Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen
194 Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen. Daß die Tubeneinführung die bedrohliche Atemnot bei der Laryngitis subglottica acuta, d. h. bei dem in überaus schwerer Form auftretenden Pseudocroup prompt beheben wird und zur Heilung führen kann, bedarf nach dem ersten Kapitel dieser Arbeit keiner längeren Besprechung, weshalb ich dieser Frage an dieser Stelle auch nicht näher trete. Besonders häufig kam das Intubationsverfahren bei Glottisödemfällen verschiedenen Ursprunges zur Geltung, und die durchaus zufriedenstellenden Resultate, die aus derartigen therapeutischen Versuchen hervorgingen, konnten nur die Äußerung Lefferts’ (N. Y.) vom Jahre 1893 bekräftigen: „the day of tracheotomie in oedema glottidis has probably passed.“ Bei einem Falle von Glottisödem zufolge akuter Nephritis (13jähriges Kind) sah Ferroud einen vollen Erfolg, desgleichen war der Erfolg Ferroud s in einem Glottisödemfalle, verursacht durch Jodverabreichung (22jähriger Mann), ein vorzüglicher; eine eklatante Wirkung bei Glottisödem im Gefolge von Gicht sah Harold StalJcartt und über ausgezeichnete Erfolge bei durch heiße Getränke entstandenem Glottisödem berichten J. Ball, Annandale, Baer und B. Pitts. Namentlich Pitts berichtet über drei einschlägige schöne Fälle, die er im Londoner Great Ormond Street Kinderspitale beobachtete, das eine Kind war anderthalb, das zweite zweieinhalb und das dritte dreieinhalb Jahre alt. Wir notieren ferner, daß Schertel im Materiale des Stuttgarter ,,01ga“-Kinderhospitals einen Fall sah, wo die bedeutende ödematöse Anschwellung des Kehlkopfes, verursacht durch Laugenätzung, nach achtstündiger Tubenlage zur Rückbildung kam, indem die in bedrohlichem Maße aufgetretenen Atembeschwerden endgültig schwanden, so daß keine neuerliche Tubeneinführung notwendig war. Einen ähnlichen Fall beobachtete ich selbst erst in jüngster Zeit (im November 1906). Das wenige Stunden nach der Laugenvergiftung entstandene bedeutende Larynxödem bildete sich nach 30stündigem Verweilen der Tube vollkommen zurück, und das 15 Monate alte Kind heilte von dem bedrohlich schweren Zustande vollkommen aus. Einige Autoren, so Taub (Budapest), Ferroud, Massei und Sippel wandten die Intubation bei einzelnen auserwählten Fällen von Pertussis mit Erfolg an. Mit Recht betont Taub, die „Intubation nur in jenen Fällen von Keuchhusten in Anwendung zu bringen, wo die Anfälle sehr häufig, sehr schwer sind und mit Asphyxie einhergehen, kurzum, wo das Leben des Kindes bei jedem einzelnen Anfalle gefährdet ist.“ In zwei solch schweren Fällen, bei einem 6 monatlichen Knaben und einem 8 monatlichen Mädchen, konnte er durch vier- bzw. siebenmalige Tubeneinführung bei je einige Stunden währender Tubenlage recht gute Resultate erreichen und der Lebensgefahr begegnen. In ähnlichen Fällen, auf Grund der Indicatio vitalis, wurde die Intubation bei Pertussis auch im Stuttgarter ,,01ga“-Krankenhause versucht. Sippel und Schertel sahen insbesondere in zwei Fällen eklatante Erfolge. Im Mai 1902 griffen sie bei zwei Pertussisfällen von 2jährigen Knaben zu dem Verfahren. Die Kinder waren hochgradig rachitisch (Knochenverkrümmungen, Hydrocephalus, Laryngospasmus) und waren