber mit typhösem Character gesellte, und sie binnen zwei Tagen wegraffte. — Während Reedal nun den Patienten behandelte, bekamen fünf Frauen, bei deren Ent­bindung er vom 26. October bis 3. November 1843 zugegen war, das Puerperalfieber und starben. Zu den genannten Unglücklichen war er fast unmittelbar nach der Reinigung jener Wunden gegangen, während zwei Frauen, die gleichfalls während des Geburtsgeschäftes seine Hilfe in Anspruch genommen hatten, zu denen er aber erst einige Stunden nach jenem gefahrbringenden Krankenbesuche ge­gangen war, ohne bedeutendere Erkrankungen davonkamen. Nach dem Tode jener Frauen gab Reedal seine Besuche bei dem jungen Manne auf, weil er sich für den Verbreiter der Krankheit ansehen musste und seidem hatte er eben so wenig mehr einen Fall von Puer­peralfieber in seiner Praxis, als ihm dergleichen vor der Behandlung jenes Erysipelas vorgekommen waren.“ „S1 eight in Hull berichtet, dass er einen Kranken am gangraene- scirenden Erysipelas behandelte und während seines Besuches bei demselben zu einem Geburtsfalle gerufen wurde; obwohl die Geburt sehr leicht und regelmässig verlief, wurde die Frau 20 Stunden dar­nach vom Puerperalfieber ergriffen und starb nach 18 Stunden währender Krankheit,“ „Hardey, gleichfalls in Hull wohnend, behandelte einen Abscess in der Lendengegend und einen er}rsipelatösen Abscess an den Brust; zur selben Zeit starben sehr viele Schafe, Kühe und. Tauben nach der Geburt. Hardey behandelte in Monatsfrist 20 Geburtsfälle, von denen sieben Frauen starben; alle diese Geburten hatten einen regelmässigen Verlauf gehabt, auch "war sonst keine Ursache des unglücklichen Ausganges aufzufinden; Niemand aus der Umgebung der Unglücklichen wurde von einer ähnlichen Krankheit beiallen. Häufige Chlorwmschungen und ein ganz neuer Anzug hoben endlich die Weiterverpflanzung der Krankheit auf.“ „Drei Aerzte von Hull trafen bei der Section eines Mannes zu­sammen, der an Gangrän nach einer Operation von Hernia incar- cerata gestorben war. Alle berührten die Leichentheile. Einer von J) Ueber Geburtshilfe und Gynäkologie in Frankreich, Grossbritannien und Irland. Wien 1853. bei Wilhelm Braumüller.

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