Schürer, Fritz von Waldheim dr.: Ignaz Philipp Semmelweis (Wien-Leipzig, 1905)

1846-1850. Assistent in Wien. Entdeckung der Ursachen des Kindbettfeiebers. Erfolge und Verfolgungen. Dozent. Abreisen von Wien

72 prägnierung seiner Hände mit faulenden Stoffen nicht bloß der Kadaver. — Rücksichtlich der Transferierungen der erkrankten Wöchnerinnen aber und des jetzt günstigeren SterblichkeitsVerhältnisses allhier gibt Herr Dr. Semmelweis die Aufklärung, daß diese gerade in der Zeit vor den Chlorwaschungen häufig vorgenommen wurden, daß jedoch dermalen eben seit Juni 1847 keine Wöchnerinnen mehr (ausgenommen einzelne Fälle wegen Syphilis, Blattern etc., etc., wie dies die Vorschrift erheischt) auf andere Abteilungen des allgemeinen Krankenhauses übersetzt werden, daß somit das nun angegebene Mortalitätsverhältnis ein wahres und richtiges sei. Ferner wenn Dr. Scanzoni Zweifel erhebt gegen die Beweiskraft der an Kaninchen zu diesem Zwecke angestellten Versuche, wegen der größeren Quantität von faulen Stoffen, welche erforderlich war, um bei denselben Pyämie zu erzeugen, so hat er wohl nicht den ganz verschiedenen Bau des Geschlechtsapparates dieser Tiere und die durch denselben bedingte geringere Resorption in gehörigen Augen­merk genommen, ebensowenig als den Umstand, daß bei diesen Tieren die injizierte Flüssigkeit zum größten Teile durch die Bauchpresse allsogleich wieder ausgedrückt wird; übrigens scheine es Herrn Dr. Scanzoni nicht sehr Ernst zu sein mit seiner Opposition gegen die Versuche an Tieren, da er selbst solche anstellen zu lassen der Re­gierung den Vorschlag macht. Herrn Dr. Seyfert, der die Frage stellt, welches wohl die ge­wöhnliche Zahl der Puerperalerkrankungen sei, bis zu welcher die Chlorwaschungen ihre Wirksamkeit bewähren, antwortet Herr Dr. Semmelweis, daß dies jene Zahl von Wöchnerinnen sei, bei welchen die faulenden Stoffe nicht von außen her, sondern aus dem erkrankten Individuum selbst aufgenommen werden, und deren Resorption eben jene Potenz bildet, von der Herr Dr. Seyfert meint, „daß sie erst erfunden werden müsse”. Wenn aber von ebendemselben Autor angegeben wird, daß im Monate Februar 1849 wohl in der Stadt Prag eine Puerperal­fieber-Epidemie geherrscht habe, ohne daß eine solche in dem Gebär­hause daselbst zu beobachten war, so ist dies fast unerklärlich, da das Gebäude dieser Anstalt innerhalb der Stadt gelegen ist, und gewiß Bewohnerinnen eben der letzteren als Schwangere und Kreißende da­selbst Hilfe gesucht haben. Nimmt nach dem Vorausgeschickten Dr. Seyfert einen Einfluß der Witterungsverhältnisse auf Erzeugung des Wochenbettfiebers an, so kann derselbe nur auf den von Dr. Semmel­weis unterm 15. d. J. gehaltenen Vortrag hingewiesen werden, der vielfältig das Gegenteil beweist und ebenso all dessen andere Bedenken in Betreff der wunden Stelle, des zu übertragenden Stoffes, der Des­infektionskraft des Chlors und des Vorganges bei der Entstehung des Puerperalprozesses beseitigen wird; daß aber endlich das Puerperal­fieber wirklich ein pyämischer Prozeß sei, dürfte sich in allen patho­logisch-anatomischen Werken der Neuzeit zur Genüge dargestellt finden, ebenso wie Herr Dr. Semmelweis mit anderen in der Tat der Ansicht ist, daß auf gynäkologischen Abteilungen bei vorhandenen Excoriationen

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