Győry, Tiberius von dr.: Semmelweis' gesammelte Werke (Jena, 1905)

Semmelweis' Abhandlungen und Werk über das Kindbettfieber

Die offenen Briefe an Professoren der Geburtshilfe. 437 krankungen hervorrufen. Bei Wöchnerinnen, welche in der Nach­geburtsperiode oder im Wochenbette durch in der Luft schwebende zer­setzte Stoffe erkrankten, bietet die vorausgegangene Geburt nicht die oben erwähnten Anomalien dar, auch die Kinder solcher sterben nicht an Blutentmischung, aus dem einfachen Grunde, weil die Blutent­mischung bei der Erkrankten zur Zeit eintritt, wo die Geburt schon vollendet, wo das Kind schon geboren. Um zu beweisen, dass die Erkrankungen in der Würzburger Ent­bindungs-Anstalt wirklich epidemischen Ursprungs waren, wird er­zählt, dass während derselben Zeit in Würzburg selbst, und in dessen Umgebung unverhältnissmässig viele Blutungen während des Geburts­aktes, so wie auch mehrere tödtlich endende puerperale Erkrankungen, zur Behandlung kamen. Herr Hofrath setzen also voraus, dass die Hebammen und die praktischen Aerzte, welche in Würzburg und dessen Umgebung die geburtshilfliche Praxis ausüben, besser wissen, als Sie selbst, Herr Hofrath, wie das Puerperal-Fieber zu verhüten sei. Sie setzen voraus, dass die Hebammen und praktischen Aerzte kein Infectionen machen; wenn daher dennoch unter den Wöchnerinnen, welche diesen Individuen anvertraut sind, Puerperal-Fieber herrscht, so kann das kein anderes als ein epidemisches sein, und wenn das Puerperal-Fieber in Würzburg und in dessen Umgebung epidemisch ist, so ist auch das Puerperal- Fieber in der Würzburger Entbindungs-Anstalt epidemisch. Ich gestehe, dass ich diese Ansicht nicht theile; ich glaube viel­mehr, dass die Hebammen und die praktischen Aerzte, welche in Würzburg und dessen Umgebung die geburtshilfliche Praxis ausüben, gerade so colossale Ignoranten über die Entstehung und Verhütung des Kindbettfiebers sind, als Sie selbst, Herr Hofrath, und dass dem­nach die Puerperal-Fieberfälle in Würzburg und dessen Umgebung verhütbare Infections-Fälle von Aussen seien. Da es gewiss ist, dass die Hebammen und die praktischen Aerzte, Avelche in Würzburg und dessen Umgebung die geburtshilfliche Praxis ausüben, nicht in Pest gelernt haben, wie das Puerperal-Fieber ent­steht, und wie es verhütet werden könne, so stelle ich die Frage, wo haben Selbe es gelernt? Bei Ihnen doch nicht, Herr Hofrath, bei Kiwisch auch nicht; nennen Sie mir, Herr Hofrath, den Professor der Geburtshilfe, der jetzt nach 14 Jahren meine Lehre vorträgt, damit ich mich bei diesem Unicum bedanken könne. Sie sehen, Herr Hofrath, dass ich Ihrer Lehre die Stütze entzogen, welche Sie in den Mordthaten gefunden haben, welche die Hebammen und Aerzte in Würzburg und dessen Umgebung aus Unwissenheit begehen. Es wird gesagt, dass es besonders hervorgehoben werden müsse, dass die Erkrankungen in Würzburg und in dessen Umgebung nicht der Praxis eines Arztes angehörten; natürlich, es ist ja nicht blos ein Arzt, sondern alle Aerzte, die dort praktiziren, sind Ignoranten in Bezug der Verhütung des Kindbettfiebers, und an dieser Ignoranz sind die Professoren der Geburtshilfe schuld, bei denen die prakti- zirenden Aerzte Geburtshilfe gelernt. Und diesbezüglich haben Sie, Herr Hofrath, ein bedeutendes Contingent aus Unwissenheit Mordender in Deutschland versendet. . Dass manchmal in der Praxis eines Arztes oder einer Hebamme, besonders viele Puerperal-Erkrankungen Vorkommen, ist daiin be-

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