Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

II. Teil. Über den Wert der Intubation bei sonstigen mit Stenose der oberen Luftwege einhergehenden Erkrankungen

192 Schalter (1889) sah in einem Falle von multiplem Larynxpapillom unter der Wirkung des Tubendruckes eine partielle Rückbildung der Ge­wächse. Bald darauf (1890) beobachtete Baldwin bei einem 8jährigen Knaben vollkommene Heilung. Der Kranke litt seit einigen Jahren an Atembeschwerden, welche durch ein dem linken Stimmbändchen breit an­haftendes Papillom verschuldet waren. Nach Einführung einer verhältnis­mäßig größeren Tube ging die Geschwulst bei längerem Verweilen der Tube langsam zurück und war nach einigen Wochen vollkommen verschwun­den. Cheatham (1897) berichtet über einen Fall von multiplem Larynx­papillom, bei welchem er nach achtmonatlicher methodischer Intubation eine vollkommene Heilung erlebte. Massei sah bei einem Erwachsenen, Bonain bei einem 3 jährigen Kinde eine vollkommene Heilung nach intra- laryngealer Curette und nachfolgender methodischer Intubation, und Massei vertritt auf Grund seiner günstigen Erfahrung den Standpunkt, daß die Intubation in solchen Fällen besonders empfehlenswert sei, wo bei multipler Papillombildung ein Teil der Gewächse bereits entfernt und ein Zutritt für den Luftstrom geschaffen wurde, — in derartigen Fällen wird nämlich die anschließend an den blutigen Eingriff vorgenommene Tubeneinführung einerseits die operative Nachblutung bald stillen, andererseits wird das ständige Verweilen der Tube einen steten Druck auf die zurückgebliebene Geschwulstmasse ausüben und deren Rückbildung erwirken. Brown ermahnte schon im Jahre 1889 auf Grund eines tödlich ver­laufenen Falles auf die eventuellen gefährlichen Folgen des Verfahrens, namentlich auf den Umstand, daß man bei der Tubeneinführung leicht ein Papillom losreißt, welches durch Aspiration eine Obturation der oberen Luftwege und Asphyxie bzw. Erstickung verursachen kann. Ähnliche traurig verlaufene Fälle beschrie­ben auch Raynar und Petersen, welche in der Arbeit von Jurasz als abschreckende Beispiele kom­mentiert werden. Ich erwähne, daß O’ Dwyer und Lichtwitz zur Entfernung der Kehlkopfpapillome spezielle ge­fensterte Tuben konstruierten (Fig. 104), deren Hauptvorteil darin be­stehen soll, daß die normale Schleimhaut während der blutigen Entfernung der Papillome vollkommen geschützt ist, daß also bei Gebrauch derselben die Möglichkeit einer Verletzung der normalen Schleimhaut vollkommen ausgeschlossen erscheint. Die gefensterte Tube spielt gleichzeitig die Rolle des Volkmannsehen Löffels; das Fenster derselben ist nämlich mit scharfen Rändern versehen und kann mit einer Schraubenvorrichtung nach jeder Richtung eingestellt werden. Die Tube von Monselles (Florenz 1900) ist im großen und ganzen (Fig. 105) der O’Lhn/erschen ähnlich. Ich glaube, daß die angeführten Tuben keinen besonderen praktischen Wert haben und bin der Meinung, daß sie die seit 1887 im Gebrauch stehen­den und von den Fachkollegen nicht gebührlich aufgegriffenen Lön sehen Katheter nicht übertreffen, ja sogar gewiß weniger leicht zu handhaben sind. Bekanntlich stellt das Lön sehe Instrument einen einfachen, recht­winklig abgebogenen, konisch schließenden und mit einem scharfrandigen, Über den Wert der Intubation bei sonstigen Stenosen. Fig. 104.

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