Inventare Teil 7. Inventar des Wiener Hofkammerarchivs (1951)
Die Bestände des Wiener Hofkammerarchivs - 60. Patente (1500-1848) - 61. Archivverhandlungen (1548-) - 62. Ungarisches Camerale (1750-1820)
60. Patente — 61. Archivverhandlungen — 62. Ungarisches Camerale 153 60. Patente (Zirka 1500—1848) Das Hofkammerarchiv besitzt gleich den meisten anderen großen Archiven eine eigene Sammlung von Patenten und Zirkularen, wie sie von den Zentralstellen ausgegangen oder auch an diese von den Mittel- und Unterstellen im Berichtswege eingesandt wurden. Sachlich umfassen diese Stücke so ziemlich den gesamten Bereich der staatlichen Verwaltung, wenn auch der Aufgabenkreis der Hofkammer einigermaßen im Vordergrund steht. Zeitlich beginnt die Sammlung nach 1500 — was aus einer früheren Zeit vorhanden ist, sind später angelegte Abschriften — und reicht herauf bis über 1848, also bis zur Umwandlung der Hofkammer in das neuzeitliche Finanzministerium. Die Stücke liegen in chronologischer Ordnung. Mehrfach unternommene Versuche, den Bestand durch Indizes zu erschließen, sind immer wieder ins Stocken gekommen, die begonnenen Verzeichnisse Bruchstücke geblieben, so daß die wenigen Behelfbücher jeweils nur einen bescheidenen Teil des tatsächlich vorhandenen Materials erfassen. 156 Faszikel, 98 Bücher (davon der größte Teil Patenten-Sammlungen). 61. Archiv Verhandlungen (1548 bis Gegenwart) Der sehr frühe Beginn sowohl der Akten (1548) wie der Bücher (1633) dieses Bestandes täuscht eine organisierte Archivkanzleiführung für Zeiten vor, in denen von einer solchen noch keine Rede sein konnte. Erst seit ungefähr 1775 wird das Protokoll über die von den Vorgesetzten Stellen an das Archiv gelangten Aufträge und dessen Berichte fortlaufend geführt, erst von dieser Zeit an wird der Niederschlag des Geschäftsverkehrs des Hofkammerarchivs zu einer organisch erwachsenden Registratur. Der vor zirka 1775 liegende Bestand ist ein aus Hofkammer und n. ö. Kammer aufgesammeltes Selekt, zu dem ein bis 1633 zurückreichendes Protokoll samt Index angefertigt wurde. Die „Archivverhandlungen“ geben über Personalien und Arbeiten der Beamten des Hofkammerarchivs, über Übernahmen und Abtretungen von Beständen u. dgl. Aufschluß und werden für die Zeit, da Franz Grillparzer als Direktor die Geschäfte führte (1832—1856), von starkem allgemeinen Interesse*). 74 Faszikel, 71 Bücher (im Jahre 1951). 62. Ungarisches Camerale (1762—1820) Der Bestand „Ungarisches Camerale“ umfaßt die aus der Einflußnahme der Hofkammer auf die Verwaltung der staatlichen Finanzen in Ungarn seit 1762 hervorgegangenen Akten. 1761/62 war das Directorium in publicis et came- ralibus aufgehoben und die Hofkammer mit der Verwaltung des Camerales der Gesamtmonarchie neuerlich betraut worden. Da jedoch die Verwaltung der ungarischen Kameralgefälle auch zeit des Bestandes des „Directoriums“ ') Vgl. dazu G. Wolf, Grillparzer als Archivdirektor. (Wien 1874.) — Ferner den Auszug des Vortrags von Franz Wilhelm, „Grillparzer als Archivar“, im Korrespondenzblatt des Gesamtvereines der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine, 78. Jg., 1930, Sp. 239.