Inventare Teil 9. Inventar des Verkehrsarchivs in Wien (1959)

Die Bestände des Verkehrsarchivs: - A. Selekte und Gesamtregistraturen von Hofstellen und Ministerien

42 Jahre 1897 begonnen worden; diese Umstellung war in einem Jahrzehnt praktisch abgeschlossen. Als erste elektrische Lokalbahn in der Monarchie wurde 1903 die Linie von Tabor nach Bechin in Böhmen eröffnet, ein Jahr später folgte die Stubaitalbahn, als eine der ersten Wechselstrombahnen der Welt. Von den in den späteren Jahren gebauten Lokalbahnen mit elek­trischem Betrieb hatte die 1912 eröffnete Mittenwaldbahn sowohl in allge­mein verkehrswirtschaftlicher als auch in technischer Beziehung die größte Bedeutung. Obwohl im selben Jahr die Kohlernbahn als erste Seilschwebe­bahn ihren Betrieb aufnahm, fallt die Ausarbeitung entsprechender technischer Vorschriften für Seilbahnen erst in die Zeit der Ersten Republik. Auf dem Gebiete der Lokomotivkonstruktionen erlangten die Entwürfe des Sektions­chefs Gölsdorf Weltruhm. Neue Aufgaben entstanden dem Ministerium durch den Ausbau der sozialpolitischen Gesetzgebung (Gesetz vom 28. VTI. 1902, RGBl. 156, betr. die Regelung des Arbeitsverhältnisses der bei Regie­bauten von Eisenbahnen und in den Hilfsanstalten derselben verwendeten Arbeiter; Einführung einer Fahrkartensteuer 1902 wegen der Erhöhung der Bezüge der Bediensteten; Anfänge einer Personal Vertretung) und durch Maßnahmen zur Förderung des Fremdenverkehrs. Eine Gesamtreform der Staatseisenbahnverwaltung kam jedoch nicht über theoretische Erörterungen heraus; doch wurde in den Jahren 1909 und 1911 der Wirkungskreis der Staatsbahndirektionen wesentlich erweitert. Durch die Kundmachung vom 1. VII. 1909 (RGBl. 102) wurden den Direktionen unter anderem ver­schiedene Personalverfügungen und die Errichtung von Interessentenhalte­stellen übertragen, sowie die Wertgrenzen bei Verträgen, Vergleichen usw. wesentlich erhöht, während wieder durch die Kundmachung vom 5. V. 1911 (RGBl. 87) außer weiteren personellen Befugnissen sehr weitgehende Rechte bei Vergebung von Bauten den Direktionen eingeräumt wurden; beide Maß­nahmen hemmten sichtbar den ministeriellen Aktenstrom. Im Verkehrs­dienst hingegen sind 1912/1913 wesentlich beschleunigte und die Grenzen der Staatsbahndirektionen überschreitende Ferngüterzüge eingeführt worden. Bis Mitte 1914 hatte sich das österreichische Eisenbahnnetz (von 16.727 km im Jahre 1896) auf insgesamt 23.554 km (inklusive Straßenbahnen und Klein­bahnen) erhöht, eine Zunahme von rund 40% in 18 Jahren, die jedoch von früheren Epochen weit übertroffen wurde. In weitaus stärkerem Maße sind hingegen die Verkehrsleistungen der österreichischen Eisenbahnen gestiegen: im Laufe des 20. Jahrhunderts allein hatte sich die Zahl der reisenden Per­sonen rund verdoppelt (1900: 148 Mill., 1913: 301 Mill.), und die beförderte Gütermenge von 118 auf 158 Mill. Tonnen erhöht. Die Betriebsausgaben er­reichten nur 57% der Betriebseinnahmen, sodaß eine bescheidene Verzinsung des Anlagekapitals ermöglicht wurde. Diese ständige, nur von kleineren Rück­schlägen in finanzieller Hinsicht gehemmte Aufwärtsentwicklung wurde durch den Kriegsausbruch jäh unterbrochen. Der Bau verschiedener Lokal­bahnen wurde sofort bei der Mobilisierung eingestellt; eine umfangreiche, Ende des Jahres 1913 vorgelegte Lokalbahn Vorlage kam somit nicht mehr

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