Schürer, Fritz von Waldheim dr.: Ignaz Philipp Semmelweis (Wien-Leipzig, 1905)
1846-1850. Assistent in Wien. Entdeckung der Ursachen des Kindbettfeiebers. Erfolge und Verfolgungen. Dozent. Abreisen von Wien
41 Untersuchung der großen Sterblichkeit auf der I. geburtshilflichen Klinik in früheren Jahren auf eine den alten Professor Klein beleidigende Art beantragt hat — und das Streben desselben, mit unrichtiger Deutung des Min.-Erl. Nr. 8175 gegen die a. o. Professoren und Dozenten zu Felde zu ziehen.” Am 10. Februar übersendete er abermals sechs Protokolle und Beilagen mit einer langen Einleitung, in welcher er, ob nun von der Aufhebung der Vorlesungen über spezielle medizinische Pathologie und Therapie, oder von der Einschränkung der Rechte der a. o. Professoren und Dozenten oder von der Klein’schen Angelegenheit die Rede, beständig Skoda angreift, nebenbei von „materialistischen Ansichten neuerer Forscher” spricht und schließlich sagt: „Als ein dritter Übelstand muß die im Protokolle Nr. Ill sub 16 auftauchende und im Protokolle IV sub 1 fortgesetzte Fehde zwischen dem Professor der medizinischen Klinik für Ärzte und jenem der ersten geburtshilflichen Anstalt betrachtet werden, wo einer der jüngsten Professoren einen der ältesten auf eine nicht eben kollegiális che freundschaftliche Weise unter dem Deckmantel wissenschaftlicher Forschung, in der Wahrheit aber in der von mehreren Kollegen beim ersten Anlasse, wo sie seinem Anträge beistimmten, gar nicht geahnten, unlauteren Absicht einer Ehrenkränkung angreift. — — — Ein hohes Ministerium wolle selbst in die Pro und Contra gnädige Einsicht nehmen, um zur Überzeugung zu gelangen, wie wenig von der Wirksamkeit eines Lehrkörpers zu erwarten stehe, in dem es Mitglieder gibt, die gerade zu einer Zeit, wo freundschaftliches Händereichen und kräftiges Zusammenwirken vor allem Not tut, um die von einem weisen Ministerium in der edelsten Absicht angebahnten Reformen gehörig durchzuführen, solch unedlen Leidenschaften sich hingebend, Ordnung und Ruhe stören.” Das Unterrichtsministerium, an dessen Spitze damals Freiherr v. Sommaruga stand, gab am 18. Februar 1849 folgende Antwort: „Was die .... fortgesetzte Fehde zwischen dem Professor der medizinischen Klinik für Ärzte und jenem der ersten geburtshilflichen Anstalt betrifft, so wäre es sehr zu bedauern, wenn eine im Interesse der Wissenschaft sowohl, als in dem des Gesundheitswohles der Gebärenden gleich wünschenswerte wissenschaftliche Forschung hierzu mißbraucht würde. Wenn eine derlei Forschung von einem Mitgliede des Lehrkörpers in Anregung gebracht und von letzterem als zeitgemäß und nützlich erkannt wird, so kann doch die Aufforderung hierzu nur an den Vorstand desjenigen klinischen Institutes geschehen, an dem selbe stattfinden soll. Es wäre ihm anheimzustellen, die Mittel und Wege einzuschlagen, welche er zur Erzielung eines befriedigenden Resultates als zweckdienlich erachtet. Er wird hierbei gewiß nicht unterlassen, jene seiner Kollegen beizuziehen, die ihm mit Rat und Tat an die Hand gehen können, und gewissenhaft jeden Wink benutzen, der in einer so wichtigen Angelegenheit zur Aufklärung führen kann. Auch liegt es im Wirkungskreise des Vorstandes des Lehrkörpers, sich