Bókay, J. von dr.: Die Lehre von der Intubation
I. Teil. Die O'Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphterischen Larynx-Stenose
besitzt1). Die gemeinsame Schattenseite aller dieser Instrumente besteht jedoch darin, daß gerade in den Fällen dringender Extubation (bei Herabstoßung von Membranen, usw.), insbesondere, wenn der Kehlkopf stärkere Exkursionen macht, die sofortige Entfernung der Tube mißlingen kann und die wiederholt angestellten Extubationsversuche leicht schwere Kehlkopfverletzungen erzeugen können. Und doch kann die Notwendigkeit der sofortigen Tubenentfernung (siehe S. 80) in der Intubationspraxis häufig auftreten, und dieser Umstand bewog Guy er und auch mich dazu, statt der instrumentellen Extubation die Entfernung der Tube mittels des Fadens zu üben, deren besonderer Vorteil es ist, daß sie rasch, ohne Gefahr, durch jede Person und zu jeder Zeit vollzogen werden kann (nach Moizard: ,,C’est une securité précieuse“). Unsererseits leugnen wir nicht, daß der belassene Faden dem Kranken einigermaßen unangenehm ist, die gegen das Belassen des Fadens erhobenen Argumente können wir jedoch jenen Gefahren gegenüber, die man durch das Behalten des Fadens sicher zu verhüten vermag, bloß als minder bedeutende Unannehmlichkeiten betrachten, und wenn Sevestre erwähnt, daß in einem Falle das Kind den Faden durchbiß und derselbe in das Lumen der Tube zurückglitt und dasselbe verstopfte* 2), so daß das Kind erstickte (einen ähnlichen Unglücksfall erwähnt auch Ferroud), sind wir gezwungen, diesen fatalen Ausgang zum großen Teile der mangelhaften und nicht entsprechenden Beaufsichtigung zuzuschreiben, da derselbe durch die rechtzeitige instrumenteile Entfernung der Tube vielleicht hätte verhütet werden können3). Das, was einzelne französische Autoren hervorheben, daß wir nämlich durch das Belassen des Fadens die Infektion der unteren Luftwege befördern, ist meiner Ansicht nach eine Frage, die noch bewiesen werden soll. Nach alldem tritt die Frage heran, ob die Bayeux sehe Enculeation vorteilhafter sei, als die Fntfernung der Tube mit dem Faden? Die Enucleation ist, wie wir bereits gesehen haben, ein beiläufig in ähnlicher Weise ungefährliches Verfahren, wie die Entfernung mittels des Fadens, wir müssen jedoch in Betracht ziehen, daß Bayeux’ Verfahren leicht nur mit den durch ihn verfertigten kurzen Tuben vollzogen werden kann, wir können uns jedoch für diese Tuben, im Vergleich mit den jetzt gebräuchlichen prächtigen Ebonittuben O' Dwyers, nicht recht erwärmen. Nach Froin wäre überdies die Enucleation für den Kranken oftmals ziemlich *) So kann es bei Anwendung des O'Dwyer sehen Extraktors infolge der Verdickung hinter den kurzen Branchen passieren, daß wir unter gewissen Bedingungen die Tube unter die Stimmbänder schieben, was beispielsweise bei Benützung der Instrumente von Ferroud, Ch. Bayle oder Rabot kaum geschehen kann. A. Hugues (1895) gibt die Kritik des O'Dwyersehen Extraktors in folgendem: Das Gewicht liegt beinahe völlig am Ende desselben, seine Handhabung ist beschwerlich; die Branchen der Zange sind dick und schwerfällig und dringen nicht tief genug in das Lumen der Tube ein. Zum Schlüsse legen sich die gerippten Branchen des schnabelförmigen Endes bloß exzentrisch an einen Punkt an. 2) Schiatter bindet die beiden Teile des Fadens oberhalb des Tubenkopfes zu einem Knoten, was die Möglichkeit der Aspiration des Fadens verringert. Ich gehe auf ähnliche Weise vor. 3) Bonain beobachtete mehrfach die Aspiration des durchgebissenen Fadens, — Castelain (1903) wundert sich darüber, daß der Kranke in solchen Fällen den aspirierten Faden aus dem Tubenlumen nicht aushustet. 138 Die O’Dwyersche Intubation und deren Ausübung bei der diphtherischen Larynx-Stenose.