Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)
Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber
Untersuchung oder eine Operation bei einer Schwangeren Gebärenden. Wöchnerinnen zu gestatten, wenn kurze Zeit zuvor ein hilfeleistendes Individuum mit Leichentheilen oder septischen Exsudaten zu thun hatte.“ In einer Anmerkung setzt er hinzu: „Es ist daher die löblichste "V 01 sicht eines jeden Klinikers die klinischen Explorationen in den frühesten Morgenstunden vornehmen zu lassen, bevor noch die Beschäftigungen am Cadaver vorgenommen wurden.“ Der Meinungsunterschied zwischen englischen Aerzten über das Kind belt lieben (I860.) Nachdem mich das Ergebniss der Chlorwaschungen davon überzeugt hat, was die wahre Ursache des Kindbettfiebers sei, theilte ich meine Meinung den Leitern mehrerer Gebäranstalten mit, damit ich die Menschheit und deren möglichst grössten Theil von dieser Geissei je eher befreie. Die erste Antwort auf meine Mittheilung kam mit erstaunlicher Schnelligkeit von Professor Simpson aus Edinburg. Er erwiderte in seinem in recht erregten Ton gehaltenen Brief unter Anderen, mein Schreiben diene ihm als Beweis, dass mir die englische Litteratur ganz unbekannt sei, denn sonst würde ich wissen, dass die Engländer das Kindbettfieber längst für eine contagiöse Krankheit halten, und zu deren Verhütung Chlorwasclmngen anwenden. Dass die englischen Aerzte das Kindbettfieber für eine contagiöse Krankheit halten und dagegen Chlorwaschungen anwenden, war allerdings auch mir bekannt, aber ich halte das Kindbettfieber für keine contagiöse Krankheit. Prof. Simpson konnte nur in Folge einer Uebereilung meine Ansicht über das Kindbettfieber mit der Ansicht englischer Aerzte für identisch halten; dies geht aus einer Corresponded zwischen mir und dem Arzt F. H. Kouth in London hervor. Dr. Kouth besuchte die I. Gebärklinik zu Wien während meiner Assistenzzeit; das was er gesehen, überzeugte ihn von der Richtigkeit meiner Lehre. Er reiste mit dem Vorsatze in sein Vaterland zurück, meine Lehre dort zu verbreiten; ich erhielt seinen ersten Brief aus London vom 23. Jänner 1849, folgenden Inhalts: „Comitiis in ultimis septimanis Novembris (1848) convocatis, illic discursus, in quo tuam inventionem enunciavi reddens tibi, ut voluit justitia, maximam glóriám, praelectus fűit. Enim vero possum dicere, totum discursum optime exceptum fuisse, et multi inter socios doc- tissimos attestaverunt argumentum convincens fuisse. Inter hos Semmelweis- Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber.