Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose
163 Bedeutung bei der Therapie noch referieren werde. Die Prognose ist nach alldem in jedem solchen Falle behutsam aufzustellen (unter den sechs Fällen von Ranke starben fünf an interkurrenten Erkrankungen und einer blieb „Canulard“). Die Vorsicht in unserer Voraussage ist um so mehr berechtigt, als die operative Behandlung — wie aus den mitgeteilten Krankheitsgeschichten ersichtlich ist und wie wir überdies noch sehen werden — sehr umständlich ist, große Umsicht und unendliche Geduld sowohl von seiten des Arztes als auch des Kranken erfordert, und selbst dann können wir uns bei jedem einzelnen Falle davon überzeugen, wie richtig Boulays Bemerkung ist: ,, ils so nt rebelles au traitement“. Besonders ungünstig ist, quoad valetudinem integram, die Prognose jener Fälle, wo das knorpelige Skelett des Ringknorpels ganz zugrunde gegangen ist und die narbige Verwachsung danach auftrat, da, wie O’ Dwyer betont, in diesen Fällen keine Hoffnung vorhanden ist, daß die Kranken jemals von ihrer Kanüle befreit werden (,,there is no hope of ever getting rid of the canula“), obzwar auch wir neuestens die Erfahrung machten, daß es durch die Resektion (siehe S. 160) selbst in solch verzweiflungsvollen Fällen glücken kann, den unglücklichen Kranken von seiner Kanüle schließlich doch zu befreien. Ich bemerke, daß sowohl in meinen fünf geheilten Fällen narbigen Kehlkopf Verschlusses, als auch in den Fällen von Ganghofner, König, Alapi und Hagenbach die Heilung in des Wortes vollster Bedeutung eine sozusagen vollständige war, und in Anbetracht dessen, daß in sämtlichen Fällen selbst nach Ablauf von Jahren keine Rezidive auf trat, können wir die Heilung der betreffenden Fälle (zumindest meiner Fälle nach Zeugnis obiger Krankengeschichten) auch als beständige ansehen. Es fragt sich nach alldem, ob wir durch ein bestimmtes Vorgehen die Entwicklung der narbigen Strikturen verhüten können? Minderwertige Verengerungen werden wohl von Zeit zu Zeit in der Praxis jedes Intubators Vorkommen, da doch tiefere Druckgeschwüre in der Gegend des Ringknorpels kaum je vollkommen zu vermeiden sein werden, wenigstens nicht bei einem Diphtheriemateriale; impermeable Strikturen bzw. narbige Verschlüsse jedoch müssen und dürfen nicht Vorkommen, ja ich wage es zu behaupten, daß deren Auftreten durch entsprechendes Vorgehen sozusagen ganz unmöglich gemacht werden kann. Schon Galatti hat in seiner Mitteilung mein Verfahren erwähnt, welches ich seit Jahren in meinem Spital bei all jenen Fällen anwenden lasse, wo ausgebreiteter Druckgeschwüre wegen die sekundäre Tracheotomie vollzogen wurde: dieses Verfahren besteht darin, daß ich schon eine Woche nach dem Luftröhrenschnitt mit der O’Dwyer sehe n Tube Probesondierungen vornehme und diese in kurzen Zeiträumen wiederhole, und sobald ich das Auftreten einer narbigen Verengung vermute, mittels sekundärer Intubation möglichst bald das DekanuleUber die nach der Intubation entstandenen Kehlkopfverengerung-en. 11*