Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation

I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose

Laryngoskopischer Befund (Fig. 86) am 22. Juni 1906 (Dr. Paunz): Die Schleim­haut des Kehlkopfeinganges ist narbig; das linke falsche Stimmband zieht sich als Narbengewebe auf das wahre Stimmbändchen herab und bedeckt dasselbe, wodurch der Kehlkopfeingang die in der Abbildung erscheinende unregelmäßige Form ge­winnt. Das rechte Stimmband ist frei sichtbar, die Bewegungen desselben sind ungehindert; das linke Stimmband ist gebunden und bewegt sich nur wenig. An der laryngealen Fläche des Kehldeckels, nahe zur Basis, hypertrophische Anschwellungen der Schleimhaut. 4. Narbiger Kehl ko pf verschl u ß. T. B., 5 Jahre alter Knabe, überstand im Alter von 2 Jahren eine Kehlkopfdiphtherie, in deren Verlauf er in der Provinz acht Tage hindurch intubiert wurde. Am neunten Tage wurde an ihm zufolge der Undurchführbarkeit der endgültigen Detubation die sekundäre Tracheotomie voll­zogen. Fünf Monate lang trug er die Kanüle, — nach Verlauf dieses Zeit­raumes wurde er behufs Dekanülements nach Wien gebracht, wo er zweimal insgesamt 14 Monate an den Abteilungen von Chiari und Koschier behandelt wurde, wobei mehrfach Laryngofissionen vorgenommen wurden. Trotz dieser Eingriffe konnte er von seiner Kanüle nicht befreit werden und mit den Er­scheinungen eines kompletten narbigen Verschlusses wurde er im Jahre 1902 in das ,,Stefanie“-Kinderspital aufgenommen. Primarius Winternitz nahm bei dem Kinde die Laryngofission vor, wobei sich herausstellte, daß das Lumen des Kehlkopfes oberhalb der eingelegten Kanüle in der Höhe des Ring- knorpels und des ersten Trachealringes durch einen knorpelharten, narbigen, 1 cm breiten Wall vollkommen verstellt ist. Das Narbengewebe wurde im ganzen Umfange excidiert und die Oberfläche der entstandenen circu- lären Wunde mit einem Epidermislappen nach Thiersch bedeckt, welcher durch einen runden Jodoformgaze-Tampon an die Wundfläche fixiert wurde. Einige Nähte oberhalb des Tampons vereinigten die Ränder der Kehlkopfwunde. Die erste Transplantation mißlang, nach 4 Tagen wiederholt saß der Lappen aber fest. Zwei Wochen nach der Operation wird eine O'Dwyer-Tube in den Kehlkopf ge­führt, welche nach 4—5 Tagen gewechselt wird. Dank der systematischen Intubationen brachte es das Kind nach 2Monatenso weit, daß es die Tubenentfernung mehrere Tage hindurch verträgt, bis es endlich nach einer gesamten Tubenlage von 878 Stunden endgültig extubiert werden konnte. Der Knabe wurde am 8. November 1902 in der Fachsektion des Budapester königl. Ärztevereins vorgestellt, nachdem er bereits seit 5% Monaten ohne Tube war. Er atmet ruhig und spricht wohl heiser, aber ganz verständlich. Nach einer von seinem Vater eingeholten Ver­ständigung (1904) ist der Knabe gesund und entwickelt sich geistig und körperlich vollkommen normal, seine Atmung ist ruhig und wird nur bei körperlichen Emotionen etwas erschwert. 5. Narbiger Kehlkopfverschluß. Elisabeth H., 4 Jahre alt, erkrankte am 23. Oktober 1901 an Larynxcroup •und kam nach 2 Tagen zur Intubation. Sieben Tage hindurch wurde sie täglich in­tubiert, darauf wurde die obere Tracheotomie vollzogen, auf welche 4 Tage später das Dekanülement und jeden zweiten Tag sekundäre Intubationen folgten. Infolge interkurrenter Fiebererscheinungen (Polyarthritis) trug das Kind 8 Tage lang die Kanüle, und nach Verlauf dieser Zeit war selbst die kleinste Tube nicht mehr ein­zuführen. Am 11. Dezember 1901 wurde das Kind in das „Stefanie“-Kinderspital auf­genommen und am 17. nimmt der Operateur die Laryngofission vor. Man überzeugt sich hierbei davon, daß das Kehlkopflumen in der Höhe des Ringknorpels von rosa­farbigem, dichtem Narbengewebe ausgefüllt und vollkommen verschlossen ist. Die Gewebsmasse entspringt breit an der vorderen Wand, übergeht oben und unten mit einer taschenförmigen Ausbuchtung zur hinteren Wand, und nach Excision derselben bleibt ein ansehnlicher Defekt zurück, welcher an der vorderen Wand fast 3 cm, an der hinteren etwa 1 cm beträgt. Zur Bedeckung der Fläche wurde ein dem Oberarm entnommener Thiersch scher Lappen verwendet. 158 Die O’Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphtherisehen Larynx-Stenose. Fig. 86.

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