Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose

O’Dwyers Lebenslauf. IB O’Dwyer erfahren wir, daß er in seiner Privatpraxis, die Aborte mit ein­gerechnet, bei mehr als dreitausend Fällen geburtshilflich tätig war. Seine Vielseitigkeit charakterisiert Nortiirup, indem er sagt: He really knew more general medicine than most men.“ O'Dwyer litt seit der Zeit, als ihn die Intubation beschäftigte, an Schlaflosigkeit. Die Gedanken des Tages nahmen ihn auch in der Nacht gefangen und störten seinen Schlaf. Seitdem die Intubation in New York populär geworden war, wurde er nachts besonders häufig gestört, und wenn er auch nicht zum Krankenbette eilte, so war es doch um seine Ruhe geschehen. Sobald er einem Kinde seine Tube einführte, begann sein Grübeln, seine Unruhe. Der Eingriff war neu und die Fehlerfolge, die naturgemäß hier und da auftauchten, hatten in höchstem Maße auf sein empfindliches Gemüt eingewirkt. Die Intubation raubte ihm den Schlaf, schädigte seine Gesundheit und ließ ihn vor der Zeit altern. „Sie begründete seinen Ruf, brachte ihn aber auch in das Grab“ — sagt Northrup. Seine Gemahlin, die seine treue Lebensgefährtin und in des Wortes strengster Bedeutung seine Mitarbeiterin war, starb sechs Monate nach dem Washing­toner Kongreß, an welchem O' Dwyer bereits von der ganzen amerikanischen Ärztewelt gefeiert wurde, und dieser Verlust hatte ihn sehr erschüttert und trug Schuld daran, daß er sich in den letzten zehn Jahren seines Lebens vom Lärm des öffentlichen Lebens fast ganz zurückzog. O'Diuyer war kein Freund vieler Worte; strenge in sich verschlossen, stets nachdenklich gesinnt, wurde er bloß im intimen Freundeskreise mit­teilsam. Der Kreis jedoch, in dem er sich bewegte, liebte und verehrte ihn so sehr, daß es fast Anbetung gleichkam. Dem New Yorker Findel­hause, mit welchem Institute er 25 Jahre hindurch verwachsen war, be­deutete er fast alles. Auf der Abteilung für Gebärende war er der mit reicher Erfahrung gesegnete, stets hilfsbereite Freund in der Not, auf dem Gebiete der Intubation war er der Großmeister, in der internen Praxis war er der Consiliarius des Spitals und den der Krankenpflege obliegenden Spitalschwestern war er der Lehrer, der Ratgeber und der Arzt. Alle vergötterten ihn! Sein Familien- und Bürgerleben, sein berufliches Ver­hältnis zu den Kollegen und zu den Kranken — so sagt Northrup — deuteten auf einen Mann von hervorragendem Charakter. Im Jahre 1896 wurde er zum Vorsitzenden der „American Pe­diatric Society“ gewählt, die höchste Auszeichnung, die ein amerika­nischer Kinderarzt erreichen kann. O' Dwyer litt in seiner Jugend an Lungenblutungen und wohnte deshalb drei Jahre hindurch, als Mitglied einer Feldmessungskommission in einer Waldung, die sich um den Michigansee ausbreitete. Hier hörten die Blu­tungen auf und sein Leiden heilte. Er war stets von schwächlicher Kon­stitution. Die unaufhörliche, rastlose Arbeit der letzten 15 Jahre hatten im Jahre 1897 seine Gesundheit augensichtlich untergraben, so daß die ihm nahestehenden Freunde im November schon um seinen Zustand besorgt waren. In der ersten Dezembenvoche stellte sich eine Thrombose in einer Kleinhirnarterie ein und fünf Wochen später trat zufolge anschließender Gehirnhautentzündung der Tod ein, der ihn von seinem Leiden erlöste. Sein Schwanengesang war eine kleinere Mitteilung. Sie erschien im Januarhefte 1898 des „Archives of Pediatrics“ unter demTitel „Con­

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